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INDIEN: Indien ist ein so vielfältiges Land! (CSP)

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Geschrieben von: Jannis, Indien 2008/09   
Mein Name ist Jannis und ich war über AFS knapp fünf Monate als Volontär in der indischen Organisation FSL India tätig. Mitte März bin ich mit dem Flugzeug durch die dicke graue Wolkendecke wieder in Deutschland gelandet. Erst da realisierte ich, dass ich wirklich sechs Monate Indien und einen Monat Thailand hinter mir lagen. Diese sieben Monate sind für mich, trotz der vielen neuen Erfahrungen und unzählbaren Ereignissen, unglaublich schnell vergangen. Jetzt steh ich vor allem vor dem Problem, dass ich nicht weiß wie ich dies alles auf zwei so kleinen Seiten zusammenfassen soll, um euch einen kleine Rückblick zu geben. Ich versuche es trotzdem…

Am 30. August bin ich in Bangalore gelandet. Von hier fuhr ich als allererstes in Richtung Kundapura. In den ersten Wochen im Environmental Education Project lernte ich viel über das Arbeiten in Indien, das Unterrichten an Schulen und generell erfuhr ich viel über die akuten Umweltprobleme, die ganz besonders Indien betreffen. Wir nahmen immer die Umweltprobleme als Beispiel, an denen die Menschen dort direkt etwas verändern könnten. Dazu gehörten z.B. die Umweltverschmutzung durch das schlechte Entsorgungssystem von Abwasser und Abfall. Der Leitsatz des Projektes ist: „We are part of the environment!“. Das bedeutet wenn wir die Natur beschädigen oder sogar zerstören hat das immer direkte Konsequenzen für uns. Genau so ist es mit der Umweltverschmutzung. Die Menschen führen ihre Abwasser und werfen ihren Müll in die Flüsse. In Kundapura leben 30 Prozent der Bevölkerung von dem Fischfang und die Meisten trinken das ungefilterte Grundwasser. Dementsprechend ist die Säuglingssterberate und die Lebenserwartung dramatisch. Mit unseren Aktionen versuchten wir deswegen die Menschen über diese Missstände aufzuklären und möglichst einfache Lösungen anzubieten. Da aber der Organisation FSL India der nötige Einfluss und auch das entsprechende Kleingeld fehlt, konnten wir nur das Bewusstsein der Menschen erreichen, aber keine groß angelegten Projekte planen. Doch genau dies bildet das Fundament des Umweltschutzes und der Begriff, „ to spread environmental awareness“, fiel daher sehr oft, wenn es darum ging das Projekt vorzustellen. Generell kann man sagen, dass das Projekt in drei verschiedene Bereiche geteilt werden kann. Zum ersten die Arbeit mit Kindern in „Schoolsessions“ und der „ Green Youth Group (GYG)“, zum zweiten die Arbeit mit der Bevölkerung aus den verschiedenen Stadtteilen, was im Projekt als „work within the community“ bezeichnet wurde und zum dritten die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Letzteres bestand größtenteils darin gemeinsame Aktionstage zu planen, über neu geplante Projekte informiert zu werden und generell mit Diskussionen und auch Ratschlägen die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung auf die Umweltproblematik in ihrer Stadt zu lenken.
Ein sehr wichtiges Element in dem Projekt ist auch die oben genannte Arbeit mit Schülern und Jugendlichen. Bei den fünf bis sechs Unterrichtseinheiten mit 14 bis 17 jährigen Schülern steht das „we are part of nature and environment“ wieder stark im Vordergrund. Unser Ziel war es natürlich den Schülern das Problem bewusst zu machen und sie aber auch so zu motivieren, dass sie von sich aus über kleine minimale Veränderungen nachdenken. Wir versuchten immer so viele Bilder, Beispiele, Fragen und Spiele wie möglich in den Unterricht zu verwenden um den z.T. abstrakten Stoff greifbar zu machen. Dadurch glich der Unterricht oft mehr einem Workshop, in dem die Schüler mit Spaß und Spiel an das äußerst ernste Thema der Umweltverschmutzung herangeführt wurden. Um ein Beispiel zu nennen verglichen wir die Erde oft mit dem Menschen. Die Flüsse und Wasserstraßen der Erde sind die Adern des Menschen und wenn in den Adern des Menschen das Blut verunreinigt wird, wird der Mensch krank. Genau an diesem Punkt befindet sich die Erde jetzt, d.h. sie braucht Hilfe, denn wenn es der Erde nicht gut geht, brauchen wir nicht lange warten bis die Menschheit darunter leidet. Dies brachte uns direkt wieder zu unserem Leitsatz und somit war die Unterrichtseinheit wieder in sich geschlossen ist. Am wichtigsten an dem „Workshop“ waren jedoch die Lösungen für diese Probleme, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben direkt in ihrem Umfeld etwas verändern zu können. Diese Lösungen mussten natürlich simpel sein und sollten ihnen am Besten noch Spaß machen. Eine Lösung war die „4R-Solution: Refuse, Reduce, Re-use, Recycle“ um den Konsum von sämtlichen Rohstoffen und somit die Abfallproduktion ein bisschen zu bremsen.
Diese Schoolsessions habe mir ganz besonders viel Spaß gemacht, da es für mich neben der Arbeit mit den lauten, quirligen und äußerst neugierigen Kindern sehr unterhaltsam war. Von allen Menschen mit denen wir zusammen gearbeitet haben, war es die Jugendlichen, die sich am meisten für unser Thema interessierten. Wir hatten immer jede Menge Spaß!!

Was mir schon bei meiner Ankunft in Indien auffiel war natürlich der viele Müll aber auch das Verhalten der Menschen, die alles was für sie überflüssig ist einfach fallen lassen und dieses Sortiment ist sehr groß. Es reicht von leeren Verpackungen bis hin zu Batterien und anderen hochgiftigen chemischen Substanzen. In dem Projekt spricht man von einem „lack of awareness“, der eine Folge ist von der abrupten Einführung von Plastik in Indien ist. Vorher erfüllten Bananenblätter, Tonkrüge und Zeitungspapier den Zweck, wofür jetzt unglaubliche Massen an Plastik eingesetzt werden. In den allermeisten Teilen Indiens fehlt aber die entsprechende Infrastruktur der Abfallberge Herr zu werden. Unsere Aufgabe bestand nun darin, die Menschen über diese Missstände aufzuklären und natürlich auch einen Ausweg zu bieten. Dafür machten wir Werbung für eine eigens kreierte Stofftasche, die über einen viel längeren Zeitraum benutzt werden kann als z.B. die Plastiktüten.

Da mein Projekt aus vielen kleineren Projekten bestand will ich euch im Folgenden nur kurz aufführen was ich über die 5 Monate so getan habe:
•    Schoolsessions. Während den Sessions wurden die Inhalte immer wieder verändert um den Unterricht so verständlich wie möglich zu machen.
•    Wir haben eine Green Youth Group gestartet. Mit den Kindern wurde einmal wöchentlich nach der Schule eine Aktion, im Bereich Natur und Umwelt und natürlich deren Schutz, geplant.
•    Unsere „Work in the comunity“ konzentrierte sich vor allem auf den ärmeren Stadtteil, der Fischer. Erst erstellten wir eine genaue Karte. Mit Umfragen und Zählungen ermittelten wir die bis dahin unbekannte Bevölkerungszahl und sammelten Unterschriften für die Unterstützung beim Aufbau eines Entsorgungssystems. Bei diesen Umfragen kam es nicht selten vor, dass wir zu Häusern mit ca. 50 m² kamen, in denen eine gut fünfzehnköpfige Familie lebte.  Mit Unterschiedlichen Vereinen und Organisationen planten wir Tage, an denen die Bevölkerung mit uns den Müll von den Straßen einsammelte. Bei all unseren Aktionen war es für uns in erster Linie wichtig, dass Vertrauen von den Menschen zu gewinnen.
•    Wir entwarfen das neue Design der „Cotton Bag“, um dieses Projekt erfolgreich fortzusetzen. Das Design spielte dabei für die Inder eine große Rolle. Wichtiger ist aber die Strategie, wie die Taschen verteilt werden, um dann tatsächlich die Plastiktüten zu ersetzen. Dafür wird die Zusammenarbeit mit Tempeln und Kirchen angestrebt.
•    Viele Treffen mit anderen Organisationen, der Stadtverwaltung und Schulen um neue Events zu planen. Zu dem kam, dass wir über alles genaue Berichte schreiben mussten, damit die nächsten Volontäre gleich anknüpfen können. Dafür erweiterten wir auch „ the Bibel“, das Handbuch des Projektes mit ca. 50 Seiten.
Die Arbeit im Projekt und das Leben in Indien haben mir sehr gefallen. Jeder Tag hielt wieder neue Überraschung für mich bereit, darum fiel es mir auch nie schwer mich für die Arbeit zu motivieren. Indien ist ein so vielfältiges Land und das überträgt sich auf die Menschen die dort leben. Ich denke, dass die Arbeit für mich so spannend war, weil ich in einen Arbeitsfeld gearbeitet habe, das unerschöpflich ist, ich dadurch mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kam und meine eigene Meinung und Ideen immer gefragt waren. Im Rückblick kann ich nicht genau sagen welcher Bereich mir am meisten gefallen hat, da sie alle sehr unterschiedlich sind.
Ende Januar bin ich dann zum Abschluss meiner Reise nach Nordindien aufgebrochen. Über die Erlebnisse und Erfahrungen der Reise könnte ich nochmal so viel schreiben. Dadurch, dass ich fünf Monate in Indien gearbeitet habe und während dessen in einer Gastfamilie gelebt habe, fühlte ich mich nicht mehr als Tourist, sondern sah einiges mit dem gleichen Blick wie die Einheimischen. Die Tour führte über die pulsierende Stadt Mumbai, das im Schatten des Taj Mahal liegende Agra, die Hauptstadt Delhi, das spirituelle Varanasi nach Kolkata. Von Kolkata flog ich noch drei Wochen nach Thailand zum Strandurlaub.
Während ich in Indien gearbeitet habe, war ich in einer Gastfamilie untergebracht. Dies war für mich eine ganz besondere Erfahrung, da man auf diesem Weg der indischen Kultur noch sehr viel näher kam.

Jannis, Indien 2008/09
Kommentare (3)
  • Franka Wegner  - Schulprojekt
    Lieber Jannis,
    mein Name ist Franka, zur Zeit besuche ich die zwölfte Klasse des Johannes-Brahms-Gymnasiums in Pinneberg bei Hamburg. Wir haben jetzt ein Projekt gestartet, indem wir ein Entwicklungsland vorstellen sollen.Dazu sollen wir uns auch mit Leuten in Verbindung setzen, die bereits in einem Entwicklungsland gearbeitet und geholfen haben. Ich habe mich also auf die Suche nach geeigneten Seiten begeben und stieß auf diese Seite und deinen Bericht. Ich habe ihn gelesen und war sehr interessiert. Nun hoffe ich, dass du Lust hast mich bei meinem Projekt zu unterstützen und mir noch mehr von deinem Aufenthalt in Indien zu erzählen.
    Wenn du Lust hast, wäre es nett wenn du mir eine e-mail an folgende Adresse schicken könntest. FrankaWegner@gmx.de
    Mit freundlichen Grüßen,
    Franka Wegner
  • Alisa - Environmental Educatio
    Hallo,
    ich heiße Alisa und mache gerade mein Abitur.
    Ich habe mich bei AFS beworben und werde nun voraussichtlich 5 Monate im Environmental Education Project arbeiten, also das Projekt, was du auch gemacht hast.
    Deswegen würde ich dir gerne noch ein paar Fragen dazu stellen, wie es dort war, wie das Leben mit deiner Gastfamilie war usw.

    Falls du Lust dazu hast, kannst du mir ja vielleicht unter
    alisahemmrich@t-online.de
    eine Mail schicken.

    Viele Grüße,
    Alisa
  • Hanna  - Fragen zum Projekt
    Hallo Jannis,

    ich interessiere mich sehr für dieses Projekt und würde gerne noch mehr erfahren.
    Ich würde mich freuen, wenn du dich meldest und ich dir dann noch ein paar Fragen stellen kann.
    Vielen Dank und viele Grüße,
    Hanna
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