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CHINA: Lehrerassistenz an einer Migrant School (weltwärts)

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Geschrieben von: Johannes, China 2010   
Mein Projekt war in Shanghai an einer sogenannten „Migrant School“, auf die Kinder gehen, die aus ärmeren Verhältnissen stammen. Aus Familien, die nicht das Einkommen haben, ihre Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken und vor allem CHI-SH10_Johannes_Newzella_Grundschueler_Schulhof-197Kinder von Wanderarbeitern. In China gibt es enorm viele Wanderarbeiter, was auf die Schere zwischen Arm und Reich zurückzuführen ist. Der Osten und Süden Chinas ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Der Norden und Westen jedoch bekommt von dem wirtschaftlichen Aufschwung Chinas wenig mit. Aufgrund dessen reisen viele Menschen aus den ärmeren Provinzen in die großen Städte, um dort Arbeit zu suchen, die sie meist auf Baustellen oder in der umliegenden Landwirtschaft finden. Da diese Berufe aber aus saisonalen Arbeitsbereichen kommen, sind die Anstellungen der Wanderarbeiter zeitlich begrenzt. Das Problem für die Bildung ihrer Kinder, das sich aus dieser Situation ergibt, ist, dass sie nicht offiziell in Shanghai gemeldet sind und somit keinen Zugang zu den lokalen staatlichen Schulen haben.
Deshalb gibt es Migrant Schools, auf welche die Kinder gehen können. Da die Eltern der Schüler wenig Geld haben, und die Schule von der Regierung nicht viel Unterstützung erhält, sind die Migrant Schools eher schlecht ausgestattet. Die Lehrer dort haben nicht die beste Ausbildung, es mangelt an schulischen Einrichtungen wie beispielsweise einer Sporthalle usw.

Zu Beginn habe ich den Sportunterricht der insgesamt sechs Klassen der 3. Stufe übernommen. Ich hatte durchschnittlich zweiCHN_YPbzSH10_JohannesNewzella_Schulhof bis drei Stunden von jeweils 35 Minuten pro Tag. Da jede Klasse ungefähr 40 bis 50 Schüler hat, hatte ich im Laufe der Woche an die 300 Schüler, weshalb ich bis zum Schluss keinen einzigen Namen der Schüler wusste (insgesamt waren 1800 Schüler auf der Schule).

Um von meiner Gastfamilie bis zur Schule zu kommen, brauchte ich insgesamt mehr als eine Stunde für einen Weg. Da Shanghai aber einfach nur riesig ist, ist solch ein Arbeitsweg eher normal. Man gewöhnt sich daran. Am Anfang hatte ich vor allem wegen der Sprache recht viel für die Unterrichtsvorbereitungen zu tun. Dadurch habe ich aber im Endeffekt wirklich erst Chinesisch gelernt.
Ich habe überlegt, wie ich die Spiele, die ich mit den Kindern im Sportunterricht spielen wollte, simpel erkläre, habe dies dann auf Englisch vorgeschrieben und daraufhin mit meiner Gastschwester übersetzt. Die Sätze und Stichwörter habe ich dann mehr oder weniger so lange auswendig gelernt, bis ich dann nach einer gewissen Zeit nur noch die neuen Vokabeln benötigte – ohne die gesamte Satzstruktur.

Auch in der Schule bemerkt man unterschwellig, aber häufig auch direkt, die Präsenz der Regierung und des Militärs. Allmorgendlicher Fahnenappell, ab der 1. Klasse wird das Marschieren und Aufstellen in Reih und Glied geübt und die Mehrheit der Kinder tragen ein rotes Halstuch als Bekennung zur kommunistischen Partei. Das hält die Kinder aber nicht davon ab, absolut super drauf zu sein. Die Arbeit und das Zusammensein mit den Schülern hat mir einfach nur riesigen Spaß gemacht.

Zu Beginn war die Sprachbarriere extrem, aber es gab immer Mittel und Wege mit ihnen zu kommunizieren und zu spielen. Vor allem waren sie sehr hilfsbereit, wenn ich mal nicht wusste, wie ein bestimmtes Wort ausgesprochen wird und auch sehr geduldig, was all meine Erklärungsversuche anbelangte. Während des Unterrichts hatte ich das Glück, immer einen chinesischen Lehrer bei mir zu haben, der die Kinder in Schach halten konnte und meine abenteuerlichen Erklärungen noch mal verständlich wiederholt hat. Zum Schluss habe ich den Musikunterricht übernommen und mit den Schülern englische Kinderlieder gesungen und auch hier wieder Spiele gespielt. Ich habe jede Stunde so aufgeteilt, dass die Spiele immer als letztes kamen und vor allem in so gut wie jedem Spiel eine Wettkampfsituation erzeugt, woran die Kinder immer tierisch Spaß hatten.

Der Schulalltag für die chinesischen Kinder ist sehr anstrengend und der Unterricht streng. Eine normale Unterrichtsstunde sieht so aus, dass der Lehrer vorne etwas sagt und die Schüler dies regelrecht „nachschreien“.
Deshalb hat sich die Mehrheit der Schüler immer auf meinen Unterricht gefreut, da er für sie Abwechslung, Spaß und Entspannung bedeutete, und ich habe es ihnen auch in angebrachtem Maße nachgesehen, wenn einige nicht bei der Sache waren.

CHN_YPbzSH10_JohannesNewzella_Lehrer_beim_ChinesischunterrichtZu den Lehrern hatte ich ein recht gutes Verhältnis. Ich hatte aber nur zu einigen einen engeren Kontakt, vor allem zu einer Englischlehrerin, aufgrund der Sprache. Freundlich wurde ich aber von allen aufgenommen, und die Stimmung unter den Lehrern ist sehr locker und freundschaftlich.

Was mich jedoch sehr geschockt hat, ist die Art und Weise, wie die Lehrer mit den Schülern umgegangen sind. Oft habe ich mitbekommen, wie die Kinder geschlagen und regelrecht gedemütigt wurden. Womit ich dann anfänglich Probleme hatte war, die Lehrer trotzdem als nette und sympathische Menschen zu sehen, die sie natürlich immer noch waren. Für die Lehrer ist es selbstverständlich, dass sie die Kinder schlagen und kennen es auch nicht anders. Das Problem ist, dass man dies einfach hinnehmen muss, da man an dieser Situation als Freiwilliger nichts ändern kann.

Johannes, China weltwärts 2010
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