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COSTA RICA: Als Teacher Assistant in einer Grundschule (CSP)

Am 22.08.2008 war endlich der lang ersehnte Tag gekommen- es ging mit dem CSP-Projekt von AFS für 5 Monate nach Costa Rica. Zum Glück traf ich schon im Flugzeug ganz liebe andere CSP-ler und gemeinsam kamen wir über den ersten Abschiedsschmerz ganz gut hinweg.

Die ersten zwei Wochen verbrachten wir auch noch nicht in den Gastfamilien und Projekten, sondern konnten uns erstmal im Kreis von AFS an die neue Lebenssituation gewöhnen.

CRC_caronline_muehlertzIn dieser Zeit, die wir auf einer Finca in den Bergen verbrachten, nahmen wir zum einen an einem intensiven Sprachkurs teil und lernten zudem die Kultur der “Ticos“ (Costaricaner) kennen. Für den Kurs wurden wir in kleine Grüppchen nach Schwierigkeitsgrad eingeteilt, wir lernten viel und es war immer lustig. Zudem lernten wir in dieser Zeit das einfachere Leben kennen, das Essen, die Sprache, die Menschen und die Umgebung kennen und knüpften Freundschaften mit den anderen CSP-lern. So lernte man junge Menschen aus der ganzen Welt kenne. Es war eine sehr schöne Zeit und als wir dann in die Gastfamilien und Projekte kamen, fiel uns der Abschied sehr schwer.

Mid Stay
Doch während der ganzen Zeit hatten wir immer Kontakt, konnten telefonieren (da das nach Deutschland sehr teuer war, musste man so aufs Telefonieren mit Freunden nicht ganz verzichten) und haben uns auch mal ein Wochenende getroffen, um Costa Ricas schönste Strände unsicher zu machen.

Außerdem sahen wir uns ja nach 3 Monaten schon beim Mid Stay wieder. Da wir kein Visum hatten, mussten wir ausreisen und es ging nach Nicaragua. Das war eine so phantastische und gut organisierte Reise! Wir fuhren in die historische Stadt Granada, machten Sightseeing, Shopping und trafen die AFS-Freunde wieder.

Meine Gastfamilie
Wir waren alle total aufgeregt, was uns wohl in den Gastfamilien erwarten würde, schließlich kannten wir sie höchstens aus Emails und von Fotos. Meine Familie empfing mich sehr herzlich am Bus und dann ging es auch schon in das Haus, was für ein halbes Jahr meine neues Zuhause sein würde. Sie schenkten mir Pralinen, es gab ein reichhaltiges Abendessen und wir stießen sogar mit etwas Sekt an. Ich war sehr gerührt von ihrer Herzlichkeit.

Meine Gastfamilie bestand aus einer Gastmutter und ihrer 14- jährigen Tochter. Der Vater sowie die beiden älteren Geschwister (Sohn, 18; Tochter, 22) wohnten leider nicht im Haus.

Die Geschwister und viele Cousins und Cousinen in meinem Alter lernte ich zudem leider erst sehr spät kennen. Der Rat an euch, versucht in eine Familie mit Geschwistern und Verwandten in eurem Alter zu kommen oder stellt schnell den Kontakt zu Verwandten her. Für mich war es am Anfang manchmal sehr einsam und langweilig, mit Leuten in eurem Alter habt ihr es einfacher.

Das Haus war sehr klein und ich teilte mir ein Zimmer mit meiner 14-jährigen Gastschwester. Wir hatten ein winziges Zimmer mit einem Hochbett und einem Regal, wo wir beide dauernd gleichzeitig an unsere Kleidung und Sachen mussten. Das Haus war relativ einfach, unser Zimmer hatte nur Gitterstäbe und kein Glas, sodass der Wind reinzog und es feucht war. Die einzige warme Decke im Haus, bekam ich dann aber. Eine Dusche gab es, allerdings nur mit kaltem Wasser. Außerdem gab es einen kleinen Hund, der aber nur draußen war.
Es gibt aber so unterschiedliche Fälle, manche CSP-ler sind auch in extrem reiche Familien gekommen und hatten mehr Luxus als zu Hause. Insgesamt ist Costa Rica im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern, eines der Reichsten.
Insgesamt hatte ich Glück mit meiner Familie, sie waren nett zu mir, nahmen mich auch mal wohin mit und über Silvester fuhren wir sogar mit der ganzen Großfamilie an den Strand zum Campen, das war so einmalig!! Leider war es für mich nur manchmal etwas schwierig, da Mutter und Tochter, die vorher allein gelebt hatten, ein sehr gutes Verhältnis hatten und ich mit manchmal wie das fünfte Rad am Wagen vorkam. Trotzdem fiel mir der Abschied sehr schwer, da sie doch ein bisschen wie eine Familie für mich waren und wir haben jetzt immer noch Kontakt, schreiben, telefonieren oder schicken Päckchen.

Mein Ort
Ich war einem kleinen Dorf mit etwa tausend Einwohnern gelandet, was für mich eine ganz schöne Umstellung war, da ich aus einer Großstadt komme. Es gab einen Supermarkt, Bank, Post, Bäcker, etc... und kleine Läden, allerdings keine Disco und nur einige Bars für die Männer. Außerdem einen Kindergarten und eine Schule.

Auf der einen Seite war es sehr schwierig für mich plötzlich in einem Dorf zu leben, wo nichts los ist, auf der anderen Seite war es so einfacher Menschen kennenzulernen, da jeder jeden kannte.

Mentalität
Wie in jeder Kultur haben auch die Costa Ricaner ihre ganz eigene Mentalität. Die wichtigsten Punkte versuche ich hier zusammen zu fassen. Gleich am ersten Tag fiel mir die besondere Gastfreundschaft der Menschen auf. Jeder wird herzlich begrüßt, jedem wird Essen und ein Schlafplatz angeboten und alle Familienmitglieder nehmen dich sofort in ihre Familie auf. Allerdings hat das nicht nur Vorteile, wie man mit der Zeit merkt. So werden einem Tonnen von Essen angeboten, auch wenn einem längst schlecht ist und es abzulehnen, gleicht einer schlimmen Beleidigung,  bzw. wird gar nicht akzeptiert. Das ist eine ganz schöne Gradwanderung, wie man sich zu verhalten hat.

Zwar ist die erste Herzlichkeit auch toll und man schließt schnell viele Kontakte, bloß bleiben diese leider sehr oberflächlich. Es wird immer versprochen „wir mache  dies und unternehmen das“ aber letztendlich kommt nie was und man muss sich immer selber melden. So haben sowohl meine Gastfamilie als auch Bekannte Versprechungen von tollen Ausflügen, etc.. leider nicht immer gehalten.

Außerdem ist die Reinlichkeit extrem hoch angesehen. So duscht jeder Costaricaner jeden Morgen und man wird mehr als schief angeguckt, wenn herauskommt, dass man zwei Tage hintereinander das selber anders handhabt. Darauf sollten ihr unbedingt aufpassen. Außerdem stehen Deo und Parfum an erster Stelle ihrer Wichtigkeitsliste.

Man sollte das unbedingt ernst nehmen und alles daransetzen sich in dieser Hinsicht anzupassen, sonst macht man sich schnell Feinde.

Besonders im Dorf verbreiten sich Gerüchte über dich schnell und man sollte darauf achten, sich einigermaßen an alle Gewohnheiten anzupassen.

Eine weiter dieser Gewohnheiten ist die Einstellung „tranquilo“(ruhig, langsam). Alles geht etwas langsamer, besonders in der Familie und im Projekt, langweilt man sich so unter Umständen oft, da oft einfach „gechillt“ wird. Auch daran muss man sich erstmal gewöhnen, wenn man das stressige Großstadtleben gewöhnt ist. Man muss dann einfach offensiv werden, Sachen selber in die Hand nehmen, dann wird es viel leichter.

Projekt
Mein Projekt war die Grundschule in meinem Dorf, die in meiner Straße war, so hatte ich es nie weit. Am ersten Tag wusste erstmal keiner so richtig, dass ich überhaupt kommen sollte und so habe ich mich aus eigener Entscheidung dem Englischlehrer angeschlossen, da ich so in alle Klassen gehen konnte (1.- 6. Klasse) und dem Englischlehrer mit meinen Englischkenntnissen behilflich sein konnte.

Leider bestand bei mir der Irrglaube, wie auch bei vielen anderen CSP-lern, mit der Arbeit in dem Projekt wirklich etwas bewegen zu können. Leider ist das aber seltener der Fall, wobei es immer aufs Projekt ankommt. In meinem Fall war es so, dass die Schule sehr gut mit Lehrern ausgestattet war und ich so am Anfang eher überflüssig war. Auch der Englischlehrer wusste wenig mit mir anzufangen und so blieb es bei kleinen Aufgaben und häufiger Langeweile. In den Projekten muss man lernen, sich eigene Aufgaben zu suchen. Schließlich fiel der Unterreicht in der Schule so oft aus und ich beschloss mal im Kindergarten neben an vorbeizuschauen. Die Kindergärtnerin war total lieb, aber etwas überfordert, da sie immer 20 Kinder und ein behindertes Kind hatte, um das sie sich kaum noch extra kümmern konnte. Zunächst ging ich dann einmal die Woche in den Kindergarten, um da Englisch zu erteilen und kam dann mit der Zeit immer öfter. Dabei übernahm ich hauptsächlich die Arbeit mit dem behinderten Kind. So hatte ich endlich eine Aufgabe gefunden und fühlte mich nicht mehr so ungebraucht. Leider ergab sich diese Möglichkeit erst sehr spät und bald waren auch schon zwei Monate Ferien und mein Projekt danach zu Ende. Also der Tipp für euch: Sucht euch schnell Aufgaben, die euch Spaß machen und ausfüllen, wechselt unter Umständen das Projekt und wartet nicht darauf, dass die Aufgaben von selber kommen.

Letztendlich habe ich mich sehr gut mit den Lehrern verstanden und die Kinder ins Herz geschlossen, sodass mir der Abschied sehr schwer fiel.

Essen
In Bezug auf die Esskultur Costa Ricas musste ich mich erstmal daran gewöhnen morgens, mittags und abends Reis zu essen. Morgens gibt’s (zumindestens am Wochenende „Gallo Pinto“ (Reis & Bohnen ), mittags Reis, Fleisch und Kochbananen und abends wieder Reis.

Schließlich habe ich mich sehr gut ans Essen gewöhnt und mir fehlt es sehr. Allerdings muss ich auch sagen, dass durch den vielen Reis, das Fleisch und das viele Fett alle zugenommen haben (Besonders da man die Gastfreundschaft auch besser nicht ablehnt).

Aber auch die frischen Früchte, Säfte und ganz tolle Kekssorten fehlen mir.

Was mir allerdings in Costa Rica sehr gefehlt hat, ist Schwarzbrot (dort gibt es nur pappiges Baguette), Schokolade  gibt es gar nicht und Gemüse wird wenig gekocht.

Aber genießt es trotzdem, denn das deutsche Essen könnt ihr ja hier immer haben.

Reisen
Im ersten Monat in der Gastfamilie sieht AFS vor, dass man nicht mit anderen CSP-lern reist, was ich für sinnvoll halte. So könnt ihr euch erstmal an das Leben in der Gastfamilie gewöhnen. Allerdings solltet ihr danach schon mal ein Wochenende mit anderen CSP-lern Costa Rica unsicher machen, da es ein wahnsinnig schönes Land ist und ihr so auch mal aus dem Projektalltag raus kommt und mit anderen über mögliche Probleme austauschen könnt, das hilft bestimmt.

In Costa Rica gibt es wirklich so viel zu entdecken, es ist so ein vielfältiges Land. Es gibt die schönsten Strände an zwei Ozeanen, Vulkane, auch aktive und feuchte Regenwälder.

Man kann das Land gut und billig mit dem Bus erkunden und wenn ihr in kleinen Gruppen reist, ist es auch nicht gefährlich, allerdings müsst ihr es bei AFS anmelden.

End of Stay
Und auch am Ende der gemeinsamen Zeit in Costa Rica sahen wir uns noch mal für ein Wochenende wieder. Dabei konnten wir AFS ein Feedback geben und Fotos & Erinnerungen austauschen, bis es leider wieder hieß – zurück nach Deutschland.

Noch eine Anmerkung zum Schluss zu Costa Rica: Costa Rica ist wirklich ein irre tolles Land, allein von der Landschaft und von den Menschen, aber leider ist es zum Teil schon sehr modern, bzw. amerikanisch. Das macht es zum Einen natürlich sicher und die Umstellung zu Deutschland nicht so groß, aber ich habe ein bisschen das Ursprüngliche und Traditionelle in Costa Rica vermisst. Das findet man bestimmt in Ecuador oder Peru besser...

So könnte ich noch ewig weiter erzählen, aber nur ganz kurz: ein Auslandsaufenthalt ist die beste Erfahrung die ihr machen könnt und ihr solltet diese einmalige Chance nutzen.