AUSTRALIEN: "Genial, perfekt, gigantisch..." (CSP)
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Geschrieben von: Maik, Australien 2008/09
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Seit meiner Rückkehr ins kalte und verschlafene Deutschland wurde ich oft gefragt: „Na wie war es?“. Und selbstverständlich konnte ich meine Eindrücke aus fünf Monaten nicht in einer kurzen Antwort unterbringen. Doch „genial, perfekt oder gigantisch“ trifft es wohl zum Einstieg recht gut.Ich habe insgesamt vier Monate mit einer Gastfamilie in Port Vincent, S.A. ca. 200 km von Adelaide, gelebt und bin anschließend für sechs Wochen in Australien gereist. Diese Kombination war aus heutiger Sicht perfekt.
Obwohl ich vor meinem Flug nach Down Under versucht habe, mich auf meine Gastheimat und meine Tätigkeit an zwei Grundschulen vorzubereiten sowie auch per E-Mail einen ersten Kontakt zu meiner Gastfamilie hatte, konnte ich mich einer gewissen Anspannung auf meinem 24 Stunden-Flug nicht entziehen. Schließlich erreichte ich todmüde Adelaide. Grant, mein Gastvater, empfing mich am Flughafen und nach zwei Stunden Autofahrt erreichten wir Port Vincent, wo mich auch Marilyn, meine Gastmutter, begrüßte. Die Verständigung klappte nicht ganz ohne Probleme, denn das australisches English ist schon ein besonderes English. Beide gaben mir aber sofort das Gefühl willkommen zu sein. Ich sah mich ein wenig in der Rolle ihres Sohnes, der seit mehreren Jahren in Canada lebte. Am nächsten Morgen traf ich dann Mel, meine Gastschwester, und ihren Freund. Beide waren in meinem Alter.
Ich nutzte die Gelegenheit, mir ein wenig die Gegend zeigen zu lassen und war sofort von der direkten Lage am Meer begeistert. Alles war natürlich neu für mich und wenig vertraut. Nicht selten kam ich mir am Anfang dumm vor, wenn ich mir die belanglosesten Dinge erklären ließ. Doch das gehört dazu und nach drei, vier Wochen lief alles viel entspannter.
Ungewohnt war es auch, ohne eigenes Auto wieder sehr abhängig von Mitfahrgelegenheiten zu sein, da der Bus großzügig nur an drei Tagen in der Woche fuhr. Die Lösung: Fahrradfahren! Wir reparierten ein altes Mountainbike für mich und nicht selten fuhr ich zum Erstaunen der meisten Dorfbewohner auch mal 20 oder 30 Kilometer mit dem Fahrrad. Gerade am Anfang war ich mir als Großstadtkind oft nicht sicher, ob Port Vincent mit seinen 400 Einwohnern, von denen mindestens 60 % Rentner waren, zu klein und langweilig war. Doch ganz im Gegenteil. Je länger ich in Port Vincent lebte, desto mehr wurden mir die Vorteile bewusst. Jeder kannte jeden und als einziger Deutscher stand ich eh etwas im Rampenlicht. Und wenn sich das Bild des sportlichen Crocodile Dundee-Australiers auch sehr schnell als Klischee herausstellte, so war doch die Freundlichkeit der Einwohner meiner neuen kleinen Heimatstadt gigantisch. Aufgrund der nicht vorhandenen Anonymität einer Großstadt hatte ich immer das Gefühl einbezogen zu werden. So ergaben sich großartige Möglichkeiten für mich. Wochenendausflüge in den fantastischen Innes Nationalpark, Segeltörns, Schafescheren, Ersthelferkurse, Krabbenfangen, Hummerfischen, Surf- und Badeausflüge, Outbacktrips, Mitfahrten nach Adelaide und sogar eine Hochzeitsfeier gehörten zu meiner Freizeitgestaltung.
Natürlich habe ich andererseits auch versucht, mich bestmöglich nützlich zu machen. Zwei Tage in der Woche habe ich mit zwei Grundschulen gearbeitet. Ich habe mit den Kids etwas Mathematik und Lesen geübt. Zudem haben wir das Weihnachtskonzert vorbereitet und ich habe jede Woche ein Thema über Deutschland präsentiert, über das wir dann gesprochen haben. Einen weiteren Tag habe ich mit einem Verein gearbeitet, dessen Ziel es war, das Stadtbild zu verschönern. Die letzten zwei Tage der Woche gehörten dem Aquatic Center. Das war eine Schule speziell für Wassersportaktivitäten wie Segeln, Schnorcheln, Sailboarding, Kayaking und Surfing. Ich kümmerte mich um das Equipment und unterstützte die Lehrer beim Unterricht. All meine Wochentätigkeiten waren wirklich flexibel und man war immer offen für meine Wünsche. Und nach einem anfänglich zurückhaltenden Kennenlernen wurden aus Kollegen zum Teil gute Freunde. Die Zeit war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung und der Abschied am letzten Schultag fiel mir schwer.
Ich bin überzeugt, mit meiner Gastfamilie und Port Vincent großes Glück gehabt zu haben. Marilyn und Grant waren immer besorgt um mich, ließen mir aber gleichzeitig genügend Freiraum und versuchten immer, mir bei der Realisierung bestimmter Vorhaben zu helfen.Mitte Januar war die Zeit in Port Vincent leider viel zu schnell vorüber und mit einem Rucksack voller genialer Erlebnisse und unvergesslicher Eindrücke begab ich mich anschließend auf meine Reise quer durch Australien.Ende Februar flog ich dann schließlich zurück nach Deutschland und wurde hier von schrecklich ungewohnter Kälte begrüßt.
Maik, CSP Australien 2008/09
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