Ankuft in Bolivien und meine Zeit in Cochabamba Am 26. August 2008 bin ich in La Paz gelandet und wurde dort von AFS, der Organisation, die mein soziales Jahr betreut, abgeholt. Da die Reise lang und es bereits recht spät war, sind wir gleich ins Hotel gefahren, um erstmal etwas Schlaf zu kriegen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann ins Krankenhaus für einen Gesundheitscheck. Sie haben uns Blut abgenommen, geröntgt, abgehört und die Zähne kontrolliert. Nachdem wir das alles hinter uns gebracht hatten, fuhren wir dann nach einem kleinen Mittagessen zum Flughafen, um von dort weiter nach Cochabamba zu fliegen. In Cochabamba wurde ich von meinen Kollegen von CEIISA, dem Projekt, in dem ich arbeiten sollte, abgeholt. Es stellte sich schnell heraus, dass meine Spanischgrundlagen bei weitem nicht ausreichten, um alle ersten Fragen zu klären, also mussten wir uns zum Vergnügen der Bolivianer, mit Händen und Füssen versuchen zu verständigen. Als sie mich an meinem Haus absetzten, begrüßte mich eine kleine schon etwas ältere Frau sehr freundlich. Da ich keine Informationen hatte wie ich untergebracht werden sollte, nahm ich vorerst an, dass es sich um meine Gastmutter handeln würde. Dies war jedoch ein Irrtum, wie sich dann bei der Besichtigung meines Zimmers herausstellte. Es war eines von sechs Gästezimmern im Haus. Ein nettes Zimmer, geräumig mit großen Fenstern und einer hohen Decke. Eingerichtet war es mit einem Tisch, Bett, Sessel und verschiedenen zugedeckten Schränken. Ich war in einer möblierten Pension untergebracht. Die ersten Tage waren echt nett. Ivanova, eine meiner Kolleginnen, lud mich zum Frühstücken zu Ihrer Familie nach Hause ein. Danach waren wir dann auf dem „Mark“, einem Berg oberhalb der Stadt, und haben die Christustatue, das Wahrzeichen von Cochabamba, angeschaut. Der Ausblick über die Stadt und das ganze Tal ist atemberaubend. Am nächsten Tag bin ich dann mit ihren Schwestern ins Stadion gegangen, um ein Fussballspiel der Mannschaft von Cochabamba zu sehen. Die Stimmung war klasse. Am 3. Tag war ich dann das erste Mal arbeiten. Es war ein Sonntag und wir haben mit den Eltern der Kinder die Erde gelockert, um Beete anzulegen. Es war schön, aber genauso anstrengend. Mein Projekt in Cocha sah so aus, dass ich vier Tage in der Woche an den Schulen arbeitete. Meistens mit Arturo und Ivanova. Das heißt: CEIISA arbeitet in 9 verschiedenen Schulen und bringt den Kindern durch praktisches Handeln ökologisches Anpflanzen (ohne Pestizide, Kunstdünger und Monokulturen) und Spaß an der Arbeit bei. Das bedeutet: wir CEIISA‐Projektler legen den Garten an, was bei der dortigen harten Erde ein echter Knochenjob ist, und pflanzen später mit den Kindern zusammen verschiedene Kulturen an. So lernen die Kinder auch Respekt und Verantwortung: Wenn du das Beet der anderen Gruppe nicht respektierst und darüber läufst, sterben die Pflanzen genauso als wenn du sie nicht gießt. Zusätzlich wurde das Projekt als kleiner Wettbewerb unter den Schulen durchgeführt und wenn die Kinder sich nicht richtig um ihre Beete kümmerten, standen sie im Vergleich zu den anderen Schulen schlecht da. In Cochabamba musste ich aber bald feststellen, dass mein Aufenthalt dort wohl nicht von langer Dauer sein würde. Das Projekt lief zwar gut, aber ich hatte keine Familie als Unterkunft und konnte auch an keinem Sprachkurs teilnehmen. Es wurde immer deutlicher, dass all das, was ja ein wichtiger Teil des freiwilligen sozialen Jahres sein sollte, in Cochabamba nicht richtig organisiert werden konnte und es auch keine Betreuung oder Ansprechperson gab. Auch ein guter Freund vom Vorbereitungsseminar wurde bereits in der ersten Woche nach Oruro versetzt. Aus diesen Gründen wurde ich dann auch schließlich gefragt, ob ich nicht nach Santa Cruz wechseln wolle. Dort würde dann alles besser werden Nach zwei Monaten ohne wesentliche Veränderung stimmte ich dem dann zu und zog um. Und tatsächlich schien alles besser zu werden.
Santa Cruz, Bolivien im Januar 2009 Silvester habe ich mit einigen Freunden, hauptsächlich andere Freiwillige, außerhalb der Stadt gefeiert. Es waren von Santa Cruz ca. 2 1/2 Stunden Fahrt mit dem Auto. Die Fahrt hat sich gelohnt. Wir waren in Samaipata. Ein sehr ruhiges Städtchen, welches sich zu Neujahr mit Leuten aus der ganzen Welt füllen sollte. Doch dieses Jahr war es dort sehr ruhig und ich denke der Hauptgrund dafür waren die überfluteten Straßen infolge heftiger Regenfälle in den Wochen zuvor. Die Stadt ist echt schön. Ein bisschen höher gelegen als Santa Cruz und daher auch in der Nacht gleich viel kälter. Und trotzdem ist das Klima noch sehr angenehm. Die Stadt ist umrundet von einer kleinen Bergkette, auf der eine unglaubliche Vielfalt von Bäumen zu finden ist. In der Mitte der Stadt liegt die Plaza Prinzipal. Ein niedlicher Platz mit Blumen, Beeten und Springbrunnnen, von wo aus wir anfingen ins neue Jahr zu feiern. Auf dem Weg zurück haben wir an halber Strecke dann noch mal Halt gemacht auf der Suche nach den wundeschönen Wasserfällen, von denen uns erzählt worden war. Und in der Tat: Wir fanden drei hintereinander gelegene Wasserfälle, die vom Tropenwald umgeben sind. Der Weg und die Aussicht zwischen den Fällen ist sagenhaft. Und ich hatte immer gedacht, dass Bolivien keine Strände hätte. Was sich hier aber als Irrtum herausstellte. Der Strand ist zwar nicht groß und auch nicht am Meer gelegen, aber er ist einer der saubersten Strände, die ich bisher sehen durfte. Es gibt dort keine kleinen Steinchen, die einem beim Laufen in den Fuß stechen und Müll habe ich auch nicht gesehen. Den Rückweg haben wir dann durch den Fluss gelegt, was sich auch als eine sehr schöne Strecke herausstellte. Am Montag fing ich dann wieder an zu arbeiten. In Santa Cruz arbeite ich in einem Heim für Straßenkinder. Mein Projekt heißt “Alalay” und existiert ‐ soweit ich weiß ‐ in La Paz, Cochabamba und Santa Cruz. In Santa Cruz gibt es zwei Häuser. Eines für die Mädchen und eines für die Jungen. Ich arbeite bei den Jungen. Sie sind zwischen 6 und 17 Jahre alt. Im Haus sind Kinder aus der so genannten 1. und 4. Etappe. In die erste Etappe kommen die Kinder, die direkt von der Straße zu uns gebracht werden. Sie werden in der ersten Etappe aufgenommen und an die Abläufe im Haus gewöhnt. Danach kommen sie in ein drittes Haus von Alalay, welches sich auf dem Land befindet, ungefähr 1 Stunde Busfahrt von Santa Cruz entfernt. Dort sind dann die Kinder der 2. und 3. Etappe. Es ist ein großer Campus mit verschiedenen Hütten zum Schlafen, Essen, Spielen, Werkstätten und natürlich auch Büros. Außerdem gibt es einen Fußballplatz und auch andere Freizeitangebote. In der zweiten und dritten Etappe lernen die Kinder dann grundlegende Umgangsformen und Regeln für ein Zusammenleben und den Umgang mit anderen (z.B. nicht zu schlagen sondern zu reden) und auch schulische Grundlagen werden ihnen beigebracht. Wenn sie dann dafür “reif” sind, kommen sie wieder zurück in die Stadt und sollen in der 4. Etappe ein gutes Vorbild für die Kinder aus der ersten Etappe darstellen. Sie arbeiten dann auch mit den Kindern in der ersten Etappe. Außerdem haben sie in der Stadt dann die Möglichkeit eine Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu machen. Einige haben sich sogar schon einen eigenen Laden aufbauen können. Meine Arbeit beschäftigt sich eigentlich nur mit den Kindern. Ich komme morgens im Heim an und frühstücke mit ihnen. Danach wird sauber gemacht. Und zwar das ganze Haus: Duschen, Toiletten, Essensraum, Schlafräume und der Hof. Dann gehen die Älteren zur Schule (College) oder zur Arbeit und ich spiele mit den Jüngeren. Wir spielen eine Art Volleyball, Karten oder was sich sonst noch so findet. Und an manchen Tagen gehen wir dann auch zum Stadion zum Fußballspielen. Um 1 Uhr gibt es immer Mittagessen, vor welchem sich gewaschen wird, vor allem wenn wir Fußball spielen waren. Abends so gegen fünf gehe ich dann nach Hause. Meistens mache ich mir dann eine Kleinigkeit zu essen und schaue zur Entspannung erstmal ein bisschen fern. Nach einer kleinen Pause starte ich dann in den Abend. Ich treffe mich mit Freunden in der Stadt, gehe schwimmen oder spiele ein bisschen Basketball. Ich wohnte bisher mit meinem “Gastbruder” Arturo zusammen. Er ist Bolivianer und arbeitet auch in einem sozialen Projekt. Wir wohnten in einem netten Apartment im 9. Stockwerk, was einen atemberaubenden Ausblick über die Stadt hat. Nicht zu vergleichen mit La Paz und El Alto, aber in Santa Cruz nicht so leicht zu bekommen. Oft saß ich in der Nacht auf dem Balkon und sah mir nur die Lichter an. Und auch die Sonnenunter- und ‐aufgänge sind von hier oben noch mal neu zu entdecken. Ich hatte bisher auch schon echt schöne Reisen. Eine an den Strand von Arica in Chile. Kein besonders schöner Strand, aber eben ein Strand am Meer und wir (ich und andere Freiwillige von AFS) hatten auch eine Menge Spaß dort. Dann war ich über ein Wochenende am Titicaca See, welcher einen wunderschönen Kontrast zwischen dem glatten, blauen Wasser und den schneebedeckten Gebirgsketten im Hintergrund hervorzaubern kann. Außerdem war ich mit einem Freund in Argentinien, in Cordoba, Rosario und Buenos Aires, alles drei wunderschöne Städte. Alles in allem bin ich trotz der Anfangsschwierigkeiten doch ziemlich zufrieden. Die Zeit, die ich bisher hier verbracht habe, war zum größten Teil sehr schön und ich blicke erwartungsvoll in die Zukunft, denn ich bin mir sicher, es wird noch besser. Ich hoffe euch allen geht es gut da drüben in Deutschland, ich denke an euch, beste Grüße aus Bolivien Tammo
Tammo, Bolivien 2008/09
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ich hab mal kurz eine Frage:
Du hast gesagt, dass deine Spanischkenntnisse am Anfang nicht ausreichend waren.
Wie lange hast du denn Spanisch gelernt und wo? (Schule, Volkshochschule, selber beigebracht)
Gruß Mirjam