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Das erste an das ich mich von Australien erinnere ist, dass ich nach 25 Stunden Flug vollkommen übermüdet durch den Flughafen gerannt bin und meine Gastfamilie gesucht habe - aber nach ein paar Minuten habe ich sie dann doch noch gefunden und erstmal den Tag geschlafen.
Am nächsten Tag ging’s dann gleich ins Büro. Erstmal wurde ich allen Kollegen vorgestellt und, typisch für Australier, sehr herzlich empfangen. Dann habe ich auch endlich erfahren was meine Aufgabe dieses Jahr sein wird: Während der Schulzeit reise ich durch Queensland (Bundesstaat im Nordosten) und halte an Schulen Vorträge über AFS. Das Ziel ist mehr Bewerber für AFS Programme zu gewinnen. Außerdem habe ich einen groben Zeitplan über meine verschiedenen Aufenthaltsorte bekommen. Meine Arbeit macht mir viel Spaß. Der größte Teil der Arbeit besteht darin, in ca. 10 verschiedenen Städten (5 in 2007 und 5 in 2008) Schulen zu kontaktieren, um dann dort Kurzvorträge zu halten, Infomaterial auszugeben und Fragen von interessierten Schülern zu beantworten. Nach den Vorträgen schicke ich eine Liste interessierter Schüler ans Büro und lade die Schüler zu einem Infoabend ein, den ich in jeder Stadt organisiere. Dabei erhalte ich je nach Komitee Hilfe von den lokalen Ehrenamtlichen, vor allem bei dem Organisieren von Schulbesuchen, da lokale Kontakte hier sehr viel helfen, denn ohne ist es sehr schwierig einen Termin zu bekommen. Außerdem habe ich die ersten zwei Wochen im Büro gearbeitet und dort vor allem Werbematerial vorbereitet (sprich Flyer ausgedruckt und verpackt) und dabei geholfen Schüler für Stipendien auszusuchen. Da es hier 8 Wochen Sommerferien gibt habe ich 2 Wochen in Mackay einen Stand an einem Shoppingcenter betrieben und dort für AFS Werbung gemacht und Lose für AFS Queensland verkauft. Im Januar und Februar werde ich dann in Sydney im Büro arbeiten, weiß aber noch nicht was mich dort erwartet. Meine Einarbeitung war sehr kurz, ich habe einen Tag eine Übersicht über alle Programme von AFS und die Stipendien bekommen, aber nachdem ich Bree (der Rekruitment Chefin) erzählt habe, dass ich seit 2 Jahren bei AFS ehrenamtlich tätig bin und für Sending verantwortlich war, war ihr Kommentar, dass ich vermutlich mehr über AFS weiß als sie. Insgesamt, habe ich aber sehr wenig mit dem Büro in Sydney zu tun und habe Unterstützung von der australischen Version des Regionalbüros (hier nur eine Person), sowie von Ray, dem Chef von AFS Queensland, die Gastfamilien für mich organisieren und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Insgesamt kann ich aber sagen, dass ich viel durch "learning by doing" lerne, da ich der erste FSJler bin, der diese Art von Arbeit macht und es deshalb auch niemanden gibt, der mich anlernen könnte - deshalb gab es auch ein paar Anlaufschwierigkeiten, z. B., dass ich erst lernen musste wie man am besten Schulen kontaktiert, oder dass ich auch mal meine Gastfamilie erst an dem Morgen gefunden habe an dem ich in die nächste Stadt weiter bin, aber mittlerweile hat sich alles sehr gut eingelaufen.
Meine Arbeitszeit ist sehr unterschiedlich, wenn ich in Sydney im Büro bin von 9 bis 5, wenn ich in Shoppingcentern sitze variiert die Zeit je nach Öffnungszeiten, aber ungefähr 6 -7 Stunden pro Tag und wenn ich Schulbesuche habe, dauern die etwa 30 min bis 1 h, allerdings mit Vor- und Nachbereitung komme ich auf etwa 6 Stunden pro Tag, mal mehr, mal weniger. Dafür arbeite ich allerdings auch öfters mal an Wochenenden, um Infoabende vorzubereiten, zu Camps mitzufahren oder im Komitee auszuhelfen - so habe ich z. B. ein Programm für ein EOS aufgestellt. Die Betreuung durch AFS Queensland ist gut. Ich habe mit Ray und Peta zwei Ansprechpartner, die mir mit allem helfen und die meisten Probleme auch lösen können - Ray ist der Vorsitzende von AFS Queensland und gleichzeitig mein Gastvater in Mackay, so dass ich mich mit ihm gut austauschen kann. Außerdem habe ich Kontakt mit den Komitees vor Ort, so dass ich immer einen Ansprechpartner für die jeweiligen Probleme habe. Aus Sydney habe ich außer der kurzen Einweisung keine weitere Unterstützung bekommen. Mein Urlaub ist generell während der Ferien - da dass aber 14 Wochen wären, arbeite ich einen Großteil davon dann in Shoppingcentern oder in Sydney im Büro. Meine AFS Erfahrungen sind für mich von extrem großer Bedeutung, da ich bei meiner Arbeit AFS repräsentiere und bei den Vorträgen die Schüler vor allem mit meinen eigenen Erfahrungen interessiere. Außerdem kann ich viele Fragen so überhaupt erst beantworten und auch in Camps mitwirken und viel Wissen an die ATS weitergeben. Durch meinen Job reise ich sehr viel, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat, da ich einerseits viel von Land und Leuten sehe und sehr viele Menschen kennen lerne, andererseits ist es so unmöglich einen Freundeskreis aufzubauen oder einen Mannschaftssport zu betreiben. Ich hatte bislang 8 verschiedene Gastfamilien und habe dabei alle verschiedenen Alter und Charaktere gehabt, von einem 2 Jahre alten Gastbruder bis zu einem 23 Jahre alten oder gar keinen Gastgeschwistern und vom typischen Queensländer bis zu einem belgischen Weltenbummler und einer Familie die lange in Fiji gelebt hat. Es fällt mir dabei mittlerweile extrem leicht mich einzuleben und wo immer ich eine Nacht schlafe ist mein zu Hause. Ich finde es zwar immer super schade wenn ich weiterziehen muss, da mir die Familien extrem ans Herz gewachsen sind - und ich mit allen auch noch Kontakt habe, aber irgendwie ist es auch schön weiter zuziehen und was neues zu entdecken. Insgesamt, bin ich aber doch in vielen Familien mehr Gast als wirkliches Familienmitglied, da die Zeit einfach zu kurz ist um wirklich in die Familie hineinzuwachsen. Australien als Land gefällt mir bislang sehr gut. Mein erster Eindruck von den Australiern, vor allem den Queensländern ist, dass sie extrem gelassen und freundlich sind und dieser hat sich in den letzten Monaten nur bestätigt. Was mich auf jeden Fall positiv überrascht hat ist das Klima in Queensland, da wir hier im Schnitt 30 bis 40 Grad haben und (außer jetzt in der Regenzeit) nur Sonne, wobei es schon komisch ist Weihnachten bei 30 Grad - aber leider heftigen Regengüssen zu feiern. Eine gewöhnungsbedürftige Sache ist der australische Humor, der ziemlich schwarz ist und man muss viel Selbstironie haben, um hier Leben zu können und alles nicht so ernst nehmen was Leute einem sagen - gerade da Australier sehr direkt sind und einem ziemlich ins Gesicht sagen wenn ihnen etwas nicht passt, was aber gut ist, da man dann weiß, dass es keine Leichen im Keller gibt. Dadurch, dass ich immer unterwegs bin, habe ich keinen Freundeskreis, sondern mehr kurze Bekanntschaften mit den Leuten, die ich in den jeweiligen Städten treffe. Mit den "Aussie" Freunden gehen wir entweder zum Strand oder ins Kino und abends trifft man sich meistens irgendwo bei Freunden, jeder bringt seine eigenen Getränke mit, meistens 1 bis 2 sixpacks mit Bier oder "Bundi-Cola" (berühmter australischer Rum) und man sitzt zusammen und trinkt einen. Dadurch, dass ich in viel mit den Komitees zu tun habe, habe ich in jeder Stadt Austauschschüler kennen gelernt und dort auch einige Freunde gefunden. Sonst treffe ich in fast jeder Stadt Deutsche, da ich bislang in Städten mit vielen Touristen war. Allerdings, sind das eher Treffen im Bus oder am Strand und ich sehe die Leute nie wieder, da ich mich auch darauf konzentriere möglichst viele Aussies kennen zu lernen. Unterschiede zwischen Deutschland und Australien sind oberflächlich nicht so offensichtlich wie mit z. B. Speichern arabischen Staaten, aber durchaus vorhanden. Australier sind sehr viel offener, es wird z. B. jeder gleich mit mate - Freund angesprochen, aber auch etwas oberflächlicher. Die Menschen sind hier viel entspannter und Stress gibt es für viele Menschen nicht - man würde auch lieber weniger Geld verdienen, als einen extrem harten Job annehmen, aber trotzdem flexibler und es ist normal, dass man alle paar Jahre den Job wechselt, nicht weil man gekündigt wird, sondern weil man eine neue Herausforderung sucht. Eine weitere wichtige Sache ist das Danksagen. In Deutschland nimmt man viele Sachen für selbstverständlich, in Australien muss man sich für alles bedanken, auch wenn meistens ein kurzes " ta " reicht. Insgesamt, glaube ich aber dass die grundsätzliche Lebenseinstellung ähnlich der in Deutschland ist. Die Sprache war für mich überhaupt kein Problem, da ich ja schon ein Jahr in den USA war, allerdings sind gute Sprachkenntnisse auch extrem wichtig, da ich in Englisch Vorträge halten muss und dass australische Englisch manchmal schwer verständlich ist. So musste ich mich doch umstellen, dass man hier dafür umgebracht wird (oder zumindest ziemlich schief angeguckt) wenn man Ketchup haben möchte, da dass hier "tomato sauce" ist. Insgesamt hast sich mein Englisch aber noch etwas verbessert, was aber vor allem damit zusammenhängt, dass ich jetzt hier auch schwierige Bücher in Englisch lese. Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Zeit in Australien bislang sehr viel Spaß gemacht hat, da ich unglaublich viel vom Land gesehen habe und sehr viel Neues gelernt habe und einfach das sonnige, entspannte Queenslandfeeling genießen kann.
Noch zur Orga: Es kommt immer drauf an wo ich gerade bin, wie ich zur Arbeit komme, in Sydney mit dem Zug (ist ne Stunde bis zum Büro), in Townsville war ich mit dem Fahrrad unterwegs, in Cairns mit dem Bus und in Mackay bin ich jeden Tag bei 35 Grad ne halbe Stunde zur Arbeit gelaufen - aber keine Angst, man gewöhnt sich an die Temperaturen. AFS Queensland hat mir ein Bankkonto eingerichtet und darauf Geld überwiesen, von dem ich meine Fahrtkosten bestreite, außerdem bezahlen sie mir mein Mobiltelefon und ein Satelliteninternet, und sämtliche Kosten die mit AFS Arbeit anfallen. Ein Extra Gehalt bekomme ich aber nicht. Essen gibt es in den Gastfamilien, Mittag gibt es in Australien sowieso nicht und ich nehme mir meistens ein Sandwich oder einen Apfel mit. Für zukünftige FSJler, wenn ihr überlegt nach Australien zu gehen dürft ihr auf jeden Fall nicht schüchtern und offen für neues sein - denn ihr müsst jede Woche vor ein paar hundert Schülern sprechen und mit vielen verschieden Leuten zusammenleben. Aber Australien ist super und ich liebe es nicht jeden Tag im Büro zu sitzen, sondern von zu hause arbeiten zu können, mich im Pool abzukühlen und abends mit den Gasteltern oder Freunden ein kühles XXXX (Queensland Bier) zu genießen. Ach ja und es wird für euch einfacher, denn ich kann euch gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch die Leute in Queensland wissen mittlerweile schon was sie erwartet.
Torben, Australien, 2008/09
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Danke erstmal für deinen detailerten Erfahrungsbericht. Ich überlege ebenfalls über AFS nach Australien zu gehen. Jedoch ist mein Englisch noch nicht der Brüller(also nur Schulenglisch). Meinst du, dass man trozdem mit der Arbeit im AFS Büro zurecht kommt?