INDIEN: Meine Erfahrungen waren unbezahlbar |
| Geschrieben von: Lea, Indien 2009 |
„Nach Indien???!!!“ Das waren häufige Reaktionen wenn ich auf Fragen antwortete, die auf meine Zeit nach dem Abitur anspielten. Angetrieben von Fernweh, Neugier und dem Interesse an Entwicklungshilfe ging ich nach Indien in der Erwartung und Hoffnung, meinen Horizont zu erweitern und eine völlig andere Kultur kennenzulernen und dabei gleichzeitig etwas an die Gesellschaft zurückgeben zu können.Dieser Bericht ist ein Versuch, meine Erlebnisse, Abenteuer und Erfahrungen meiner fünfmonatigen Arbeit auf Papier zu bringen- allerdings wird das ein hartes Unterfangen! Mit den exakten Details meines Projekts wurde ich nahezu überrumpelt, da ich den Ort wie auch einen Überblick über meine zukünftige Arbeit ganze drei Tage bevor ich mich zur „Little Flower English Medium High School“ in Ranganapalke aufmachte, bekam. Als ich letztendlich dort ankam, war ich etwas überfordert mit den dortigen Gegebenheiten. Insbesondere das fehlende Unterscheidenkönnen zwischen Arbeit und Freizeit, das die Struktur des Projekts automatisch mit sich brachte, war für mich anfangs sehr entmutigend. Außerdem empfand ich es als enorme Herausforderung im Alltag der „Hostelkids“ (20 Mädchen von 5 bis 17 Jahren, die in der Schule wohnen) so stark integriert zu sein. Ich brauchte einige Zeit, um meine Lücke in diesem Projekt zu finden; als ich das erst mal geschafft hatte, waren meine Erfahrungen unbezahlbar. Im Allgemeinen kann meine Arbeit in zwei Aufgabenfelder unterteilt werden: auf der einen Seite (während der regulären Schulzeit) war ich Lehrerin, auf der anderen Seite, ab Nachmittag, war ich Coach und Mentor für die „Hostelkids“. Meine Arbeit als Lehrerin umfasste eine große Anzahl von Aufgaben und Aktivitäten. Mein Schultag startete in L.K.G. (Lower Kindergarten), wo ich die Klassenlehrerin unterstützte, den Vier- bis Fünfjährigen das wunderschöne englische Alphabet beizubringen. Mehr oder weniger erfolgreich (am Ende waren die kleinen Würmer allerdings fähig, den Unterschied zwischen A und Z festzustellen.) Der restliche Schultag war ein wenig planlos. Je nach Stundenplan fand ich mich mal in der achten Klasse als Geographielehrerin oder erzählte und erklärte Moralgeschichten in der Zweiten. Mein Schulprogramm enthielt außerdem Kinderreime, das Lesen und Diskutieren von Zeitungsartikeln und, als Ereignis, den „Hokey-Pokey“. Während ich nicht unterrichtete, fand ich Arbeit im Sekretariat, zum Beispiel am Computer. Mein Hauptziel war es, die Schüler zu verleiten, Englisch zu sprechen. Diese Aufgabe habe ich versucht so leicht und interessant wie möglich zu gestalten und ließ mir beispielsweise einmal Cricket erklären von einem sonst eher zurückhaltendem und schüchternem Schüler (das Resultat war positiv überraschend). Alles in allem ist Kreativität sehr wichtig. Der andere Teil meiner Arbeit ist wesentlich schwerer zu definieren. Das intensive, dichte Zusammenleben mit den Mädchen und die dadurch entstandene Nähe wie auch das Wohnen und Leben in der Schule, hat dazu beigetragen, eine Art erfahrener und vertrauter Ratgeber für sie zu sein. Irgendwo zwischen Lehrerin und Freund, habe ich die Nachmittage und Abende mit ihnen verbracht, über Schwierigkeiten gesprochen und ihre Nachmittagspflichten unterstützt. Ein großer Teil des Nachmittags war die „study time“. Das ist die offizielle Zeit, in der die Mädchen ihren Hausaufgaben und Examvorbereitungen für den folgenden Tag nachgehen sollen. Ich half ihnen dabei, wurde aber auch eine Figur von Vertauen und Unterstützung, an die besonders die Mädchen lernten, sich von Zeit zu Zeit zu wenden. Das wurde vor allem möglich durch die Dauer, die ich in dem Projekt war und ich folglich die Stärken und Schwächen der einzelnen Mädchen kennenlernte. Ein Mädchen zum Beispiel, das neu in Schule und Hostel war, wurde gemäß ihres Alters in die fünfte Klasse gesetzt. Nach einigen Tagen habe ich registriert, dass sie hoffnungslos verloren ist und ich mich dem zufolge ihr intensiv widmete und ihr neben dem Alphabet auch Farben und Zahlen in Englisch beibrachte- abgesehen davon, dass sie in die erste Klasse zurückgehen durfte. Der erfreulichste Teil meiner Arbeit war einfach für die Kinder da zu sein; mit ihnen zu spielen, Gutenacht-Geschichten vorzulesen, gelegentliche kleine Geschenke zu machen, mit oder für die Kinder zu kochen und meine Kreativität zu gebrauchen, um Geburtstagskalender und selbstgemalte Land- und Weltkarten zu gestalten. Sogar der „study room“ der Mädchen hat einen neuen Anstrich bekommen. Im Großen und Ganzen sind die Kinder sehr interessiert und neugierig, auch über andere Kulturen. Sie benutzten mich quasi als eine konstante Quelle für Antworten auf unzählige Fragen wie: “Aunt, in your country, do you cook Indian food?“, die ich mit einem Lächeln beantwortete. Es hat mich froh gemacht, Informationen und Erfahrungen zu teilen. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Kinder und auch Kollegen der Little Flower School mir während meines Aufenthaltes in Indien beigebracht und gelehrt haben. Das ist eine faszinierende und gleichzeitig absolut ungleiche Kultur, die manchmal schwer ist zu verstehen, aber es heißt nicht ohne Grund „Incredible India“! Lea, Indien 2009
Kommentare (3)
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ich habe Ihren Bericht mit Begeisterung gelesen. Da ich mich für eine Hausarbeit in der Schule (12.Jhg) mit jemandem in Verbindung setzen soll, der im Ausland in einem Entwicklungshilfeprojekt war. Können Sie mir eventuell einen detailierteren Überblick über Ihre Arbeit in Indien geben und ihre Erfahrungen, die sie in und außerhalb des Projektes gemacht haben?
Meine E-mail Adresse: clarasbar|ätt|hotmail.de
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Liebe Grüße
Clara