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NEUSEELAND: Arbeiten im AFS-Büro (FSJ)

Land und Leute
Meine Verbindung zu Land und Leuten sind in der zweiten Hälfte meines Jahres viel intensiver geworden. Am Anfang war es schwierig mit Gleichaltrigen in Kontakt zu  kommen, weil ich zu weit außerhalb von Wellington sehr abgelegen gewohnt habe. Nachdem ich näher in die Stadt gezogen bin und mit Sport angefangen habe, wurde es leichter Kontakte z.B. mit Studenten zu knüpfen. Am Ende fiel mir der Abschied von meinen Freunden und meinen Familien sehr schwer.

Die „Kiwis“ haben eine sehr gelassene und ruhige Art, die mir am Anfang manchmal zu uneffektiv oder langsam war. Während meines Jahres habe ich es allerdings geschafft, diese Lebenseinstellung so zu übernehmen und die gleiche lässige Art zu haben, dass mich einige als einen „Vorzeige-Kiwi“ bezeichneten. Dabei lernte ich, mir mehr Zeit für die kleinen Dinge im Leben zu nehmen.

Allerdings störte mich an dieser Lebenseinstellung auch die oft unordentlichen Wohnungen oder die Inaktivität mancher Leute.
Nachdem ich mit meiner Familie an Weihnachten für mehr als 3 Wochen durch Neuseeland reiste, unternahm ich danach  nur kleinere Wochenendtouren. Im Mai hatte ich die Chance, Betreuer auf einer Tour zu sein, die für AFS-Austauschschüler organisiert war und so die Südinsel weiter zu entdecken. Das fand ich eine sehr wichtige und positive Erfahrung, mitverantwortlich im Team die Jugendlichen zu begleiten und mich mit Ihnen auseinander zu setzen.
Durch meine Reisen in Neuseeland und vor allem die Reisen mit Neuseeländern habe ich Land und Leute gut kennen gelernt und fühle mich dem Land jetzt eng verbunden. Am Ende meines Aufenthalts hatte ich noch knapp 2 Wochen an freien Tagen übrig und entschied mich auf meinem Weg zurück nach Deutschland, für 2 Wochen in Australien zu bleiben.

Arbeitsplatz
Ich habe meine Zeit bei AFS in Neuseeland genossen und hatte zu meinen Kollegen ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis.  Sie  waren wichtig für mich und haben mich geprägt. Während meines Jahres war ich hauptsächlich dem „Sending“, also dem Verschicken von ATS zugeordnet.
Dabei musste ich viele E-Mails an Neuseeländer, AFS-Büros oder ehrenamtliche Mitarbeiter schreiben, Anrufe entgegen nehmen, Schüler beraten, Schülerunterlagen überprüfen und andere Büroarbeiten, die anfielen, erledigen.
Meine Aufgabe bestand auch darin, immer dort unter die Arme zu greifen, wo Hilfe benötigt wurde und so arbeitete ich auch für den Bereich des „Hostings“, dem „Support“, dem „Marketing“ oder bei AFS  Info-Veranstaltungen.

Neben den normalen Arbeiten gab es auch Sonderprojekte, wie zum Beispiel dem Entwerfen eines allumfassenden „High-Risk-Activity-waivers“
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich als Arbeitskraft effizienter hätte eingesetzt werden können, aber als erster FSJler war es schwierig, meine Mitarbeiter davon zu überzeugen, mir anspruchsvollere Aufgaben zuzuteilen. Mein Vorteil war, dass ich nach meinem Austauschjahr als Schüler und durch meine freiwillige Mitarbeit im Hanauer Komitee bereits mit vielen Dokumenten, Begriffen sowie Ausdrücken bei AFS vertraut war.
Mit meiner Chefin im „Sending“-Bereich habe ich es geschafft, unser komplettes System umzustellen und zu verbessern.
Meine Arbeitszeit betrug  8 Stunden pro Tag und manchmal mussten wir abends noch länger bleiben, um eine Aufgabe zu beenden.
Die Höhepunkte meiner Arbeit waren die Organisation und Mitarbeit bei dem „Arrival-Camp“, das Betreuen einiger durchreisender Austauschschüler sowie andere interaktive Aufgaben mit Austauschschülern.

Gastfamilie/Unterkunft
Die Unterkunft in Gastfamilien stellte sich bei mir als schwierig heraus. Wegen der grundsätzlich angespannten Situation durch den Gastfamilienmangel war es schwierig eine Familie für mich zu finden. Ich vermute, dass sich Familien eher dazu entschließen können, einen minderjährigen Austauschschüler aufzunehmen,  als einen unabhängigen, selbstständigen 20-Jährigen.  Außerdem fiel es auch mir  deutlich schwerer, mich ein weiteres Mal in einer mir vom Lebenskonzept fremden Familie unterzuordnen, weshalb ich meine erste Gastfamilie verließ. In den anderen Gastfamilien fühlte ich mich sehr wohl, aber leider konnten sie mich aus persönlichen Gründen immer nur befristet aufnehmen. Dies führte zu einem häufigen Wechsel, einer dauernden Suche nach Unterbringung und einer für mich ständig unklaren Situation. Ich habe dadurch viele sehr nette Menschen kennen gelernt und gute Freunde gefunden, aber die Ungewissheit hat mich auch sehr belastet. Während ich in Familien untergebracht war, suchte ich eine Möglichkeit - nach Absprache mit AFS -  eine WG zu finden. Allerdings reichte das zur Verfügung gestellte Geld nicht.  Ich fühlte mich in dieser Situation von AFS und dem lokalen Komitee alleingelassen.
Nachdem das Büro einen zusätzlichen Praktikanten bekam, für den sich das gleiche Problem stellte, entschied sich AFS für uns zwei eine Wohnung zu finanzieren, die wir uns dann zusammen suchten.  Die Kollegen waren sehr hilfsbereit und halfen uns Möbel zu organisieren. Die letzten 2 ½ Monate lebte ich mit dem anderen Praktikanten in einer Wohnung. In dieser Zeit hatte ich mehr Freiräume und ein unabhängiges Leben.

Dadurch, dass ich der erste FSJler in Neuseeland war und es  keine genaue Arbeitsbeschreibung für meine Stelle gab, musste ich mich oft durchsetzen und viele Probleme selbst ansprechen und beseitigen. Insgesamt habe ich mich aber sehr gut von AFS NZL betreut gefühlt und hatte immer jemanden, den ich ansprechen konnte und der mir auch zugehört hat.
Konflikte gab es mit meinen Kollegen nicht, die einzige Situation, die ich als schwierig empfand war die Umstrukturierung von AFS NZL, bei der einige Stellen gestrichen wurden. Da dies zum Ende meines Aufenthalts geschah und ich mich allen sehr verbunden fühlte, kam ich  mir manchmal als preiswerte Arbeitskraft schuldig vor, besonders nachdem sich die Büroleitung entschloss für das kommende Jahr sogar zwei FSJler einzustellen, während andere entlassen werden. Ich bekam allerdings nie einen Vorwurf zu hören.
Die Betreuung von AFS Deutschland fand ich bis auf eine Fehlinformation über meinen Rückflug zufrieden stellend. Allerdings handelte es sich dabei um eine Information von STA Travel, die mir bei meinem Rückflugticket einige Probleme bereiteten und mich 400 $ kosteten.

Sprache und Kommunikation
Die Sprache war für mich in der zweiten Hälfte meines Jahres kein Problem und ich hatte mit meinen Kollegen das Glück, dass sie mir bewusst jeden Tag mindestens ein neues ungewöhnliches Wort oder Sprichwort beibrachten und sich in den Kopf setzten, dass mein Englisch am Ende des Jahres nicht nur fließend sondern authentisch und wie ein Muttersprachler klingen sollte.
Als deutscher Abiturient ist die Grundkenntnis in Englisch allerdings gut genug um von Anfang an gut zu Recht zu kommen.

Allgemeine Stimmung
Im Allgemeinen, habe ich meine Zeit in Neuseeland geliebt und bin froh, dass ich mich zu einem FSJ entschieden habe
Auch wenn die Arbeit während meines FSJes manchmal langweilig, war habe ich sehr viel fürs Leben gelernt und bin mir schon jetzt darüber bewusst, wie sehr mich dieses Jahr geprägt hat.
Zukünftigen FSJler würde ich mit auf den Weg geben, die Job-Beschreibung nicht zu ernst zu nehmen und sich auf eine Büroarbeit im Gastland einzustellen. Auch sollte man flexibel sein und genug Eigeninitiative zu zeigen um sich seine Aufgaben auch selbst zu gestalten.