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PHILIPPINEN: Freiwilligendienst mit Kindern bei Gawad Kalinga

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Geschrieben von: Fabian, Philippinen 2009/10   
Am 15.07.2009 ging die Reise für mich los, ein Jahr auf den Philippinen leben und arbeiten. Natürlich bleibt es nicht nur bei leben und arbeiten. Ich habe gegessen, getrunken, geschlafen, geredet und erklärt, aufgeklärt und wahrscheinlich am meisten von allem habe ich geschwitzt. Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen mein Jahr so gut es geht zu beschreiben, aber ich kann euch vorher sagen, dass es sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt, man kann sich vieles nicht vorstellen, wenn man es selber nicht erlebt hat. Zuerst möchte ich mich ganz kurz vorstellen, damit ihr eine Idee habt wer dieser Ich-Erzähler überhaupt ist. Mein Name ist Fabian Zwick, komme aus Celle und war bei Antritt meiner Reise 19 Jahre alt. Mein Abitur hatte ich nur wenige Wochen zuvor bestanden. Als Schüler habe ich bereits mit dem AFS ein Auslandsjahr in der elften Klasse gemacht, damals war ich für 11 Monate in Honduras. Soviel zu meiner Person, aber jetzt möchte ich mich auch dem Erlebten widmen.

Ankunft auf den Philippinen

Nach der langen Reise von Frankfurt über Bangkok nach Manila, kam ich morgens an und spürte den ersten Unterschied zu Deutschland – die Schwüle. Das Schwitzen war vorprogrammiert und innerhalb von keinen fünf Minuten war ich komplett nass. Ich wurde vor Ort von AFS abgeholt und nach Quezon City kutschiert, dort sollte ich nun die nächsten Tage das „Arrival-Camp“ zusammen mit den ganzen Austauschschülern besuchen. Untergebracht wurden wir in einem Hotel, das sogar Airconditioning hat was das Eingewöhnen ein wenig einfacher machte. Die spezielle Vorbereitung auf mein weltwärts-Jahr bekam ich im Anschluss an das „Arrival-Camp“. PHI_Fabian_Zwick_bergangsfamilieHierfür wurde ich für eine Woche in einer Übergangsfamilie untergebracht. Der Familie ging es finanziell sehr gut, alle Kinder gingen auf die besten Schulen der Philippinen, man hatte vier Hausfrauen und einen Fahrer. Fast schon selbstverständlich war es, dass es im Haus Airconditioning gibt und man sich eigentlich um nichts kümmern muss. Die Familie hat mich zu einigen Veranstaltungen mitgenommen, mir mehrere Orte in Metro Manila gezeigt und die ersten Worte der Landessprache Tagalog wurden mir auch beigebracht. Mit den Eltern, meinen drei Schwestern und zwei Brüdern verstand ich mich schon nach dieser einen Woche so gut, dass ich sie später noch des Öfteren besuchen sollte. Aber ich war ja eigentlich nicht wegen des Familienlebens bei Ihnen, sondern um noch weiter vorbereitet zu werden, auf das was mir bevorsteht, deswegen möchte ich euch erst einmal erklären was die Partnerorganisation auf den Philippinen eigentlich macht.

Gawad Kalinga

Gawad Kalinga(GK) also. Damit kann in Deutschland sicher kaum einer etwas mit anfangen. Auf den Philippinen ist diese Organisation allerdings sehr bekannt. Gawad Kalinga wurde 1995 von der sehr katholischen Vereinigung „Couples For Christ“(CFC) gegründet, ist Tagalog und bedeutet so viel wie „auf jemanden Acht geben“ oder „sich um jemanden kümmern“. Und kümmern will man sich um die sozial stark benachteiligte Unterschicht. Gawad Kalinga hat bemerkt, dass man armen Mensch zwar mit finanziellen Zuwendungen  kurzfristig vielleicht helfen kann, aber auf Dauer kann das nicht funktionieren. Deshalb baut die Organisation mit Hilfe von Freiwilligen und Spendengeldern Häuser mit funktionierendem Abwassersystem und Stromanbindung für Bedürftige → es entsteht ein sogenanntes „GK Village“. Die Menschen, die in diese Häusern in Zukunft wohnen dürfen helfen bei den Arbeiten an den Häusern mit, sodass von Anfang an eine Beziehung zu dem Geschaffenen besteht, genauso wie eine Beziehung zu den Nachbarn aufgebaut wird, denn man hilft sich beim Hausbauen. Beides ist wichtig, denn man geht mit etwas „Eigenem“ meistens anders/besser um, als wenn man etwas geschenkt bekommt. Und wenn man es schafft eine gut zusammenarbeitende Gemeinschaft im Village aufzubauen, dann hilft das allen Beteiligten. Jetzt haben „die Armen“ also ein Dach üPHI_Fabian_Zwick_Im_Projektber dem Kopf und eine gute Gemeinschaft. Schön, könnte man meinen. Aber GK ist mehr. Man hat erkannt, dass Armut lediglich durch Bildung bekämpft werden kann. Jetzt ist Bildung auf den Philippinen leider sehr teuer, denn eigentlich sind nur private Schulen wirklich gut. Gawad Kalinga hat zwar leider nicht die Möglichkeiten diesen Missstand im Bildungswesen zu ändern, aber man bietet drei verschiedene Gruppen für Kindergartenkinder, Kinder und Jugendliche in jedem GK Village an. Diese Gruppen bekommen dann Namen: SIBOL für die kleinsten (drei bis fünf Jahre), SAGIP sind die Grundschulkinder (sechs bis dreizehn Jahre) und SIGA sind die ältesten der jungen Generation (bis ca.20 Jahre). Man möchte diese junge Generation auf den richtigen Weg bringen, denn wenn man keine Mittel oder Perspektive hat rutscht man schnell ab und endet dann als Abhängiger von Alkohol oder anderen Drogen, wie man es bei den älteren Generationen leider häufig sieht. Den drei Jugendgruppen wird Verschiedenes angeboten. So gibt es für die Kleinsten, SIBOL, einen Kindergarten, während SAGIP und SIGA sich lediglich am Wochenende regelmäßig treffen. Organisiert werden diese Gruppen von Freiwilligen, die häufig viel Zeit opfern, um sich um ihre Mitmenschen zu kümmern. Insgesamt lässt sich GK in acht unterschiedliche Bereiche unterteilen, den ersten habe ich  eben angesprochen:

1. Child and Youth Development, es gibt SIBOL, SAGIP und SIGA. Je nach Alter wird man eingeteilt.

2. Bayan-Anihan bringt den Menschen bei sich selbst zu verpflegen. Dies bedeutet, dass die Menschen ihr eigenes Essen anbauen, anstatt es teuer zu kaufen. Dies ist natürlich nur möglich, wenn genügend Platz zur Verfügung steht.

3. Environment, der Name ist Programm. Den Bewohnern wird klargemacht, wie wichtig es ist die Umgebung sauber zu halten.

4. Health ist wichtig, deswegen gibt es in jedem GK-Dorf ein Health-Center.

5. Mabuhay, bedeutet "Willkommen" und ist das "Bed and Breakfast"-Programm von GK. Das Dorf bietet Reisenden ein Platz zum Schlafen und einen Einblick in das Leben im GKDorf. Dieses Programm ist nur in Dörfern in denen es sich lohnt so etwas anzubieten.

6. Productivity – Wie wird jemand produktiv, der noch nie gearbeitet hat?In diesem Programm wird Menschen geholfen eine Anstellung zu finden oder sich selbstständig zu machen.

7. Shelter and Site Development – Wie sieht das perfekte Village aus? Architekten und andere Spezialisten überlegen, wie ein Dorf angelegt wird, um am besten zu funktionieren. Es wird hier vor allem auf Wirtschaftlichkeit und Funktionalität geachtet.

8. Values Formation/Community Empowerment gibt den Menschen Rückhalt in einer kirchlichen Gruppe --> meist Couples For Christ

All dies wurde mir während meiner ersten Woche versucht zu erklären. Und dann konnte es endlich losgehen. Ich sollte in „mein“ GK-Village gebracht werden und meinen Arbeitsplatz kennenlernen. AFS und GK hatten vor meiner Ankunft ausgemacht, dass ich in einer Gastfamilie unterkomme, die zu einem Village gehören, demnach also bedürftig sind. Dies sollte es mir ermöglichen einen tieferen Einblick in die Denkweise der Menschen vor Ort geben.

Das GK-Village Concepcion „Buayang Bato“

Dieses Village liegt in der Stadt Mandaluyong City, welche Teil von Metro Manila ist. Es liegt direkt am Pasig River, der die Metropole einmal durchquert, und an einer der Hauptverkehrsadern Manilas, der „EDSA“(Epifanio De Los Santos Avenue). Die Namensgebung kommt durch den Spender, das Gebiet auf dem das Village steht gehörte früher nämlich einem Herrn Concepcion. Dieser hat das Land gespendet, damit die dort lebenden Menschen nun rechtmäßige Eigentümer des Landes sind und nicht vertrieben werden können. „Buayang Bato“ bedeutet soviel wie „Stein des Krokodils“ und hat den Ursprung in einer Geschichte, die sich angeblich hier zugetragen haben soll,deshalb der Zusatz. Meine ersten Eindrücke bei der Ankunft waren, dass sehr viel Dreck auf der Straße lag und die Menschen z.T. richtig alte Lumpen an hatten, aber die Häuser durchweg kunterbunt angemalt waren. Außerdem guckten mich so ziemlich alle an und ich war sehr verlegen, weil ich das aus Europa einfach nicht gewohnt war so sehr angegafft zu werden. Ich wurde dann in der örtlichen SIBOL-Schule vorgestellt, denn hier sollte ich im nächsten Jahr eingesetzt werden. Und dabei lernte ich zugleich meine zukünftige Gastschwester Marelyn kennen, die nämlich eine Kindergärtnerin in der dortigen SIBOL-Schule ist. Kurz darauf wurde ich zum Rest meiner neuen Familie gebracht. Meine AFSKoordinatorin stellte sich vor, damit die Familie (mit dem Nachnamen „Fabian“) auch einen Ansprechpartner bei AFS hat und nicht nur die GK-Betreuerin kennt. Mit meiner Mutter und den drei Brüdern war die Verständigung am Anfang ziemlich schwierig, denn weder konnten sie Englisch noch konnte ich Tagalog. PHI_Fabian_Zwick_GruppenfotoMeine Schwester war in Englisch relativ gut und auch mein Vater konnte Basic English. So war die Kommunikation am Anfang häufig auf Zeichensprache beschränkt, bzw. meine Schwester half aus. Mir wurde schnell bewusst, wie arm die Familie doch sein muss, denn zu sechst lebten sie auf engstem Raum, nicht mehr als 25qm. Sie haben ein „Badezimmer“ in dem lediglich eine Kloschüssel und ein Duschkopf ist. Die Kochnische ist so eng, dass man sich nicht einmal umdrehen kann und Betten gab es drei, für nunmehr sieben Personen. Natürlich wurde mir als Gast eins gegeben, Mama, Papa und zwei Brüder mussten mit dem Boden vorlieb nehmen. Raumunterteilung gab es nicht richtig, zwar hatte meine Schwester quasi ein eigenes Zimmer mit Bett und abschließbarer Tür, aber in dem „Raum“ gibt es kein Fenster. Ich bekam das untere Bett im Stockbett meines jüngsten Bruders. Als Raumteiler wurde ein Vorhang genutzt, also an Privatsphäre war nicht wirklich zu denken. Ein festes Einkommen haben in der Familie lediglich meine Schwester und mein ältester Bruder. Der Vater war früher Tricycle-Driver, ist heute aber zu krank, um noch weiter zu arbeiten. Die beiden anderen Brüder haben immer mal wieder befristete Jobs, eine Festanstellung ist auf den Philippinen ohne sehr gute Schulbildung schwer zu bekommen! So haben alle Brüder das College beendet und einen Abschluss als Engineer in Electronics, aber Arbeit finden sie lediglich als Popcorn-Verkäufer oder in der Schokoladenfabrik am Fließband, immer befristet auf sechs Monate.

Mein Arbeitsplatz

-SIBOL

Ich hatte mich beworben, um mit Kindern zusammenzuarbeiten, was ich nun für ein Jahr in der SIBOL-Schule des GK Villages Buayang Bato machen sollte. Meine Aufgaben waren unterschiedlich, so schaute ich am Anfang häufig lediglich zu und war fast nur an der Essensausgabe beteiligt. Alle Programme von GKs Child And Youth Development stehen unter dem Feeding-Programe, was heißt, dass jedes Kind mindestens einmal täglich eine warme Mahlzeit bekommen soll. In der SIBOL-Schule ist das so geregelt, dass täglich zwei Elternteile für alle SIBOL-Kinder kochen. Obwohl ich keine hohen Ansprüche an meine Arbeitsaufträge hatte war ich schon froh, dass mir nach und nach mehr zugetraut wurde, sodass ich letztendlich auch mal eine Gruppe alleine leiten durfte und den Kindern dann das ABC beigebracht oder mit ihnen gemalt habe. Ins SIBOL-Alter fallen in Buayang Bato ca. 30 Kinder, die dann in drei Gruppen eingeteilt werden.

-Profiling

Meistens war ich ab 09:00 im Kindergarten, anfangs habe ich morgens aber mit einer der örtlichen Helferin eine Statistik über das Village erarbeitet, sodass ich erst zum Mittagessen in der SIBOLSchule war. Wir nahmen Daten der Bewohner auf, um Gawad Kalinga einen besseren Überblick zu geben, wie viele Menschen in Buayang Bato leben, in welchem Alter sie sich befinden, welche Schulbildung sie haben und ob sie eine feste Arbeit haben. Dies machten wir für ca. vier Monate, weil wir Daten von mehr als 300 Haushalten sammeln mussten, mit insgesamt mehr als 1000 Personen.

-Fußballtraining

Fußball ist auf den Philippinen so unbekannt wie Mahjong in Deutschland. Nationalsport auf den Philippinen ist eindeutig Basketball, obwohl Philipinos eher klein gewachsen sind. Ich wollte dennoch ein Team aufbauen, sofern sich genug Interessierte finden lassen. Interesse hatten viele, also machte ich mit meiner GK-Betreuerin aus, dass ich die SAGIP-Kinder ja trainieren könnte. Erstes Problem war, einen geeigneten Platz zu finden. In Metro Manila ist eigentlich kein Raum für ein großes Fußballfeld, lediglich in den privaten Wohngegenden, in denen sich die Reichen abschotten, gibt PHI_Fabian_Zwick_Fussballtraininges großzügige Rasenflächen. Da meine GK Betreuerin aus einer ziemlich gut situierten Familie stammt, konnte sie es organisieren, dass wir jeden Samstag Morgen für zwei Stunden trainieren durften. Zu Beginn waren wir sogar zweimal die Woche auf dem Feld, allerdings konnte sich das nicht durchsetzen. Anfang des Jahres 2010 war ich auch dabei eine GK-Liga für die SAGIP-Kinder zu organisieren, denn auch in der Gawad Kalinga Hauptzentrale waren die Fußballregeln noch nicht bekannt. So organisierte ich außerdem das Fußballturnier eines Events, dass von Gawad Kalinga ins Leben gerufen wurde. Bei verschiedenen anderen Veranstaltungen stellten wir ein oder sogar zwei Teams.

Ausnahmezustand nach dem Typhoon Ondoy/Ketsana

Ondoy, internationaler Name Ketsana, war ein Typhoon der stärksten Kategorie und er traf die Philippinen dort, wo am meisten Menschen leben – Metro Manila. Nachdem es hier zu den stärksten Regenfällen sei 40 Jahren gekommen war herrschte Ausnahmezustand im Land. Da einige Städte in Metro Manila unterhalb des Meeresspiegel liegen, kam es zu heftigsten Überschwemmungen. Nicht selten war das erste Stockwerk komplett überflutet, häufig ging das Wasser aber noch höher. Die Menschen retteten sich auf Dächer und warteten zum Teil nicht nur eine Nacht dort auf Hilfe. Elektrizität gab es den ersten Tag keinen, danach in einigen Stadtteilen wieder, aber vielerorts waren Strommasten abgeknickt und so blieben Bezirke dunkel. Hier kam es in der Woche nach Ondoy zu Überfällen und Plünderungen, denn die Verzweiflung wuchs. Hilfsgüter kamen nur schwer voran, denn Straßen waren komplett überfüllt, bzw. nicht befahrbar. In der Woche nach Ondoy habe ich mitgeholfen Hilfsgüter zum einen zu verpacken, zum anderen aber auch zu verteilen. Eine Freundin von mir, die bei der philippinischen Luftwaffe arbeitet, nahm mich mit in die betroffenen Gebiete, sodass ich vor Ort helfen konnte. Aber auch GK organisierte viel, um den Betroffenen zu helfen, so wurde eine Sporthalle umfunktioniert, um dort Spenden aufzunehmen, die dann von Freiwilligen neu verpackt wurden und zum Abtransport vorbereitet wurden. Es musste jedoch jede Lieferung vom Militär begleitet werden, denn es war relativ gefährlich zu der Zeit mit einem Laster voller Essen durch Metro Manila zu fahren.

Unterschiede

Im Folgenden möchte ich euch noch ein paar Unterschiede zu Deutschland auflisten, die mir am Anfang aufgefallen sind, aber schon nach kurzer Zeit ganz normal für mich waren. Da gab es zum Beispiel das Besteck. Auf den Philippinen wird man kaum ein Messer finden. Alles isst der Philipino mit Gabel und Löffel, auch das Steak! Wahlweise auch mit der Hand. Wenn man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen möchte ist das eine ganz schöne Herausforderung für jemanden, der dies noch nie auf den Philippinen getan hat. Es gibt zumindest in Metro Manila unzählige Busse, die auf Winken anhalten, um Passagiere aufzunehmen und wenn man dann wieder aussteigen will muss einfach gerufen werden. Bei Bussen ist das noch nicht ganz so krass wie bei den berühmt berüchtigten Jeepneys. Für diese gibt es nämlich nur zwei Stationen, Anfang der Route und Ende der Route. Man muss also aufpassen, damit man rechtzeitig ruft! Durch dieses ganze Chaos im Straßenverkehr und den chronischen Stau den es in Metro Manila gibt sind die Philipinos deutlich gelassener als die Europäer. Verabredet man sich dort um 15:00, bedeutet das häufig, dass man um 15:00 losfährt. Das Essen möchte ich auch noch in meinem Bericht erwähnen, denn wer hat schon mal eine Woche lang morgens, mittags und abends Reis gegessen? Also Philipinos tun das ihr Leben lang! PHI_Fabian_Zwick_Typisches_MittagesssenEs gibt tatsächlich immer viel Reis mit ein wenig Beilage für den Geschmack. Morgens auch mal Reis mit Kaffee, einfach Kaffee über den Reis kippen und dann löffeln! Die wahrscheinlich größte Umstellung für mich war die Umgebung in der ich gelebt habe. Jeden Abend habe ich gesehen, wie sich vier Familienmitglieder auf den harten Fußboden gelegt haben und dort die Nacht verbrachten. Das ist für uns verwöhnte Europäer echt nicht vorstellbar, für meine Familie dort, meine Nachbarn und alle die in einem GK-Village leben ist das allerdings Alltag. Genauso wie die Armut, mit der eigentlich alle Bewohner zu kämpfen haben. Jeden Tag habe ich die Kinder gesehen, die mit Müll spielen und 15-jährige, die nachts vor den Bars Zigaretten verkaufen, um die Familie zu unterstützen. All das wurde relativ normal für mich, weil ich die Leute kannte und es mit der Zeit gewohnt war womit die Kinder spielen und was sie nachts machen. Dennoch gab es natürlich immer einen Unterschied zwischen mir und den anderen, weil ich lediglich für ein Jahr dort gelebt habe und nicht den Rest meines Lebens dort verbringe. Aber ich denke, dass sich das Jahr dort dennoch für beide Seiten gelohnt hat, denn ich habe einen tiefen Einblick in die philippinische Kultur bekommen und in die Denkweise der armen Bevölkerung. Die Bewohner Buayang Batos haben dafür einen neuen Mitbewohner, der viel von seiner Heimat erzählt hat und für ein Jahr Bruder, Cousin, Nachbar oder Freund war, der anders war. Für viele der Menschen dort war es das erste Mal, dass sie mit einem Weißen geredet haben und der sich auch für sie interessiert hat. Denn normalerweise sehen sie Weiße lediglich in den Malls oder den Luxushotels, das sich einer auf ihrer Augenhöhe bewegt ist ziemlich selten. Und schürt das Bild des reichen Weißen, der sich alles leisten kann und sich als was besseres fühlt.

Vielen Dank an die Menschen, die es mir ermöglicht haben, dieses fantastische Jahr erleben zu dürfen! Besonderem Dank gilt meiner Gastfamilie den Fabians, die sich sehr herzlich um mich gekümmert haben und von Anfang an eine Familie für mich waren!

 

Fabian, weltwärts Philippinen 2009/10

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