THAILAND: "Everything depends on you" (weltwärts) |
| Geschrieben von: Philipp, Thailand 2009/10 |
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Wir schreiben heute den 11.08.2010 und morgen vor einem Jahr bringen mich meine Eltern zum Flughafen Münster-Osnabrück. Dort wartet mein Flieger Richtung Frankfurt. Doch das soll nicht das eigentliche Ziel sein. Das Ziel und gleichzeitig auch mein Wohnort für neun folgende Monate soll Thailand sein. Endlich geht es los. Lange habe ich darauf gewartet. Am Münsteraner Flughafen treffe ich auf zwei meiner Mitreisenden. Die mir sonst so bekannte Aufgeregtheit wird dadurch erheblich gemildert. So wird der Abschiedsschmerz von aufgeregten Gesprächen verdrängt. Überhaupt sehe ich es als großen Vorteil, dass wir nicht alleine, sondern mit vielen (in unserem Fall 20) Freiwilligen nach Thailand aufbrechen. Kurzer Zeitsprung: Wir befinden uns im Flieger und im Landeanflug auf den Bangkoker Flughafen. Unsere erste Begegnung mit AFS-Thailand machen wir mit zwei super freundlichen und jungen Thais, mit denen wir ins Gespräch kommen. Den ganzen Umfang der Riesenmetropole Bangkok konnten wir aus dem Busfenster nur erahnen. In den ersten beiden Tagen steht eine kleine Einführung in das Thaischulsystem, in unsere Tätigkeit als Lehrer und in die thailändische Sprache auf dem Programm. Der Spaß kommt dabei natürlich nicht zu kurz. Unsere Programmleiterin nennen wir liebevoll „big mum“. Ihr Rat für uns als Lehrer: „have fun, relax, play games, don´t take it serious, be entertainer…, everything depends on you…“. Aha, unsere Eigenkreativität ist also gefragt. Nicht ganz meine Stärke, aber wir werden ja sehen. Am dritten Tag wird es ernst. Eine von uns vorbereitet Unterrichtsstunde wird vor Advisern, Coordinatoren und einigen Gastfamilien vorgeführt. Ein Rollenspiel quasi. Da die Thais im Allgemeinen begeisterungsfähig sind kommen unsere Rollenspiele sehr gut an. Die ersten Annährungsversuche sind somit geschafft. Das anschließende gemeinsame Essen wird mit Smalltalk und den üblichen „Kennlerngesprächen“ solide über die Bühne gebracht. Am vierten Tag unseres Hotelaufenthalts heißt es Taschepacken, ab geht’s in die jeweiligen Städte, Dörfer, Dörfchen. Die thailändische Umgebung bleibt unseren Augen aufgrund von bereits eingetretener Dunkelheit verschlossen.
Nach ca. vier Stunden Autofahrt halten wir in Prakhonchai (ca. 8.000 Einwohner) vor einem kleinen, aber feinen Häuschen, welches für die nächsten neun Monate meins sein soll. Ein komisches Gefühl. Noch komischer wird diese Gefühl bei meiner ersten Begegnung mit meinen Gastvater, der bis auf ein „hello“ kein weiteres Wort Englisch zu sprechen scheint. Na das kann ja heiter werden. Ich kein Thai, er kein Englisch, aber…wozu habe ich Hände? ein kurzer Wink, ein Nicken, ein zustimmendes Brummen, auch das funktioniert und wird weltweit verstanden. Dem Umstand, dass mein Gastvater Polizist und meine Gastmutter Grundschullehrerin ist, ist es zu verdanken, dass deren Haus sich von den meist garagenähnlichen Holzhäusern in meinen Ort etwas abhebt. In meinem eigenen Zimmer finde ich ausreichend Privatsphäre. Sofort fällt mir auf, dass den Thailändern die Worte Gemütlichkeit, Dekoration, Polstermöbel, Aufräumen, und Ordnung fremd sind. Jedenfalls was die Ausstattung der Häuser anbelangt. Der erste Schultag ist an Spannung kaum zu überbieten. Einige Stichwörter: 35 Grad, 3000 Schüler (d.h. 6000 Augen), 120 Lehrer, schwarze Haare, Uniformen. Ich werde angestarrt, es wird gekichert, und gelächelt. Ich bin der Neue, ganz klar. Zwei Gesichter sind mir bereits bekannt. Meine Adviserin (P´Cleo) und meine Coordinatorin (P´Dao) versuchen mir einen Eindruck meines zukünftigen Arbeitsplatzes zu verschaffen. Wie ich mich in den sechs Gebäuden plus Kantine zurecht finden soll, ist mir noch nicht ganz klar. Ich werde beruhigt, das spiele sich ein, keine Sorge. Mir fällt auf, wie leicht hier doch alles wirkt. Die Freundlichkeit, die Entspanntheit genieße ich seit meinem ersten Tag. Freundliche Blicke, ein nettes Wai, hier und da ein kurzes Gespräch. Zwischendurch immer mal wieder das Gesicht mit einem Tuch getrocknet. Meinen Arbeitsplatz im Lehrerzimmer des „foreign language departments“ bekomme ich auch direkt zugewiesen. Dort könne ich mich einrichten. Zwei Tage darauf stelle ich mich persönlich vor allen Schülern und Lehrern mit einer kleinen Begrüßungsrede vor. Auf Deutsch, Englisch, und Thai versteht sich. Die ersten zwei drei Wochen sind für mich und auch für die Schüler interessant, spannend und nicht immer einfach. 50 Schüler in einer Klasse, an Tischen sitzend die meiner Meinung nach kleiner nicht hätten sein können. Wie soll ich da für Ruhe sorgen. Mein Status als neuer, „weißer“ Lehrer hilft mir die Kids bei Laune zu halten. Ein Spielchen hier, ein Spielchen da, so geht es los. 14 Stunden Unterricht die Woche, anfangs noch mit dem Lehrer zusammen, nach den ersten Stunden dann aber alleine. Das gefällt mir. Mein eigenes Ding machen. Mit meiner Kreativität scheint es doch nicht so schlecht bestellt wie anfangs gedacht. Auch das von AFS zur Verfügung gestellte Buch mit Unterrichtsideen ist durchaus hilfreich. Die eigentlichen Englischbücher nutze ich so selten wie möglich, da diese den Ansprüchen der Thaischüler nicht gerecht werden. Oft zu schwer, zu viel auf einmal, zu unverständlich, kein Vokabelteil inkl. Übersetzung. Schlechter können die Bücher meiner Meinung nicht sein. Zeitweise zweifele ich an der Effektivität meines Einsatzes. Diese Zweifel sind aber nur von kurzer Dauer. Nach Gesprächen mit meinen Mitfreiwilligen über deren Einschätzung dieses Themas bin ich der Ansicht, dass wir sehr wohl einen Beitrag nicht nur zum verbesserten Englischsprechens liefern, sondern auch dahingehend, dass die Schüler weltoffener denken und sich damit mehr auseinander setzen. Die Mentalität der Thais besteht aus sorgen- und stressfreiem Leben. „Sabai sabai“ heißt das auf Thai. Diese Lebensmentalität hat mich sehr beeindruckt. Stresssituationen, die Hektik auslösen und unentspannt sind erlebe ich nicht. Vieles entscheidet sich spontan. Ein tolles Lebensgefühl. Die Schattenseiten meiner Meinung nach: kein Individualismus, daher geringer Fortschrittsgedanke, kein Wille etwas zu erreichen, kritisches Denken und daraus verändertes Handeln fehlen. Wir befinden uns in der zweiten Schulwoche. Ein Kurzurlaub steht an. Ich reise mit acht Englischkollegen in einem Mini-Van für vier Tage in den Norden. Da es erst meine zweite Woche in Thailand ist fühle ich mich zwischen den Thais mit ihrer lauten Karaokemusik und der unverständlichen Sprache etwas fehl am Platz. Doch gerade diese Ausflüge bringen mich weiter. Ich verstehe mich super mit den Kollegen, ich lerne von Kultur und Land. Sehe tolle Orte und Sehenswürdigkeiten, bin einfach live dabei. So etwas bekommt kein Tourist zu sehen. Je weiter die Zeit voranschreitet desto mehr fühle ich mich dazugehörig, die Blicke werden weniger, kein Gekicher mehr in den Klassenzimmern, ich werde zu Festen eingeladen, gehe in den Tempel, mache Sport, bin einfach dabei. Etwas schöneres gibt es nicht. Auch die Sprache wird vertrauter. Das Thai-Buch, welches wir von AFS bekommen haben, finde ich sehr hilfreich. Im Nachhinein hätte ich mehr Thai lernen sollen. Das Lernen der Sprache ist ein Schlüssel für die Dazugehörigkeit. Da meine Lehrerkollegen und auch viele Schüler im Vergleich recht gut Englisch sprechen fehlt mir etwas die Notwendigkeit und auch der Zwang mehr zu lernen….“everything depends on you“… Im Oktober sind Ferien. Für mich bietet sich die Gelegenheit Freunde von AFS zu treffen, zu reisen. Drei Wochen Urlaub bei 32 Grad und Sonne, herrlich. Nach einem Stopp in Ayutthaya und der Teilnahme an einem Englischcamp meiner Nachbarschule geht es direkt weiter nach Bangkok. Landeier in einer Großstadt bekommt da eine ganz neue Bedeutung. Auto- und Menschenmassen wohin das Auge reicht, von hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze mal ganz zu schweigen. Die Zeit mit meinen AFS-Freunden hat mir als Abwechslung sehr gut gefallen, wir haben viel gesehen und viel erlebt. Dennoch bin ich froh, als es wieder „nach Hause“ geht. Schließlich fängt das neue Schuljahr an. Im November treffen wir uns von AFS zu unserem „Mid-stay camp“. Erfahrungen und Eindrücke werden ausgetauscht, Probleme besprochen.
Der Tag der Abreise naht. Wir treffen uns mit AFS in Bangkok um die letzten Tage in Thailand gemeinsam zu verbringen. Einige Familien und gewonnene Thai-Freunde begleiten uns zum Flughafen um uns bei einem tränenreichen Abschied in die Heimat gehen zu lassen. Nach meiner unvergesslich wunderbaren Zeit in Thailand sitze ich im Flieger nach Hause und freue mich auf Familie und Freunde. In Deutschland angekommen stelle ich bestürzt fest, dass sich hier nichts verändert hat. Ich selbst habe so viele neue Eindrücke mitgenommen, so viele neue Dinge erlebt. Da erscheinen mir die ersten Tage in Deutschland langweilig, gleich. Alles ist wie früher. Ein ganz ganz komisches Gefühl. Drei bis vier Wochen dauert es, bis ich mich hier wieder wohl und heimisch fühle. Das Fernweh ist schlimmer als erwartet und brennt auch jetzt noch nach. Und das ist gut so.
Kommentare (2)
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ich habe mit großer Begeisterung deinen Bericht gelesen und hätte ein paar Fragen an dich.
Wie wird zum Beispiel die Anreise nach Thailand organisiert beziehungsweise wie verläuft der Transfer zum engültigen Aufenthaltsort?
Ich würde mich freuen, wenn du mir weitere notwendige Infos geben könntest.
Vielen Dank im Vorraus und liebe Grüße,
Florine