Gastfamilie für den Schüleraustausch werden

Phuong Duy aus VIETNAM: Ich bin der erste AFS-Schüler aus im Ruhrgebiet

Die Zeit ist sehr schnell abgelaufen. Es sind schon 5 Monate vergangen, seit ich nach Deutschland gekommen bin. In den ersten Tagen war alles total anders und fremd. Meine ersten Eindrücke waren die netten AFS-Betreuer am Frankfurter Flughafen. Als ich noch in Vietnam war, wusste ich gar nicht, dass mich wer abholen wird. Aber die AFS Betreuer waren da und haben mir geholfen. Und dann bin ich mit dem Zug ab Frankfurt gefahren. In dem Zug habe ich die ersten Freunde getroffen. Sie sind auch Austauschschüler von AFS. Wir sprachen miteinander bis Duisburg. Dort traf ich meine Gastfamilie: Mein Gastvater Reinhard, meine Gastmutter Sabine und meine Gastschwester Martha. Leider war mein Gastbruder Peter krank. Mein Gastvater hatte ein Blatt mit den Fahnen von Deutschland, Vietnam und meinem Name in seiner Hand und seine erste Frage an mich war: „Habe ich deinen Namen richtig ausgesprochen?“
Danach fuhren wir nach Dinslaken, wo das Haus von meinen Gasteltern steht. Dinslaken ist eine kleine Stadt, sehr schön und ruhig mit vielen grünen Bäumen, Reihenhäusern ... Und das gefällt mir.

Am ersten Tag, an dem ich angekommen bin, haben wir Brot, Käse, Butter, Schinken und Salami zum Abend gegessen. Alles musste nicht gekocht werden. Normalerweise essen wir Brot am Abend. Zum Frühstück haben wir Brötchen oder Toast. Ich esse gerne Toast mit Nutella und Butter. Am Mittag gibt es warmes Essen. Meine Gastmutter kann sehr gut kochen, deshalb bin ich immer sehr satt am Mittag nach der Schule.

In den ersten Monaten haben wir sehr viel Zeit zusammen verbracht. Wir sind zusammen ins Toverland (ein Freizeitpark) in Holland gefahren. Wir waren auch einmal in Hannover, zweimal in Rössing und Hildesheim, wo wir Weihnachten gefeiert haben. Es war das erste Mal, dass ich richtige Weihnachten erlebte. In Vietnam ist Weihnachten nicht ganz so wichtig. Aber hier ist es anders. An Heiligabend war ich in einem Gottesdienst und in einer Kirche. Meine Gastmutter hat dort gesungen. Danach saßen wir zusammen und haben uns unterhalten. Ich fühlte mich wie zuhause. Ganz einfach toll! Neulich fuhren für einen Tag nach Hamburg. Die Fahrt war wirklich sehr anstrengend, aber sehr schön. Hamburg war super toll für mich mit großem Hafen, Speicherstadt, Eisenbahn Wunderland Museum, Aussichtsturm der Nikolai Kirche, Hamburger Michel…etc.

Spiele spielen eine große Rolle in unserer Familie. Wir spielen gerne Brettspiele,     z. B. Mensch ärgere dich nicht, Keltis, Monopoly, Carcasonne, Cluedo...und auch Kartenspiele wie Kakerlakensalat, UNO, usw. Manchmal am Abend sitzen wir zusammen und fernsehen. Wir gucken gerne die „Dschungel Show“. Aber leider ist es schon vorbei.

Hier bin ich jetzt in der Klasse 11. Jeden Morgen fahre ich mit dem Fahrrad zum  THG Gymnasium (ungefähr 25 Minuten). Wenn es regnet oder schneit, fahre ich mit dem Bus.
Am Anfang war die Schule sehr schwer. Ich habe nicht so viel verstanden. Alle Leute sprechen sehr schnell. Ich konnte auch nicht lesen, was die Lehrer an der Tafel schrieben. Inzwischen geht alles besser, aber noch nicht so gut wie ich will. (Ich muss mich noch viel mehr bemühen).
Mein Lieblingsfach in der Schule ist Mathe. Ich habe überhaupt kein Problem damit. Aber es gibt auch noch einige Fächer, die ich noch nicht ganz verstehe, z. B. Deutsch, Geschichte...Hier in Deutschland kann ich viel experimentieren, in der Gruppe arbeiten...Das finde ich ganz gut. Die Lehrer sind nett, nicht so streng wie in Vietnam. Manchmal finde ich die Lehrer zu nett. Deswegen haben die Schüler wenig Respekt vor den Lehrern. Das finde ich nicht gut. Nach dem ersten halben Jahr habe ich auch einige Noten gekriegt: 1 in Mathe, 2 in Kunst, 3 in Englisch, 3+ in Sport.
Mit AFS erlebte ich auch viel. Wir sind nach Bayern gefahren. Ich war in 2 Camps: eins in Kevelaer und eins in Duisburg. Alle waren sehr schön. Es gab verschiedene Workshops und wir haben viel gelacht und uns unterhalten.
Im REN Komitee, treffe ich mich jeden Monat mindestens ein Mal mit den anderen. Wir haben sehr viel zusammen gemacht: Deutschkurs, Kuchen backen, zum Weihnachtsmarkt in Aachen fahren...

Seit ich in Deutschland bin, war ich schon zweimal in der Zeitung, weil ich der erste AFS-Schüler aus Vietnam im Ruhrgebiet bin. Und glücklicherweise hat ein Taekwondo-Meister die Zeitung gelesen. Dann hat er mich zum Taekwondo eingeladen. Jetzt gehe ich jeden Montag zu einer Halle in der Nähe und trainiere.
Außer Taekwondo spiele ich auch gerne Fußball hier in Deutschland (obwohl ich nicht sehr gut spielen kann). Dank Fußball lernte ich einige Leute kennen. Jeden Donnerstag gehe ich mit meiner Gastmutter zum Schwimmen. Dort kann ich nicht nur schwimmen, sondern auch rutschen, spielen, usw. Einmal als ich von dem Schwimmbad nach Hause fuhr, habe ich das erste Mal Schnee gesehen. In Vietnam gibt es keinen Schnee, deshalb war ich total gespannt. Ich habe auch einen Schneemann mit meinem Gastbruder gebaut.

In Vietnam feiert man das Tet Fest (Neujahrs-Fest) im Januar oder manchmal im Februar. Deshalb war Silvester 2009 ganz besonders für mich. Wir saßen zusammen und spielten ein Spiel bis 00.00 Uhr und dann machten wir Feuerwerk. Es war das erste Mal, dass ich selber Feuerwerk gemacht habe (In Vietnam ist es verboten).  Also hatte ich wirklich sehr viel Spaß.

Es gibt natürlich sehr viele Unterschiede zwischen Deutschland und Vietnam, z.B. das Wetter, die Schule, das Essen, die Eigenschaften (Die Deutsche sind sehr direkt und aktiv), usw. Aber für mich sind die Unterschiede überhaupt nicht wichtig. Egal wo ich bin, hier in Deutschland oder in Vietnam: Ich habe eine Familie!!!

Phuong Duy Ta, Vietnam
Stipendiat der Stiftung Mercator GmbH