Gastfamilie für den Schüleraustausch werden

Gastmutter Heidl mit Maddie aus den USA und Vojta aus TSCHECHIEN: Viele schöne Erinnerungen

Maddie kam aus den USA zu uns. Sie genoss es, in eine Familie mit Gleichaltrigen gekommen zu sein, da sie ungern - mangels Erfahrung - kleine Gastgeschwister gehabt hätte. Sie liebte deutsches Essen, insbesondere das Brot und das gemeinsame "kalte" Abendessen und hatte wegen ihres guten Appetits auch bald mit ihrem Gewicht zu kämpfen. Leider war sie insgesamt ziemlich unordentlich und man musste ihr z. B. immer wieder sagen, dass sie ihre Haare aus dem Waschbecken entfernen sollte. Wir hatten sie ausgesucht, da sie sich als sehr sportlich geschildert hatte und gerne kocht. Beides entsprach dann allerdings nicht unseren Vorstellungen. Tatsächlich schlief sie nachmittags lieber ein Weilchen, um dafür abends richtig wach zu werden und mit Freunden, soweit wir es erlaubten, bis tief in die Nacht in die Disco zu gehen. Davon hatte in ihren Unterlagen nichts gestanden und da wir ihren Wünschen nicht immer zustimmten, fühlte sie sich mitunter wohl nicht verstanden. Ein weiteres großes Hobby war das Einkaufen und Umtauschen. Wir haben noch nie jemanden gekannt, der so viel einkauft und umtauscht wie sie. Sie musste mehrere große Pakete nach Hause schicken.
Die ersten Wochen in der Schule machten ihr noch nicht so richtig Spaß, aber zum Schluss bekam sie ein recht ordentliches Zeugnis; die meisten Lehrer waren zufrieden mit ihren Leistungen und die Englischlehrerin fand es sehr bereichend, einen "native speaker" im Kurs zu haben. Da sie sich während ihres Aufenthalts bei uns um einen Collegeplatz bewarb, hatte sie noch viel - englischsprachigen - Kontakt zu ihrer Mutter, Schwester und Freunden und musste auch eine Menge englische Ausätze schreiben. Das fanden wir ziemlich schade, weil sie so immer wieder aus der deutschen Sprache herausgerissen wurde. Das klingt jetzt alles ein bisschen negativ, aber ihr Aufenthalt hatte auch sehr schöne Seiten: So lernte sie bei uns das Fahrradfahren lieben und war ganz stolz, als sie mit uns eine Fahrradtour nach Aschaffenburg ohne größere Probleme schaffte - und das waren mehr als 70 km. Nun hat sie auch in den USA ein Fahrrad! Auch unser gemeinsamer Wanderurlaub in den Berchtesgadener Alpen wird uns immer in schöner Erinnerung bleiben - nicht zuletzt, weil sie dort das Doppelkopfspielen lernte.
Am Abreisetag war sie sich sicher, im nächsten Sommer wieder zu Besuch zu kommen.

Zwei Jahre zuvor hatten wir einen Gastsohn aus Tschechien aufgenommen. Da er in Prag zusammen mit seinen Brüdern ein Zimmer in einer relativ kleinen Wohnung hatte, liebte er es, ein eigenes Zimmer zu haben, auf der Terrasse sitzen oder auch mal in der Sonne liegen zu können. Er war unheimlich sportlich und ehrgeizig und konnte Trompete spielen. Dadurch gewann er sehr schnell Bekannte und Freunde im Sportverein und Orchester und kannte nach seinem Aufenthalt hier fast so viele Leute wie wir. Er war an allem intessiert, was ihm angeboten wurde, liebte die Fastnacht und konnte unheimliche Mengen essen - er ist ja auch fast 2 m groß. Negatives gibt es nicht viel zu sagen: Im Haus lag nur ständig irgendetwas von ihm herum, dafür war sein Zimmer immer sehr ordentlich. Nur sein Zeitmanagement war chaotisch - trotzdem schaffte er es meistens, z. B. die S-Bahn noch zu kriegen. Er ist für uns zum 5. Familienmitglied geworden, wir haben nicht nur einen Sohn sondern unsere beiden Söhne auch einen Bruder gewonnen. Auch unser Ältester, der am Anfang gegen die Aufnahme eines Gastkindes war, freut sich heute sehr, wenn Vojta bei uns seine Ferien verbringt. Mein Mann und ich haben ihn auch schon in Prag besucht und er war sehr stolz, uns alles erklären zu können.  Er sagt selbst, dass er nun zwei Elternpaare hat und auch in Heusenstamm zu Hause ist. Und selbst die Großeltern lieben ihn und fragen, wann er wieder zu Besuch kommt.

Gastmutter Heidel, 2008/09