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Ein tolles Land und tolle Menschen!

Steffi, Honduras, 2004/05, CSP

Ein tolles Land und tolle Menschen!

Mein Entschluss ins Ausland zu gehen stand eigentlich schon fest als ich 13 war - denn damals kam mein "Bruder" Amaury aus der Dominikanischen Republik zu uns. Als ich gesehen habe wie viel Spaß er hat, und dass eine neue Sprache und ein neues Land anscheinend gar nicht mal so furcht einflössend waren, wie es scheint, war für mich klar - "auch ich gehe weg!" Vom kalten, ungemütlichen Deutschland hatte ich damals schon genug. 5 Jahre später, mit knapp 18 Jahren hat sich dieser Traum endlich verwirklicht. Zwar kam ich nicht in meinen Favoritenland (DomRep, war ja klar), aber das bereue ich kein Stück, denn Honduras hat meiner Meinung nach sooo viel mehr zu bieten!!! Aber mal lieber der Reihe nach:

Die letzten Wochen vor der Abreise waren stressig, aber auch schön (Plötzlich fällt jedem ein wie lieb sie einen doch haben :D), und die Vorfreude stieg immer mehr. Nervös war ich eigentlich gar nicht, komisch eigentlich, aber ich freute mich wohl einfach viel zu sehr endlich mal etwas Neues kennen zu lernen. Am Tag vor meiner Abreise wurde mir dann doch etwas mulmig. Endlich hatte ich realisiert, dass es wirklich weg ging, und abzubrechen, das wusste ich schon, würde für mich nicht in Frage komme. Ich wollte das durchstehen, egal was da kommt!! Am Flughafen war dann alles wieder in Ordnung, und ich freute mich nur riesig bald meine Gastfamilie kennen zu lernen. Als ich endlich ankam, wurde ich auch sofort von allen Seiten mit Fragen bestürmt. "Wie ist es in Deutschland?", „Ist es da wirklich so kalt?", "Hast du einen Freund" und natürlich die nach einiger Zeit normale Frage "wie war das eigentlich mit Hitler?", die aber meistens mit wirklichem Interesse zu verstehen gefragt wurde.

Familie(n) & Freunde

Die ersten zwei Wochen Spanischkurs waren sehr lustig - meine Gruppe war einfach toll. Die zwei Wochen waren dann wohl Schonzeit... denn nach der Abreise der Gruppe fingen leider erstmal die Probleme mit meiner Gastfamilie an. Mit meinem Vater verstand ich mich supergut, mit meiner Mutter allerdings leider weniger... Trotzdem habe ich die Zeit auch als positiv empfunden, da ich in dieser Zeit sehr viele Freunde gefunden habe. Nach 3 Monaten dann bedrückte mich meine Familiensituation immer noch, und ich beschloss schweren Herzens zu wechseln. Also packte ich meine Sachen und schaute nach vorne (Grosses Lob in dem Punkt übrigens an AFS Honduras, die innerhalb von nur 3 Wochen eine neue Familie für mich gefunden hatten - was nichts einfach ist).

Meine zweite Familie war dann der Himmel!! Sie besteht aus 5 Mitgliedern: Concho, mein Vater, Letitia, meiner Mutter, Cecilia (30) meiner ältesten Schwester, die zugleich auch die einzige war die zuhause gewohnt hat, Gayleen die in Texas lebt und dort auch verheiratet ist - sie habe ich nur einmal kurz kennen gelernt, und Letitia, die Jüngste, die zurzeit mit AFS in Deutschland ist. Sie ist auch 18, aber ich habe sie nie kennen gelernt. Mit meinem Vater habe ich mich wieder einmal super verstanden! Auch mit meiner Mutter und meiner Schwester lief alles super, wobei zu bemerken ist das in Honduras die Mütter meistens wesentlich strenger sind - sie sind im Haus die Herrscherinnen, draußen ist es der Mann, der etwas zu sagen hat. Trotzdem war das Verhältnis zu meiner Mutter sehr gut. Mit meiner zweiten Familie jedenfalls hatte ich ein Riesenglück und ich war sehr froh gewechselt zu haben.

Es war immer was los, und ständig kamen Freunde der Familie zu Besuch, und es wurden kleine Spontanpartys gefeiert. Seltsam war nur der Reichtum meiner Familie. Sie hatten wirklich alles, und auch wenn es normal ist eine "muchacha" zu haben, so war sie doch in den meisten Familien eher ein Teil der Familie. Da nicht. Sie hatte immer eine Uniform an, und ich durfte mir noch nicht einmal eine Cola selber holen, sondern sollte die Magd damit beauftragen, was für mich ziemlich unangenehm war. Trotzdem, auch wenn es mit meiner ersten Familie nicht so geklappt hat, bin ich doch froh da gewesen zu sein, und einen anderen Teil des Lebens in Honduras, den Teil, der nicht so reich war, kennen gelernt zu haben.

Meine Freunde waren nicht sehr reich, was es manchmal schwierig gemacht hat, wenn man ins Kino wollte oder so, aber sie waren superlustig!! Mit ihnen hat es immer Spaß gemacht, irgendwo hin zu gehen, zum Beispiel in ein kleines Dorf in den Bergen, in der nähe von Tegucigalpa. Es war so kalt, und wir wollten ein Barbecue machen…nur ohne Stühle oder Tische, und dann fing es auch noch an zu regnen! Trotzdem wurde immer aus jeder Situation das Beste gemacht, und wir hatten im Endeffekt immer Spaß, was ich als sehr typisch für die Honduraner - die „Catrachos“ - empfunden habe. „Always look on the bright side of life“ scheint das Lebensmotto eines jeden dort zu sein, wodurch manchmal allerdings dann eben nicht auf das Schlechte gesehen wird. Viele Reiche kümmern sich gar nicht um die unteren Klassen, sondern übersehen sie einfach. Ist man einmal in ein Klasse drin- kommt man wahrscheinlich nie wieder raus.

Dann war ich noch mit 2 Norwegerinnen aus meiner Gruppe gut befreundet, mit ihnen bin ich viel gereist, und es war gut, dass sie da waren, denn sie konnten Probleme verstehen die sich durch den Austausch ergaben, die meine Freunde dort nicht so sehr verstanden hätten. Dann habe ich dort auch noch meinen Freund kennen gelernt, mit dem ich jetzt 7 Monate zusammen bin, und der Gott sei Dank gar nichts von der manchmal ein wenig machohaftigen Art der Honduraner hat.

Arbeit

Meine Arbeit begann ich nach den zwei Wochen „Spanischkurs“. Ich sollte Englisch in einem öffentlichen Kindergarten und Vorschule unterrichten. Die Kinder waren 4-6 Jahre alt und der Unterricht sollte von 7:30 bis 12:00 mittags gehen. Ich hatte versucht mir das vorher vorzustellen, doch mein Bild von armen Kindern die mit Holzkohle malten war doch sofort zerstört. Mein Kindergarten ist, obwohl er öffentlich ist, relativ reich, und die Eltern helfen viel mit. Zum Beispiel beim Streichen des ganzen Kindergartens, was ein Riesenspaß war. Meine Kinder waren total niedlich. Sofort als ich ankam, umarmte mich eine ganze Horde 4- jähriger, was sich später als normal rausstellen sollte. Kommt einer – kommen alle. Da muss man schon aufpassen, nicht umgeworfen zu werden. Nach 1-2 Monaten hatte ich dann auch langsam den Dreh raus mit dem Unterrichten, was mir am Anfang recht schwer fiel. Natürlich gab es tausend kleine Zwischenfälle, mehr oder weniger lustig, spannend oder traurig, aber dazu reicht der Platz, und meine Geduld nicht. Ich mochte meine Arbeit sehr gerne, aber sie war nicht sehr anstrengend, und stand dadurch nicht so sehr im Mittelpunkt meines Lebens dort.

Land

Das Land an sich ist wunderschön, wenn man an die Maya-Ruinen denkt, die weißen Karibikstrände, den wilden Regenwald…..aber das war leider nicht das, was ich täglich zu sehen bekam. Mein Alltag war die Haupstadt Tegucigalpa, die groß ist, stinkt und meistens relativ hässlich ist. Ich konnte mich zum Beispiel nie an die Häuser gewöhnen, von denen viele wie Gefängnisse aussehen, mit Gittern vor den Fenstern und dann noch in knallgrün gestrichen…In dem Punkt konnte ich den Geschmack der Honduraner nicht teilen. Aber es gibt natürlich auch schöne Viertel und Stellen, zum Beispiel wurde der Stadtpark gerade neu gemacht, und ist wirklich hübsch. Auch Suyapa ist wunderschön, und ich hatte das Glück täglich an dieser Kirche vorbeizufahren zu müssen. Und dann gibt es natürlich noch den Aussichtspunkt Picachu, wo sich auch ein Zoo befindet, von wo aus man die ganze Stadt überblicken kann. Am schönsten ist Tegus – wie die Einheimischen sagen – allerdings bei Nacht, wenn die Stadt zum Lichtermeer wird. Ein Anblick der auch nach 40 Malen atemberaubend ist. Dann ist der schöne Name der Stadt, „Silberne Berge“ (so zumindest wurde der indigene Name ins Spanische übersetzt), vollkommen zutreffend.

Dann gab es natürlich noch Utila, meinen zweiten Wohnort. Ich war innerhalb eines halben Jahres 3 Mal da! Utila ist die kleinste der so genannten Bay Islands, 3 Inseln, die vor der Küste Honduras liegen. Es ist wunderschön zum Schnorcheln, Tauchen oder auch einfach nur zum relaxen dort. Und richtiges Karibikfeeling, das in der Grosstadt trotz hoher Temperaturen mal verloren geht, bekommt man auch wieder. Aber was das Land wirklich ausmacht, sind die Leute, die einen überall herzlich und liebevoll empfangen – was man möglichst nicht ausnutzen sollte, denn viele laden zum Essen ein - und haben dann am nächsten Tag nichts mehr. Man sollte wirklich versuchen auf Reisen durch das Land niemandem zur Last zu fallen.

Ach was kann ich noch sagen...Ich bin jetzt 2 Wochen in Deutschland und will schon wieder zurück –sagt das alles? Eigentlich wollte ich ja auch gar nicht erst weg aus Honduras.

Fazit: Ein tolles Land, tolle Menschen, gute Freunde und eine neue Familie – Honduras lohnt sich wirklich!!! Und wenn mal etwas nicht so klappt – einfach weiterversuchen, bloß nie aufgeben, und alles ausprobieren was angeboten wird. Damit sollte es eigentlich klappen…

Alles Gute allen zukünftigen CSPlern!!!