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Arbeit im AFS-Büro

Mischa, Paraguay, 2008/09, FSJ

Arbeit im AFS-Büro

Liebe zukünftige FSJler. Ich möchte euch im Folgenden einen Einblick in die Arbeit des AFS Paraguay und das Land Paraguay geben, um euch die Entscheidung vielleicht ein wenig zu erleichtern. Ich bin seit knapp 5 Monaten in Paraguay, mein Spanisch kann sich sehen lassen und arbeite als FSJler im AFS-Büro Parauay in der Finanzabteilung, doch dazu später mehr.

Ich versuche euch hier keinen Komplettbericht über Paraguay zu liefern – diese gibt es von meinem Vorgänger und in jedem Reiseführer-, sondern besondere Eckpunkte, Eigenarten und Informationen, die euch helfen sollen, euch für das Land und gerade auch die ARBEIT zu entscheiden. So war es mir Anfangs wichtig „nur“ noch einmal für ein Jahr wegzufahren. Die Arbeit ließ ich auf mich zukommen. In meinem FSJ ist mir persönlich jedoch auch bewusst geworden, dass ein anderes Land kennen zu lernen wie immer eine großartige Erfahrung ist, jedoch im FSJ die Arbeit einen mindestens genauso großen Teil ausmacht. Ich hoffe ich kann euch also für beides Aufklärung und Anreize schaffen.

Mi Paraguay – mi terra querida

Nach einem Jahr Brasilien-Austausch und etwaiger AFS-Erfahrung pendelte sich bei mir irgendwo das typische Bild der Latinos zwischen Brasilianern, Chilenen und Columbianern ein. Alle sind etwa ein Schlag. Paraguay hat mich hier eines anderen belehrt. Vergleicht man Paraguay mit Brasilien oder Argentinien könnte der Unterschied nicht deutlicher sein. Der wohl durch Paraguays Mittellage fehlende Tourismus hat das Land in seiner natürlicheren Form erhalten, was aber lange nicht heißt, dass sie von Technik und Globalisierung abgeschnitten sind. Vielmehr merkt man es an der Lebenseinstellung und der Offenheit. Der Paraguayo braucht zwar länger als der Durchschnittslatino um Kontakt aufzunehmen, ist nach erster Skepsis dann aber wirklich sehr offen und schließt einen mitunter so in sein Herz, dass es schwer ist wieder herauszukommen.

Dies zeigt sich auch im Sommer, wenn er mit seinem Terere, dem eiskalt getrunkenen Matétee, den Tag eher zu Hause im Garten als draußen auf der Straße verbringt. Der Grund hierfür liegt mitunter auch in den tropischen Temperaturen, die man nicht unterschätzen sollte. Es können locker 45° erreicht werden, bei Luftfeuchtigkeiten, die wohl eher mit einer türkischen Sauna vergleichbar sind. Die Lust sich dann aus dem Umfeld eines Ventilators zu entziehen ist nicht groß.

Die Paraguayos

Ich habe die Paraguayos bisher immer als etwas schüchterner als andere Latinos erlebt. Dies hat sicher auch mit der jahrzentelangen Dikatatur zu tun, die erst 1989 abgelöst wurde. Nach vielen Gesprächen wurde mir dies in Teilen auch von Paraguayos bestätigt. So ist auch der Arbeitsalltag und das Leben generell noch ein wenig hierarchischer strukturiert. Widerspruch von Jüngeren wird in Teilen weniger gerne gesehen, als in Deutschland mit seiner Kritikfreudigkeit. Besonders gut bemerkt man das bei Amtsgängen. Dennoch ist gerade dieser Teil der Geschichte interessant, da reichlich Zeitzeugen vorhanden sind und man die Auswirkungen noch heute in der Gesellschaft beobachten kann. Die Kultur in Paraguay ist stark durch die intensive indigene Geschichte geprägt, die sich bis heute merkbar in der Gesellschaft fortsetzt. So sprechen mehr Menschen in Paraguay das indigene Guarani, als Spanisch, so denn die meisten Menschen im städtischen Bereich beides sprechen und sich die Mehrzahl der Nur-Guarani Sprecher im Campo außerhalb der Städte befindet.

Paraguay hat seit 2008 den ersten demokratischen Präsidenten (ein ehemaliger Pastor) seit der Diktatur, der sich die Bekämpfung der Sozialprobleme zur Aufgabe gemacht hat. Paragauy zählt zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas und ist ein Dritte-Welt-Land. So gehören bettelnde Kinder an Straßenecken und Bussen genauso zum landestypischen Bild, wie kaputte Busse und Müll auf den Straßen. Es ist erstaunlich aber wahr, dass man auch darüber nach einer Zeit schmunzeln kann. Es gehört genauso, wie seine indigene Geschichte, seinen tropischen Seiten und dem gemütlichen Terere-Schlürfen zum Land.

Paraguay ist im Endeffekt ein Land, das fordert enddeckt zu werden. Hierzu gehört aber in jedem Fall Motivation und ein wenig Eigenleistung, da die Zeit neben der Arbeit nicht grenzenlos ist und im Sommer die heißen Temperaturen nicht zu Völkerwanderungen einladen.

Die Arbeit im AFS – Büro – Abteilung FINANZEN

Das AFS-Büro in Paraguay hat zur Zeit knapp 12 Mitarbeiter und befindet sich in einem ehemaligen zweistöckigen Wohnhaus in der Nähe des Zentrums von Asuncion. Per Bus ist es eigentlich immer gut zu erreichen, auch wenn man manchmal ein paar Blocks gehen muss. Die zwei FSJ-Stellen waren in diesem, wie in den letzten Jahren in der Travel and Logistics Abteilung sowie in der Finanzabteilung mit einem Anteil in der Marketing Abteilung belegt.

Ich habe die Stelle in der Finanzabteilung bekommen und möchte ein wenig über meine Aufgaben erzählen, da die Vorstellungen über die Bürotätigkeit bei AFS sicher weit auseinandergehen. Ich konnte mir zumindest damals keine Vorstellung machen. Sicher kann ich zu Anfang schon einmal sagen, dass die Arbeit im Büro wenig mit der Ehrenamtlichentätigkeit wie aus Deutschland gewohnt zu tun hat. Wer also wie ich aus einer sehr aktiven AFS-Zeit nach Paraguay kommt, wird auch durch die andere Struktur, das meiste nicht anwenden können. Es ist zwar möglich eines der wenigen, da zentral organisierten Camps mitzumachen, gehört aber in der Regel nicht zum Aufgabenfeld.

Meine Aufgaben

So mache ich in der Finanzabteilung hauptsächlich Buchhaltungsaufgaben, sortiere Rechnungen, führe Exceltabellen über die Chequeverbindungen, gebe Rechnungen in die Buchhaltungssoftware ein und mache die medizinischen Abbrechnungen über die internationale Datenbank (Scannen, Daten eingeben, hochladen, abschicken). Auch die Buchführung der Komiteeausgaben liegt in meinem Verantwortungsbereich. Es sind in Teilen recht zeitaufwendige Aufgaben und ich persönlich hatte bisher wenige Tage, an denen ich Leerlauf hatte, es gibt halt einfach immer Rechnungen. Falls Not am Mann herrscht, darf ich zwischendurch auch die Rezeption führen, Leute empfangen und Anrufe weiterleiten. Kleinere Aufgaben nebenher, wie Kopieren, Besuch eines Austauschschülers im Krankenhaus kommen je nach Bedarf hinzu. In der Marketingabteilung habe ich bisher 2-3 Mal gearbeitet und dies war jeweils auch nur jeweils eine Stunde um Flyer zu verteilen. Der Schwerpunkt bei meiner Tätigkeit liegt für mich in diesem Jahr bei 99 % Finanzabteilung.

Ich denke es ist wichtig sich darüber klar zu werden, das im AFS-Büro Paraguay die Haupttätigkeit auf der Buchführung liegt. Ähnlich sieht es in der Travel und Logistics Abteilung aus. Hier kommen neben Kopien und Excel-Tabellen je nach Jahreszeit Gänge zu Ämtern für das Visum sowie die eine oder andere Stunde am Flughafen, so denn das Spanisch dies zulässt.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Aufgabenfelder im AFS Paraguay verschaffen und ein paar kleine Details über Paraguay verraten. Wer weitere Fragen hat darf sich gerne per E-Mail melden. (afs@mischab.de)

40° warme Grüße aus Paraguay, Saludos desde Paraguay