Deutsche Partylieder kennt sie auswendig |
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Auf einem großen Schild las Inge Strauss ihren Namen, als sie aus Neuseeland über Frankfurt in Bremen ankam und ihre Gastfamilie sie begrüßte. Gastmutter Sibylle Haake und Tochter Wera Lisa hielten das Plakat in die Höhe, während Gastschwester Swea einen Blumenstrauß überreichte und Gastvater Uwe alles fotografierte. Das war am 14. Februar dieses Jahres. Seitdem ist Inge Strauss zu Gast bei Familie Haake in Hiddestorf, organisiert von der Organisation American Field Service (http://www.afs.de) – und fühlt sich dort so richtig wohl. Als die 18-jährige Neuseeländerin, die in Südafrika geboren ist, sich für Deutschland als Schüleraustauschland entschied, wollte sie auf keinen Fall aufs Land ziehen. Eine Großstadt sollte es sein. Und nun ist sie in dem kleinen beschaulichen Hiddestorf gelandet. „Es war das Beste was mir passieren konnte“, sagt Inge Strauss jetzt und erinnert sich: Noch gar nicht richtig angekommen, die Koffer noch im Auto und ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, steuerte ihre Familie den Karneval in Morsum an. Swea musste als Prinzessin auf die Bühne. „Eine ganz neue Erfahrung, denn Karneval gibt es bei uns nicht. Ich habe viele nette Leute kennen gelernt und sehr viel Spaß gehabt“. Schon zehn Tage später ging es auf Kohlfahrt. Die Tour half ihr, die Nachbarn und das Dorf besser kennen zulernen. Ihr seinerzeitiger erster Eindruck von Deutschland: „Die Autos fahren auf der falschen Seite und die Deutschen feiern viel.“ Dass die Schülerin nicht nur zum Feiern nach Hiddestorf gekommen ist, versteht sich. Bei einem Chrashkurs an der VHS lernte sie den deutschen Grundwortschatz: Familie, Freunde und die Mitschüler der elften Klasse am Domgymnasium in Verden übten mit ihr viele Worte und erklärten deren Bedeutung. An den Wochenenden und in den Ferien lernte Inge Deutschland und die Region besser kennen, nahm an Erntefesten in Schwarme, Intschede und Hiddestorf teil, bastelte mit Wera Lisa eine Laterne und war beeindruckt von der Atmosphäre des Laternelaufes in Blender. Auch die Verdener Domweih wurde unsicher gemacht. „Auf dem Brokser Heiratmarkt machte ich Bekanntschaft mit dem Bullenschluck und ich habe geheiratet.“ Zu den Morsumern hat Inge Strauss ein sehr freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Sie wurde zu vielen Geburtstagen und Festlichkeiten eingeladen. Beim kürzlichen Karnevalsauftakt am 11.11 bekam sie den Morsumer Karnevalsorden und eine Narrenkappe verliehen. „Ein komisches Ritual ist auch das Fegen am 30. Geburtstag“, sagt Inge schmunzelnd. Inzwischen kennt sie alle deutsche Partylieder in- und auswendig. Sie tanzt für ihr Leben gerne. Was wäre ein Besuch in Deutschland ohne einen Abstecher zum Oktoberfest – mit Dirndl und allem was dazu gehört. „Die Weißwurst ist lecker, mmmh“, schwärmt sie, ansonsten hat Inge ihre Vorliebe zu Eintöpfen und „Klütschen“ (Norddeutsche Mehlklöße) entdeckt. Aber wenn sie das Wort Fisch hört, lehnt sie dankend ab. Im Hause Haake erlebte sie eine Ziegengeburt mit, füttert die Schlangen von Swea und hat eine dicke Freundschaft zu Mischlingshund „Hanni“ und den Katzen aufgebaut. Am Domgymnasium erhielt sie kürzlich 13 Punkte für eine Kunstarbeit, die sie aber auf Englisch geschrieben hatte. Die letzte Erdkundearbeit hat sie erfolgreich auf Deutsch zu Papier gebracht. Dass Inge Strauss am Leben in der Region teilnimmt, ihre Gastschwester Swea und deren Schwestern Lena und Wera Lisa sie überall mit hinnehmen, hat ihr sehr schnell geholfen sich in Deutschland zurechtzufinden. Mittlerweile kann sie sich auf Deutsch gut unterhalten. Doch am 9. Januar heißt es Abschied nehmen. Um kurz nach 22 Uhr startet der Flieger ab Frankfurt Richtung Neuseeland. „Doch erst einmal will ich noch deutsche Weihnachten genießen.“ In Neuseeland wird Inge dann Jura studieren. Doch zunächst steht erst einmal der Weihnachtsmarkt in Blender an. Dort will Inge mit ihren Gastschwestern frische Waffeln verkaufen. |
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