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Ganz alleine nach Südamerika

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Es ist ein Abenteuer, ein großer Schritt, den zu machen viele gar nicht erst wagen würden. Verena Aignesberger ist erst 15 Jahre alt und weiß schon sehr genau, was sie will. Ende Januar fliegt die Trostberger Gymnasiastin nach Bolivien, um dort für ein halbes Jahr an einem Austauschprogramm der Organisation AFS teilzunehmen.

Es war schon lange ihr Wunsch, einmal für längere Zeit ins Ausland gehen, vorzugsweise nach Südamerika, um dort die spanische Sprache zu erlernen. Als ihre Cousine ihr dann von der Organisation AFS (American Field Service) erzählte, bewarb sie sich dort als Austauschschülerin. „Für die meisten südamerikanischen Länder muss man 16 Jahre alt sein, um teilnehmen zu können“, erklärt die Gymnasiastin. „Also blieben nur noch Argentinien, Bolivien, Costa Rica, Kolumbien und Mexiko für mich über.“ Letztendlich bekam sie dann für Bolivien eine Zusage, worüber sie sich sehr freute, weil auch schon ihr Vater dieses Land bereist hatte.

Wo genau sie die sechs Monate verbringen wird, wusste Verena Aignesberger allerdings lange nicht. Erst vor kurzem teilte ihr AFS mit, dass sie in einer Gastfamilie mit zwei Kindern in Santa Cruz de la Sierra im Südosten Boliviens leben wird.

Während ihres Aufenthalts wird Aignesberger eine bolivianische Schule besuchen. Eine ganz neue Erfahrung, denn der Schulunterricht im ärmsten Land Südamerikas unterscheidet sich grundlegend von dem, den sie vom Hertzhaimer Gymnasium gewohnt ist. Es besteht dort zwar Schulpflicht bis zur zehnten Klasse, aber eine Einteilung in weiterführende Schulen gibt es nicht. Die größte Schwierigkeit sieht die Trostbergerin erst einmal darin, dem Unterricht auf Spanisch folgen zu können. Da sie aber schon an zwei vhs-Sprachkursen teilgenommen hat und eine Tante in Spanien hat, die sie mit ihrer Familie regelmäßig besucht, ist sie zuversichtlich, schnell auf ihre Grundkenntnisse aufbauen zu können. Mehr Sorgen bereite ihr eher das bolivianische Essen, meint Aignesberger schmunzelnd. Auf einem Vortrag über Bolivien habe sie einmal Fotos von bolivianischen Gerichten gesehen. „Das hat interessant ausgesehen“, erinnert sie sich augenrollend.

Ansonsten scheint Verena Aignesberger ihrem Abenteuer trotz ihres jungen Alters erstaunlich furchtlos und selbstbewusst gegenüberzustehen. Sie freue sich auf die Menschen dort und darauf, einmal eine ganz andere Kultur und Mentalität kennenzulernen. Aignesberger: „Ich habe einen Betreuer von AFS vor Ort, an den ich mich wenden kann. Außerdem ist es ja nur ein halbes Jahr.“

Auch davor, dass sie den Schulstoff, den sie in diesem halben Jahr am Gymnasium verpassen wird, nicht aufholen kann, hat die Zehntklässlerin keine Angst. „Ich werde den Stoff in den Ferien nachlernen“, erklärt sie selbstbewusst. „Im ersten Halbjahr der elften Klasse habe ich dann Probezeit und muss eine bestimmte Punktzahl erreichen. Aber das wird schon gehen.“ Ihre bisherigen Noten lassen nichts anderes erwarten und schließlich habe sie keinesfalls vor, eine Klasse zu wiederholen und noch länger zur Schule zu gehen, so Aignesberger.

Der Schüleraustausch dauert eigentlich bis Ende Juni, dann könnte die Trostbergerin theoretisch ihre Sachen packen und zu Hause noch einen Monat am Schulunterricht teilnehmen. Darin sieht sie allerdings wenig Sinn. Stattdessen will sie noch einen weiteren Monat in Bolivien bleiben und ein Praktikum bei einem Straßenkinderprojekt machen, das von Nicole Weiss – ebenfalls Trostbergerin und Tochter der ehemaligen Gymnasiallehrerin Gisela Weiss – geleitet wird. Es ist zweifellos eine tolle Erfahrung fürs Leben, die Verena Aignesberger in den kommenden Monaten machen wird. Wie es ihr in Bolivien ergangen ist und was sie alles erlebt hat, lesen Sie im Sommer in Ihrer Lokalzeitung.
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