Warme Gefühle fürs kalte Land |
| Geschrieben von: RP online | |||
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Austauschschüler Gabriel Arias aus Argentinien ist seit neun Monaten in Deutschland. Anfangs fand er die Menschen merkwürdig zurückhaltend. Heute hat er Freunde und eine zweite Familie gefunden. Seinen ersten Eindruck von Deutschland fasst Luis Gabriel Arias in einem Wort zusammen: "Kalt". Das betraf erstmal das Wetter. In Deutschland hat er zum ersten Mal Schnee gesehen, was er ziemlich toll fand. Zweitens betraf es irgendwie auch die Menschen – dachte er zumindest. Inzwischen glaubt er: Die Deutschen sind nicht kalt, sie sind warmherzig, neugierig und freundlich, sie können es bloß nicht immer zeigen. Der 18-Jährige kam im Februar als Austauschstauschschüler an den Niederrhein. Seine Gastfamilie ist die Familie Lohmann in Baerl. Gabriel kommt aus Formosa, das liegt ganz im Norden Argentiniens an der Grenze zu Paraguay. Und dort sind die Menschen schon anders als in Deutschland, meint er, einfach zugänglicher: "Wenn du neu bist, anders, exotisch, kommt jeder zu dir", beschreibt er. "Die Leute hier brauchen ein bisschen länger, um sich zu unterhalten. Es braucht länger, um Freunde zu finden. Hier musst du selbst auf andere zugehen." Anfangs spürte er deshalb vielleicht gar nicht, wie offen die Menschen um ihn herum eigentlich für ihn waren. Wenn Mitschüler Abstand hielten, war das gar nicht ablehnend gemeint: "Vielleicht wollten sie mit mir reden, aber sie waren so schüchtern. Eigentlich sind alle nett. Sie interessieren sich für dich." Gabriel kam zu dem Schluss, dass die etwas zurückhaltendere Art der Deutschen vielleicht mit dem Wetter zusammenhängen könnte. Irgendwann stellte er jedenfalls fest, dass sich da Nähe entwickelt hatte, dass er gemocht wurde. Freunde besuchten ihn und verabredeten sich mit ihm, "und jetzt schicken alle SMS und E-Mails und sagen, ,wir werden dich vermissen'." Über das, was "typisch deutsch" ist, hatte er nur Stereotype im Kopf bevor er kam: Alle Leute sind furchtbar seriös, es gibt so gut wie keine Armut und keinen ordentlichen Sommer. Seine aktuelle Liste von "typisch deutschen" Dingen öffnet die Augen: Döner – ein neues Lieblingsessen von ihm. Abends zusammensitzen und fernsehen. Und die vielen Ausländer: "Hier gibt es Türken, Marokkaner, Spanier, Italiener – ich bin einfach nur einer von denen. Das finde ich toll." Eine Sache, die ihm sehr gut gefällt, passt wieder ins Klischee: "Die Mentalität, dass man alles so machen soll, wie es sein muss." Ordnung, Pünktlichkeit und Pflichtbewusstsein: "Das finde ich toll", lobt Gabriel, "so muss das sein." Zu großartigen deutschen Errungenschaften gehören seiner Ansicht nach überdies Nutella, Haribo und Bier: "Das ist hier viel leckerer als in Argentinien." Er hat Land und Leute in sein Herz geschlossen. "Es wird schwierig, zurück nach Hause zu fliegen", sagt er. "Eigentlich wollte ich nur mal was Anderes sehen. Jetzt habe ich hier Freunde und eine Familie gefunden." In diesem knappen Jahr im Ausland habe er so viel bekommen: "Jetzt würde ich gerne etwas zurückgeben. Ich möchte gerne irgendwo ein freiwilliges soziales Jahr machen."
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