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Ein Finne ist ein Freund fürs Leben

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Geschrieben von: Augsburger Allgemeine   
Ein Schuljahr in den USA oder England zu verbringen, ist heute fast nichts Außergewöhnliches mehr. Mareen Patzelt hat dagegen die Herausforderung gesucht und ein Jahr in Kuopio im Osten Finnlands verbracht.

Bei ihrer Wahl war für die 17-Jährige aus Ochsenhausen von vorneherein klar: In ein kaltes, nördlich gelegenes Land, dessen Sprache sie nicht beherrscht, soll es gehen. Letztendlich hat ihr die Organisation „American Field Service“ (AFS) eine Gastfamilie in Kuopio ausgesucht.

„Minun nimeni on Mareen“
Als die Gymnasiastin schließlich gen Norden flog, hatte sie sprachlich nicht viel im Gepäck - „Kippis“ (Prost) und „Minun nimeni on Mareen“ (Ich heiße Mareen) waren die einzigen finnischen Sätze, die sie bis dato kannte. „Trotzdem bin ich gut zurechtgekommen, denn alle sprechen gut Englisch und haben sich sehr bemüht“, erzählt Mareen. Nach vier Monaten sprach sie in ihrer Gastfamilie nur noch Finnisch, noch einen Monat später konnte sie endlich den Gesprächen ihrer Freunde mühelos folgen. „Am Anfang war es schon etwas frustrierend, denn Finnisch unterscheidet sich sehr vom Deutschen, Englischen oder auch den romanischen Sprachen. Man kann quasi nichts ableiten und muss alles von Grund auf lernen“, sagt die Schülerin. Jetzt, so meint Mareen, spreche sie Finnisch fast fließend. „Natürlich kann ich nicht über Physik sprechen, aber ich kann mich gut unterhalten.“

Ihre Gastfamilie hat Mareen viel von Finnland gezeigt, auch das Polarmeer. Das finnische Schulsystem findet Mareen gut. Dort muss zwar jeder Finnisch oder Mathe belegen, kann aber zwischen verschiedenen Schwierigkeitsstufen wählen und besitzt insgesamt eine größere Entscheidungsfreiheit. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis sei um einiges entspannter als in Deutschland, auch weil man sich gegenseitig duzt.

„Small-Talk zu halten gilt als unhöflich“
Und was hat sie von ihrem Auslandsjahr mitgenommen? So einiges, sagt die Schülerin entschlossen. Sie hat viel über sich selbst gelernt und ist selbstständiger geworden. „Ich musste so manches Problem alleine bewältigen und dies hat mich weiter gebracht“, resümiert Mareen.

Viel hat sie auch über andere Länder und Kulturen und natürlich über Finnland gelernt. So ist Mareen positiv aufgefallen, dass die Finnen die Privatsphäre anderer achten und ihre Mitmenschen respektieren. „Small-Talk zu halten gilt - anders als in Deutschland - als unhöflich. Es ist üblich, einen in Ruhe zu lassen“, erzählt sie. Diese Zurückhaltung war jedoch mehr Fluch als Segen: Mareen musste stets den ersten Schritt wagen und auf die Leute zugehen. „Es war wirklich schwierig, tiefer gehende Kontakte aufzubauen“, stellt Mareen rückblickend fest. So hat sie zwar nicht sehr viele Freunde, dafür aber zwei sehr gute gefunden, mit denen sie immer wieder wunderschöne Momente erlebte. Ob sie denn keine Angst hat, dass der Kontakt abbricht? „Nein“, sagt Mareen und lacht. „Sogar die Finnen sagen von sich: Hast du erstmal einen Finnen zum Freund, ist es ein Freund fürs Leben.“

Von Laura Ilg
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