"Mai pen rai" - wer wird sich denn aufregen? |
| Geschrieben von: Stuttgarter Nachrichten | |||
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Gabriela Zaiser arbeitet seit einigen Monaten als freiwillige Helferin im Land des Lächelns - und alles kam ganz anders. Die 19-jährige Fellbacherin Gabriela Zaiser ist seit August vergangenen Jahres im Rahmen eines Freiwilligendienstes in Thailand tätig (wir haben darüber berichtet). Aus dem "Land des Lächelns" hat sie uns in einem Brief ganz frische Eindrücke geschildert aus dem ersten halben Jahr: "Fast alles kam ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte", schreibt sie. Für insgesamt acht Monate ist die junge Abiturientin von Weltwärts, einem vom deutschen Staat geförderten Freiwilligendienst, und von dem Verein AFS Interkulturelle Begegnungen nach Thailand entsandt worden, um dort in einer Schule zu helfen, die englische Sprachfähigkeit der Kinder zu verbessern. Nach einem dreitägigen Vorbereitungsseminar in Bangkok ist sie von ihrer Gastmutter und einer "Advisorin" in Bangkok abgeholt worden. Mit dem Bus ging es zehn Stunden lang nach Süden. "Mein Ort nennt sich Thung Song und befindet sich im schönen Süden Thailands in der Provinz Nakhon Si Thammarat", berichtet Gabriela Zaiser. Die Schule, in der sie als "teacher assistant" arbeitet, ist nur fünf Minuten von ihrem neuen Zuhause entfernt. 3000 Schüler werden dort unterrichtet. Gabriela Zaiser arbeitet gemeinsam mit einem amerikanischen und einem philippinischen Lehrer im sogenannten "Need-Program", gleichbedeutend mit muttersprachlichem Englisch-Unterricht. Das Programm ist von ihrer Gastmutter ins Leben gerufen worden. 40 Kinder, die sich auf dieses Programm bewerben mussten, werden in der "secondary school" drei Jahre lang besonders in Englisch gefördert. Sie bezahlen für das Programm, nehmen an Wettbewerben teil und unternehmen viele Reisen, berichtet die Fellbacherin. Außerdem ist sie in das normale Schulleben eingebunden, unterrichtet gemeinsam mit ihrer Gastmutter Schüler, die im Durchschnitt 17 Jahre alt sind. "Anfangs hatte ich etwas Angst davor, dass sie mir gegenüber keinen Respekt erweisen würden, da ich ja doch nur zwei Jahre älter bin", erzählt Gabriela Zaiser. "Dem ist jedoch nicht so. Die thailändischen Schüler zeigen sehr viel Respekt gegenüber ihren Lehrern. Sie tragen eine Uniform, die Mädchen tragen die Haare nicht länger als bis zu den Ohren, und jeden Morgen wird um 8 Uhr in der Versammlung die Nationalhymne gepielt. Dazu stellen sich alle Schüler zusammen auf den Hof und singen." Unterrichtet wird in den großen Klassen mit 40 bis 50 Schülern mit Mikrofon, "so dass die Schüler auch in den hinteren Bänken verstehen, was ich sage", berichtet Gabriela Zaiser. Anfangs war die Fellbacherin noch mit einer anderen Freiwilligen aus Neuseeland zusammen und hat nach der Schule viel mit ihr unternommen. Jetzt ist sie einzige Freiwillige, aber dennoch nicht einsam. "Ich gehe mit einer Lehrerin in einem wunderschönen großen Park joggen, mit meinen Schülern Badminton spielen und mit meiner Gastfamilie und deren Freunden in Karaokebars. Es ist immer was los, und es gab nicht viele Momente, in denen mir langweilig war." Die thailändische Kultur sei sehr vom Buddhismus geprägt. Ein wichtiger Satz ist "mai pen rai", was so viel bedeutet wie "macht nichts!". So ist die Mentalität in Thailand, erzählt Gabriela Zaiser, "dass man nicht unbedingt pünktlich sein muss, und wenn man zu spät kommt, heißt es eben mai pen rai. Außerdem sei "sabai" (Gelassenheit) sehr ausgeprägt. Nur nicht aufregen, es wird sich schon eine Lösung ergeben.
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