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Ein Schuljahr lang in Norwegen

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Geschrieben von: Fränkische Nachrichten   

Land und Leute: Katharina Mayer aus Hardheim ist bei einer Familie bei Stavanger zu Gast / Inzwischen gibt es kaum mehr Sprachschwierigkeiten

Die meisten Austauschschüler zieht es nach Australien oder in die USA. Katharina Mayer aus Hardheim hat sich da schon ein eher ungewöhnliches und selten nachgefragtes Land für ein Auslandsschuljahr ausgesucht: Die 16-jährige Schülerin des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Tauberbischofsheim ist seit etwa sieben Monaten in Norwegen. Wie es ihr bisher erging und welche Eindrücke sie in dieser Zeit sammeln konnte, davon berichtet die Elftklässlerin in einer ersten Zwischenbilanz.

"Das Ganze fing mit einer Informationsveranstaltung Ende der 9. Klasse an. Die ganze Stufe saß in der Mensa und lauschte den Erfahrungsberichten zweier Jugendlicher, die mit der Organisation American Field Service AFS (www.afs.de) ein Jahr im Ausland waren. So kam ich auf die Idee, auch in der 11. Klasse ins Ausland zu gehen."

Zunächst stand Katharina auf der Warteliste der Gesellschaft. Einen Platz in Südafrika lehnte sie aus Sicherheitsgründen ab. "Wieder war warten angesagt." Schließlich wurde ihr ein Platz in Norwegen angeboten: "Eltern, drei Töchter. Sie betreiben eine Hühnerfarm: Das waren so ziemlich die ersten Informationen, die ich über meine Gastfamilie in Julebygda (Weihnachtsdorf) erfahren habe." Katharina Mayer startete nach drei Wochen Sommerferien am 21. August 2009. Von Oslo führte der weitere Flug nach Sola nahe Stavanger, wo die Gastmutter und zwei der Gastschwestern Katharina in Empfang nahmen.

Auf den Einzug in den "Leiteveien" folgten viele Wochen des Heimwehs, das bis Weihnachten anhielt. Die Rückkehr nach Deutschland zur Beerdigung des Großvaters half dem Heimweh eher nicht, wie Katharina berichtet.

Aus persönlichen Gründen wechselte sie im Februar die Gastfamilie. "Ich hatte ein bisschen Angst, dass die Familie sauer werden würde. Aber als ich mit ihr darüber geredet habe, hat sie sehr verständnisvoll reagiert, was nicht unbedingt selbstverständlich ist."
Vier Stunden Norwegisch

Katharina besucht während ihres Auslandaufenthaltes die Videregående Skole ("weitergehende Schule") in Sandnes. Das ist die dritte Schule im norwegischen Schulsystem und umfasst die letzten drei Jahre, also die Klassen 11 bis 13. "Die zwei Dinge, die mir bisher die meisten Probleme verursacht haben, waren meine Fächerwahl und die Regelung mit Laptops in der Schule." Die Gastschülerin aus Deutschland hat jeweils fünf Stunden Mathematik, Physik, Biologie und Chemie, vier Stunden Französisch, vier Stunden Norwegisch, zwei Stunden Sport und zwei Stunden Geschichte, wobei die drei zuletzt genannten Pflichtfächer sind.

"Die Schule ist größtenteils langweilig und ermüdend", bedauert Katharina. "Meine Klassenkameraden sind zwar nett, waren aber lange ziemlich unzugänglich. Das liegt teilweise daran, dass die meisten Norweger recht lange brauchen, um aufzutauen. Aber sicher auch an der Tatsache, dass viele die Pausen (wie auch so manche Unterrichtsstunde) lieber damit verbringen, mit dem eigenen Laptop im Internet zu surfen.

Die meisten Referate werden natürlich mit Power-Point gemacht, solche altmodischen Dinge wie Tafel oder gar Tageslichtprojektor werden nur selten angerührt", schildert die Hardheimerin weiter. "Auch zu Hause ist es ein alltäglicher Anblick, dass alle mit ihrem Computer in ihren Zimmern sitzen. "Jede Schule und Universität hat hier ihren eigenen Account auf der Internetseite 'it's learning'. Dort haben alle Fächer einen eigenen Ordner, in die uns die Lehrer Bescheide über Hausaufgaben, Termine, Änderungen oder den Unterrichtsplan geben."

Ganz am Anfang war Englisch die Verständigungssprache. Nach und nach verstand Katharina, was die Leute um sie herum sagten. "Mit der Zeit lernte ich auch den Dialekt und etwa Mitte November sprach ich nur noch Norwegisch."

Nach den Osterferien stehen die Ganz- und Halbtagsarbeiten an, in denen alles abgefragt wird, was die Schüler seit Anfang des Schuljahres gelernt haben. Vor den großen Ferien folgt dann noch ein Examen über den Stoff des ganzen Jahres. "Der Schulerfolg in Norwegen ist sehr darauf aufgebaut, dass wir selber lernen und planen."

Über Neujahr war Katharina mit ihrer Gastschwester auf einer Freizeit in den Bergen. Schnee lag fast drei Monate lang. "Ein Rekord, denn normalerweise regnet es um Stavanger im Winter nur die meiste Zeit."

"Es ist hier übrigens auch sehr, sehr üblich, dass die meisten Schüler schon einen Job neben der Schule haben." Aus diesem Grund gibt Katharina einem Mädchen Querflötenunterricht.
Mit dem Skolekorps von Ganddal (vergleichbar einer Schulband) gestaltet die deutsche Gastschülerin Feiern und nahm sogar an Kreismeisterschaften teil, bei denen die Band in ihrem Schwierigkeitsgrad den 1. Platz belegte.
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