Das beste Jahr in unserem Leben |
| Geschrieben von: Nordsee Zeitung | |||
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Mitte. Am Anfang war alles neu, eine Abenteuerreise ins Ungewisse. Jetzt ist für André Salvador und Iago David vieles in der für sie zunächst fremden Stadt vertraut, mehr als ihnen vielleicht lieb ist. Der einjährige Aufenthalt der beiden Brasilianer in Bremerhaven nähert sich dem Ende. Sie besuchten das Schulzentrum Geschwister Scholl. Der Ferienbeginn läutet den Abschied von neuen Freunden und Gastfamilien ein. Am 10. Juli geht es zurück nach Lateinamerika. Als Iago David September 2009 nach zwölfstündigem Flug in Frankfurt ankam, bestand sein Vokabular aus „Guten Tag“. Nach einem Jahr in seiner Spadener Gastfamilie Neumann und Kontakten in der Schule kommen ihm die Worte leichter über die Lippen. Eigentlich wollte er nach Italien, erzählt der 18-Jährige. Dann habe es ihn nach Deutschland verschlagen. Sein Bruder hatte schon einen Gastaufenthalt im Land hinter sich. Auch André Salvadors älterer Bruder hatte Erfahrungen in Berlin gesammelt und geschwärmt. Daher stand für den 17-Jährigen fest: „Ich will nach Deutschland.“ In der Familie Keil in Lehe fand er ein Zuhause auf Zeit. Über die Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen kamen die beiden Brasilianer nach Bremerhaven. Sie kannten sich vorher nicht. André stammt aus der Millionenstadt São Paulo, Iagos Familie lebt in Vitória da Conquista, einer Großstadt im mittleren Süden Brasiliens. „Es war für die beiden ein harter Einstieg in den Schulalltag“, erinnert sich Ingrid Brunck-Weber. Die Lehrerin gehört zum Leitungsteam der Schollschule. Sie ist Ansprechpartnerin für Gastschüler. Die Brasilianer nahmen am Schulleben teil, konnten sich aber die Kurse aussuchen. „Ich hatte seit zwei Jahren Deutsch“, erzählt André, der in São Paulo eine deutsche Schule besucht. „Als mich die Leute hier ansprachen, dachte ich, es wäre eine ganz andere Sprache“, erinnert sich der 17-Jährige kopfschüttelnd. „Kein Problem“ war seine Antwort auf alles in den ersten Tagen. Probleme bereitete den Gastschülern die zurückhaltende Art. „Wir sind Latinos, wir brauchen Körperkontakt“, meint André. Mit ihrem offenen und herzlichen Wesen haben die Gastschüler schnell Anschluss gefunden. Nach wie vor Schwierigkeiten haben beide mit einer anderen deutschen Tugend – der Pünktlichkeit. „Das ist in Brasilien nicht so wichtig“, so André und Iago ergänzt: „Hier verpasst man den Bus, wenn man eine Minute zu spät ist.“ Für ihn war es schwer, ein Gefühl für die Zeit zu entwickeln. „Die Sonne steht anders am Himmel als in Brasilien.“ Mit gemischten Gefühlen sehen sie ihrem Abflug entgegen. „Wir haben so viel erlebt hier“, meint André. „Wir haben uns verändert und sind selbständig geworden.“ Iago bringt es auf den Punkt: „Dieses Jahr war das beste unseres Lebens.“ Von Frauke Engert
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