Mein erster Schultag |
| Geschrieben von: Dreingau Zeitung online | |||
DRENSTEINFURT/ZHAOQING Sina Höffmann ist erst 16 Jahre alt, doch auch in jungen Jahren kann man schon weit reisen und viel erleben. Die Schülerin hat von der Stiftung Mercator und dem Verein AFS Interkulturelle Begegnungen ein Stipendium für ein Schuljahr in China bekommen. Seit August lebt die Drensteinfurterin nun für zehn Monate bei ihrer Gastfamilie im Reich der Mitte. „Bis zum 1. September hatte ich eigentlich noch Ferien und somit Zeit, mich ein wenig an meine Gastfamilie, den Ort, das tolle Essen und das Wetter zu gewöhnen – das Klima hier ist subtropisch bis tropisch – und schon ein paar Leute kennenzulernen. Am Abend des 31. August ging dann aber auch für mich hier endgültig der Ernst des chinesischen Lebens los.57 neue Klassenkameraden Ja, am Abend, denn meine Schule ist unter der Woche ein Internat, und so fand ich mich um 19.05 Uhr leicht verwirrt zwischen meinen 57 neuen Klassenkameraden wieder – darunter auch meine Gastschwester –, die direkt zu Anfang des neuen Schuljahres Matheaufgaben lösen durften. Der Unterricht ging dann bis 22 Uhr weiter. Danach wusste ich gar nicht wie mir geschah, und um 22.30 Uhr fand ich mich plötzlich in meinem Bett in einem Achterzimmer wieder. Das Licht ging aus, und wie auf Knopfdruck war es mucksmäuschenstill. Ich merkte noch, wie eine Frauengestalt ihren Rundgang durch das Zimmer machte, und kurz darauf fiel ich völlig verwirrt, aber todmüde, in einen tiefen Schlaf. Interessanter als Mathe Morgens um 6 Uhr begann schließlich mit dem Läuten der Schulglocke mein erster Schultag. Wozu vorher keine Zeit war, wurde jetzt nachgeholt, und in jeder freien Sekunde konnte ich mich vor lauter Chinesen kaum retten, denn ich war definitiv interessanter als Mathe. Freunde zu finden, fällt mir hier also wirklich nicht besonders schwer, bei dem Andrang ist es nur eine Frage der Zeit, und alleine ist man hier sowieso nie. Der Tagesablauf ist hart, für meine Mitschüler natürlich noch viel härter als für mich, da ich lediglich nachmittags Chinesisch-Unterricht habe und den Rest des Tages im Unterricht machen kann, was ich will – unter anderem auch schlafen. Ich bewundere meine Freunde hier jeden Tag aufs neue und bin ihnen umso mehr dankbar, dass sie tatsächlich immer noch Zeit finden, mir zu helfen. Auch nach zwei Monaten treffe ich hier noch täglich neue Leute, mittlerweile ist es schon manchmal etwas anstrengend, die Hauptattraktion der Schule zu sein – aber das gehört wohl einfach dazu. Verschobenes Wochenende Am 22. September war das Mondfest, ein wichtiger chinesischer Feiertag, dem wir insgesamt drei „freie" Tage zu verdanken hatten, allerdings versteht man hier darunter eher ein verschobenes Wochenende, und deshalb saß ich am Samstag schon wieder in der Schule. Am 1. Oktober war allerdings schon der nächste Feiertag, der chinesische Nationalfeiertag, zu dem es dann eine Woche richtig Ferien gab. Nun, schon seit etwas längerer Zeit habe ich mich hier wirklich gut eingelebt, das Leben hier ist für mich mittlerweile schon sowas wie mein neuer Alltag, und trotzdem entdeckt man jeden Tag noch etwas Neues. Die Mentalität ist manchmal etwas anstrengend, weil das Zwischenmenschliche hier ganz anders abläuft. Jeder Tag bringt immer wieder neue Überraschungen und auch mal kleine Probleme mit sich, aber ich bin froh, beide Seiten erleben zu dürfen – denn wenn ich China in einem Wort beschreiben müsste, wäre das ‚vielseitig‘."-cxn
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