AFS Schüleraustausch Presseservice

Pünktlichkeit, Ordnung und Kochkäse

Schüleraustausch: Die junge Thailänderin „Fong“ hat in Heppenheim jede Menge neue Eindrücke gesammelt

Sie kam in die Kälte und bald flieht sie aus der Kälte. Seit knapp einem Jahr lebt die 17 Jahre alte Thailänderin Tanapan Pornpiboonyos, genannt Fong, in Deutschland, in Heppenheim bei der Familie Kögel in der Bahnhofstraße.

Sie ist Austauschschülerin der weltumspannenden Organisation „AFS - American Field Service“. Die deutsche Zweigstelle mit Sitz in Wiesbaden nennt sich „Interkulturelle Begegnungen“. Die Tochter der Gastfamilie, die 19 Jahre alte Lena, war selbst ein Jahr lang mit AFS in Peru, Sie war von ihren Erfahrungen so angetan, dass sich nun auch ihre Eltern dazu bereit erklärten, ein Mädchen aus einem anderen Kontinent für ein Jahr bei sich aufzunehmen und Gastfamilie zu sein.

Fong wohnt in Bangkok, der Hauptstadt und Metropole Thailands. Sie flog im vergangenen Februar über Abu Dhabi nach Frankfurt, wurde von ihrer Gastfamilie abgeholt und erlebte in Heppenheim, abgesehen von den kalten Temperaturen, „völlig neue Eindrücke“. Gefallen hat hier vor allem die Natur in der Umgebung, wie sie sagt. Aus Bangkok kennt sie fast nur Beton und Häuserschluchten.

Auch andere Gewohnheiten in Deutschland hat sie mittlerweile schätzen gelernt, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, aber auch die Küche: „Ich liebe Bratkartoffeln. Aber auch Kochkäs' schmeckt mir sehr gut“, sagt der Teenager aus Südostasien. Zu Hause isst sie als Grundnahrungsmittel vor allem Reis.

Willkommen und aufgenommen fühlt sie sich in ihrer Gastfamilie und in der Schule. Sie besucht die zehnte Klasse des Goethe-Gymnasiums in Bensheim. Hausaufgaben muss sie nur in den Fächern machen, in denen sie auch dem Unterricht folgen kann, wie in Mathematik oder Englisch.

Deutsch in der zehnten Klasse eines deutschen Gymnasiums ist ihr noch zu schwer, zumal sie vor ihrem Deutschland-Aufenthalt gerade mal einen Deutschkurs in Thailand absolviert hat, wie sie gesteht. Aber mit der Verständigung klappt es schon sehr gut, wenn die deutschen Ansprechpartner langsam und deutlich reden.

Eine Abendgestaltung in Kneipen liegt ihr gar nicht: „Ich trinke nicht“, schwört sie dem Alkohol ab. Sie habe mal hier und dort an einem Glas genippt, aber das hat ihr nicht geschmeckt. Mit ihrer Gastschule hat sie dagegen schon zweimal die Alte Oper in Frankfurt zu klassischen Konzerten besucht: „Das hat mit sehr gut gefallen. Ich liebe Musik, insbesondere aber aktuelle thailändische Hits“, erzählt sie.

Den Trubel, der hierzulande an Weihnachten herrscht, kann sie sehr gut nachvollziehen: „Die Leute hier sind Christen und sie feiern Christi Geburt.“ Das wirft bei ihr keinerlei Fragen auf. Sie selbst ist wie in ihrem Lande üblich bekennende Budd histin.

An einem Tag im Jahr wird in ihrem Heimatland ein großes Fest für Buddha gefeiert, für seinen Geburts- und Todestag gleichzeitig. Das Datum richtet sich nach dem Mondkalender. Mehrmals habe sie auch während ihres Aufenthaltes in Heppenheim einen Tempel in Wiesbaden besucht. Und ihre Gastfamilie hat eigens einen kleinen Buddha im Wohnzimmer aufgestellt, damit sich Fong ein wenig heimischer fühlt.

Denn manchmal überkommt sie doch die Sehnsucht nach ihrer Heimat, nach Mutter, Bruder und den Freunden, gesteht sie dazu. Den Aufenthalt in Deutschland möchte sie aber nicht missen: „Ich habe viele Menschen getroffen, eine neue Sprache gelernt und das erste Mal in meinem Leben Schnee gesehen.“

Am 8. Januar startet ihr Rückflug nach Bangkok, wieder über Abu Dhabi. Dann entflieht sie der Kälte - der Wärme Bangkoks entgegen.

Von Michael Kochendörfer