AFS Schüleraustausch Presseservice
Startseite Presseservice Medienarchiv Drei Kilo Haribo im Koffer

Drei Kilo Haribo im Koffer

Geschrieben von: Kreiszeitung   
Morsum - (sp/ha) · Weihnachten im Schnee bei minus zehn Grad, während die eigene Familie gerade den Hochsommer genießt. Dieses Erlebnis genießt Lucie Trillini aus Argentinien gerade zum ersten Mal bei Familie Goldschmidt in Morsum. Und den Weihnachtsmann hat sie auch zum ersten Mal „live“ gesehen.

„Oh mein Gott“, waren ihre Worte, als der Weihnachtsmann am Heiligabend höchstpersönlich vor ihr stand. Zwar wird in auch Argentinien Weihnachten gefeiert, aber eben anders. Dort trifft sich die Familie abends zum gemeinsamen Essen und um 24 Uhr gibt es ein Feuerwerk. Währenddessen legt der Weihnachtsmann die Geschenke unter den Tisch.

„Ich glaube, bei uns zu Hause in Argentinien würde niemand bei den sommerlichen Temperaturen in ein Weihnachtsmannkostüm schlüpfen“, meint die Austauschschülerin.

Für die Goldschmidt-Kinder und für mich war es jedenfalls ein tolles Erlebnis“, resümierte Lucie am zweiten Weihnachtstag. Die 18-jährige Südamerikanerin ist seit Februar dieses Jahres in Morsum. Die Organisation AFS sucht Gastfamilien, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen, um ausländische Schülerinnen und Schüler aufzunehmen. Dort hatte sich Familie Goldschmidt beworben, und aus den vielen Bewerbern fiel die Wahl auf Lucie aus Argentinien.

Nach Deutschland wollte Lucie, die italienische Vorfahren hat, eigentlich gar nicht. Australien oder Neuseeland sollten es sein, um ihr Englisch aufzubessern. „Es war schon ein Schock für mich als ich erfuhr, es geht nach Deutschland. Ich konnte kein einziges Wort Deutsch, Deutschland war für mich quasi dritte Wahl – und dann das“, erinnerte sich die hübsche Argentinierin.

Aber jetzt, drei Wochen bevor es wieder in die Heimat zurück geht, hört sich die ganze Sache schon ganz anders an: „So ein Glück“. Sie spricht inzwischen fast fließend Deutsch und fühlt sich richtig Wohl in Deutschland. Nebenbei hat sie auch noch eine Menge in ihrem Gastland gesehen, die Kultur erkundet und einige Nachbarländern kennengelernt.

Lucie, die aus einem kleinen Dorf in der Provinz Cordoba stammt, die im zentralen Argentinien liegt, erzählt von den anfänglichen sprachlichen Schwierigkeiten, und wie ihr Swea Wulfers am Domgymnasium und vor allem die Goldschmidtkinder geholfen haben. „Wir als Gasteltern haben anfänglich auf englisch mit ihr kommuniziert, aber unsere vier- und sechsjährigen Kinder können eben noch kein Englisch“, erzählt Marc Goldschmidt. Und so war Lucie gezwungen, Deutsch zu sprechen. „Mit Zettelchen, überall in der Wohnung verteilt, haben wir ihr die Dinge des täglichen Gebrauchs zu erklären versucht – und es hat geklappt“, sagt Ivonne.

Lucie erinnert sich: „Als Finn-Luca eines Tages bei mir ankam und sagte: Mir ist langweilig, wusste ich nicht was das ist“. Heute ist Lucie so etwas wie die große Schwester der Kinder.

„Was nimmt du aus Deutschland mit nach Hause?“ Die spontane Antwort: „Mindestens drei Kilo Haribo, die gibt es bei uns nämlich nicht.“ Und Ivonne meint: „In einen Koffer werden ihre Klamotten bestimmt nicht passen.“ Die Argentinierin war schließlich nicht ganz auf die kalte Jahreszeit eingestellt.

Wenn es in drei Wochen heißt, Abschied zu nehmen, werden bestimmt Tränen fließen. Doch ein Wiedersehen ist geplant. Familie Goldschmidt wird 2014 zur Fußball-WM nach Brasilien fahren und diese Reise mit einem einwöchigen Aufenthalt in Argentinien verbinden.
Drucken E-Mail