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Das Weiße Haus, die DDR und der Mut

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Geschrieben von: Lausitzer Rundschau   
US-Austauschschülerin berichtet über ihr Leben in Spremberg
Ob sie aus Salvador da Bahia oder Maryland kommen, von Spremberg nach St. Peterburg oder Pennsylvania gehen – Schüleraustausch gehört im Erwin-Strittmatter-Gymnasium zum Alltag. Derzeit verbessert hier Danielle Smith ihr Deutsch.


Die Schüler im Erwin-Strittmatter-Gymnasium können es kaum fassen. Danielle Smith reicht einen Vortrag herum. Unten auf dem Blatt ist ein Foto von ihr: Sie hat Tränen in den Augen, und US-Präsident Barack Obama reicht ihr die Hand. Danielle ist in ihrer Heimat Amerika eine sehr engagierte Aktivistin, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Deswegen wurde sie ins Weiße Haus eingeladen und hatte die Möglichkeit, den amerikanischen Präsidenten zu treffen. Derzeit wohnt Danielle Smith in Spremberg.

Mit einem Stipendium

Die 18-Jährige ist Austauschschülerin und kommt aus Bowdoin, einer kleinen Stadt in Maine/USA. Seit dem 13. September geht sie in die Klasse 12-1 des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums in Spremberg. Eigentlich wollte Danielle nach der Highschool studieren, aber dann fand sie zum »Congress-Bundestag Youth Exchange Scholarship«, mit dem für sie ein aufregendes Austauschjahr in Deutschland begann. Das ist ein Stipendium, das vom amerikanischen Kongress und vom Deutschen Bundestag gefördert wird und Jugendlichen hilft, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Am 10. September holten sie ihre Gasteltern Ramona und Jörg Soyka in Berlin ab.

»Nein. Ich hatte keine Ahnung, wo genau ich leben werde. Aber ich wollte unbedingt in den Teil Deutschlands, der mal zur DDR gehörte. Mit ihr hatte ich mich schon im Geschichtsunterricht beschäftigt«, erzählt Danielle, »die Leute hier sind so toll. Spremberg ist genau richtig für mich.« Regelmäßig telefoniert sie mit ihrer Familie und mit Freunden. Außerdem führt sie im Internet einen Blog, wo sie ihre Erlebnisse in Deutschland wie in einem Tagebuch festhält.

Kaum Zeit für Heimweh

Zeit für Heimweh habe sie kaum. Sie schwimmt, macht Yoga und geht ins Fitnesscenter. Am Wochenende trifft sie sich oft mit Schulfreunden. Dann gehen sie ins Kino, Eis essen oder spazieren durch Spremberg. Regelmäßig besucht sie auch die Treffen ihrer Austauschorganisation American Field Service (AFS), wo sie Austauschschüler aus der ganzen Welt trifft.

Deutschland ist nicht neu für Danielle. Bereits in der 11. Klasse nutzte sie ein Angebot ihrer Schule, nach Deutschland zu reisen und einige bekannte Städte zu besichtigen. Da schon stand für sie fest, dass sie Deutschland noch einmal besuchen möchte. Bevor ihr Austauschjahr begann, recherchierte sie im Internet und las viele Erfahrungsberichte anderer Austauschschüler, um sich auf das Jahr vorzubereiten. »Aber natürlich hat jeder andere Erfahrungen gemacht. Es sind immer die Kleinigkeiten, die anders sind.« Kleinigkeiten wie die gemeinsame Zeit mit ihrer Gastfamilie, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren oder dass die Wäsche auf der Leine getrocknet wird und nicht im Trockner. »Jetzt ist das alles normal, aber am Anfang war es neu für mich. Ich finde alles toll, außer die offenen Fenster in der Schule, wenn es zu warm wird im Raum«, sagt sie und lacht.

Etwas weniger perfekt

Vor ihrer Ankunft in Deutschland hatte sie versucht, keine großen Erwartungen aufzubauen. »So konnte ich auch nicht enttäuscht werden. Natürlich will ich richtig Deutsch lernen, neue Freunde finden und ein gutes Verhältnis zu meiner Gastfamilie haben. Und ich will unabhängiger, selbstbewusster und mutiger werden. Ich habe mich schon ein bisschen verändert, bin keine Perfektionistin mehr«, sagt Danielle. Sie will jetzt mit ihren kleinen Fehlern leben. Die amerikanische Kultur sei manchmal sehr individualistisch, findet sie - »aber ich beschäftige mich jetzt gern mit meiner Gastfamilie und helfe mit im Haushalt.«

Von Linda Koinzer
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