AFS Schüleraustausch Presseservice

Vom Alltag in Darmstadt und China

American Field Service: Drei Schüler aus China sind derzeit bei deutschen Familien zu Gast - „Eine wahre Bereicherung“

Qiuhong hat gekocht. Chinesisch. Denn die Fünfzehnjährige, die derzeit zu Gast bei einer Darmstädter Familie ist, kommt aus Xi'an, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi. Mit ihrer speziellen Tofu-Rindfleisch-Ei-Suppe kredenzt sie ihren neuen Freunden eine einheimische Spezialität. Dandi (15), der mit seiner Gastmutter Bärbel Fox-Kleinig sowie deren Sohn Christoph die Suppe kostet, lacht und sagt etwas in Richtung Qiuhong. Weil das nicht jeder versteht, tut er schließlich in Englisch kund, dass normalerweise Hühnchen in die Suppe gehöre. Auch Qiuhong muss kichern.

Rund um den langen Tisch in der Wohnung mit einzigartigem Blick auf Hochzeitsturm und Russischer Kapelle sitzen noch Le (17), ihr Gastvater Felix Tomys, die Betreuerinnen Clara und Hannah, beide 15 Jahre alt, sowie Jutta Zörb-Arnoldi vom American Field Service (AFS), einer der weltweit größten und ältesten Jugendaustauschorganisationen.

Drei Chinesen betreut der AFS in Kooperation mit dem Goethe-Institut während ihrer rund acht Wochen in Darmstadt. Eine aufregende Zeit: Nicht nur für die ausländischen Jugendlichen, sondern auch für die hiesigen sowie deren Eltern.
Denn ein neues Familienmitglied aufzunehmen sei „eine große Herausforderung“, meint Gastvater Felix Tomys. Schließlich habe jede Familie eigene Regeln. Riten und Gesten könnten schnell missverstanden werden. „Man ist schon vorsichtig, schnell ist man ins Fettnäpfchen getreten.“ Der Elftklässler Julian, der Austauschbruder von Qiuhong ist und der ihr noch in diesem Jahr einen Gegenbesuch in China abstatten wird, schwärmt von seinem Gast: „Sie ist eine wahre Bereicherung für uns. Wir lernen viel von ihr über ihre Kultur.“ Qiuhong sei eine lustige Person und besuche mit ihm die Bertolt-Brecht-Schule. „Neulich beim Mathetest war sie Klassenbeste, obwohl sie erst in der zehnten ist.“ Die Schule, sagen alle Chinesen unisono, sei hier „viel einfacher und lockerer“. Zuhause sitzen sie in Klassen mit etwa 60 Schülern und verbringen den ganzen Tag dort. „Hier hat man mehr Freizeit“, betont Dandi. Dennoch missfiel seinen Gasteltern, dass er am Anfang fast nur am PC saß, vor allem auch nachts. „Das mussten wir einschränken“, gesteht Bärbel Fox-Kleinig ein.

Der Austausch, findet Dandi, sei eine gute Möglichkeit, die deutsche Kultur kennen und auch Deutsch zu lernen. „Aber es ist eine schwere Sprache.“ Die Gasteltern geben sich Mühe, dass die Schüler auch einiges sehen. Sie fahren mit ihnen nach Frankfurt, zeigen ihnen Museen, den Zoo, die Paulskirche. Ein Kurztrip nach Berlin ist ebenso geplant wie zum Karneval nach Köln.
Von Darmstadt kennen sie verschiedene Schulen, die Mathildenhöhe sowie den Luisenplatz. „Shoppen gehen“ mögen vor allem die Mädchen gern. Julian ist schon sehr gespannt auf China, er wird dann vor Ort sehen, „wie in Xi'an so der Hase läuft“. Im Reisefieber sind auch Clara und Hannah: Die beiden verlassen die Heinerstadt, um für ein ganzes Jahr neue Eindrücke im Ausland zu sammeln. Clara zieht es in die Türkei, Hannah nach Argentinien.