Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium

MEXIKO: Ein Land mit unglaublich tollen Menschen

Am 20. August startete ich meinen Auslandsaufenthalt in Mexiko. Mein erster Eindruck von Mexiko war, dass die Menschen alle sehr offen und gastfreundlich sind. Man wird überall sehr herzlich empfangen und es ist einfach Fuß zu fassen. Außerdem fällt vor allem die Atem beraubende Landschaft auf, von wunderschönen Gebirgszügen und viel Schnee im Norden bis zu Traumstränden und viel Hitze im Süden, ist in Mexiko Alles zu finden. Die offenen Menschen überraschen mich jeden Tag aufs Neue und auch die tolle Landschaft kann man jeden Tag wieder genießen, diese ist mittlerweile jedoch schon sehr ins „Alltagsbild“ übergegangen.

Ich lebe im Süden Mexikos, im Staat Oaxaca. Mit konstanten Temperaturen um die 30°C ist es immer gut auszuhalten. Im April, Mai und Juni wird es doch schon eine ganze Ecke heißer, die Temperaturen steigen auf bis zu 45°C an. Dieses Klima ist für die Bewohner hier völlig normal und schon bei 20°C in der Nacht ist es wirklich kalt.

Mexikanisches Essen

Das mexikanische Essen ist sehr lecker aber in erster Linie scharf. Ich habe noch kein Gericht gegessen, das nicht mit Chili gekocht oder spätestens beim Servieren mit Chili geschärft wurde. Außerdem wird wirklich Alles gegessen, bei einem Rind beispielsweise wird fast nichts zurück gelassen. Augen, Hirn und Kopffleisch werden traditionell als Tacco gegessen, Füße, Därme und Magen werden oft zu Suppen verarbeitet und vor Allem zum Frühstück gegessen. Vor Allem die Schärfe das Essens schlägt in den ersten Tagen und Wochen schon ein wenig auf den Magen, man gewöhnt sich dennoch schnell ans scharfe Essen und tastet sich langsam an schärfere Gerichte ran.

Mentalität und Lebensart

An die mexikanische Mentalität muss man sich ein wenig gewöhnen, fällt uns meist sehr korrekten und vor allem pünktlichen Deutschen nicht immer leicht, aber es klappt. Es wird einfach alles viel lockerer genommen und MEX_Victor_Pazifikstrand_72dpisich nur halb so viel aufgeregt wie in Deutschland. Kilometer lange Staus, weil einige Arbeiter die Straßen sperren, um ihre Arbeitgeber in ihrer Zahlungsmoral unter Druck zu setzen, ist kein Grund sich aufzuregen. Das Essens und Getränkeauto kommt bestimmt bald und dann gehen die Stunden ja auch schnell um. Im Gegensatz dazu habe ich noch nie erlebt, dass die Autohupe so viel genutzt wird. Es wird einfach für alles gehupt, völlig egal wie spät und wo es ist. Die berüchtigte mexikanische Unpünktlichkeit kann ich nur bestätigen. Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man um eine halbe Stunde oder auch mehr versetzt wird. Zuverlässige und pünktliche Mexikaner sind eher eine Seltenheit und werden meist von vielen Anderen bewundert. An den mexikanischen Lebensstil kann man sich relativ schnell gewöhnen, wenn dies einmal gelungen ist fällt das Leben hier noch viel einfacher. Umstellen musste ich mich nicht großartig, es ist ziemlich einfach alles ein wenig lockerer zu sehen und sich auf Wartezeiten einzustellen.

Feiern und Familie

Völlig neu fMEX_Victor_Fiesta_72dpiür mich waren aber auch die vielen Feiern. Ich meine nicht, dass in Deutschland nicht gefeiert wird, sondern eher wie viel gefeiert wird. Es gibt Wochen, da ist man an jedem Wochentag auf einer Feier eingeladen. Da Pünktlichkeit in den meisten Schulen ebenfalls nicht so groß geschrieben wird, nehmen sich die mexikanischen Schüler auch in der Wochen beim Feiern auf keinen Fall zurück.

Ebenfalls neu, war das mexikanische Familienleben. Mexikanische Familien sind im Allgemeinen sehr groß und man kennt fast jedes Mitglied der Familie. Die Freundin meines Cousins ist zum Beispiel auch sofort meine Cousine und man wird auch mit den Tanten seiner Cousins bekannt gemacht, diese würden zum Beispiel in Deutschland meist gar nicht mehr zur Familie gezählt, weil man sie in die meisten Fällen nicht einmal kennt. Die Familie ist allen Mexikaner sehr wichtig und steht an erster Stelle, Geburtstage, Weihnachten, Silvester, Neujahr und alle restlichen Feiertage im Jahr werden sehr familiär und traditionell abgehalten.

Spanisch und der erste Schultag

Es macht mir viel Spaß Spanisch als eine für mich neue Sprache zu lernen. Die Sprache gefällt mir sehr gut hat aber vor allem wegen vieler Zweideutigkeiten auch so seine Tücken. Natürlich ist es die ersten Wochen nicht leicht überhaupt zu kommunizieren, das Englisch ist vor allem hier im Süden sehr schlecht. Das Schöne und immer wieder Motivierende ist aber, das wirklich jeder versucht hat immer wieder mit mir zu sprechen. Auch wenn dies die ersten Tage und Wochen sehr schwierig und Nerven aufreibend war.MEX_Victor_Klassenzimmer_72dpi

Als besonders tolles Erlebnis habe ich vor allem meinen ersten Schultag in Erinnerung, ich bin schon einmal während meiner Schulzeit in Deutschland umgezogen, und weiß also wie es ist völlig neu zu sein auch wenn alle Anderen sich schon kennen. Ich wurde total herzlich von Allen aufgenommen und war natürlich erst mal total interessant, als Blonder mit einem grünen T-Shirt unter 500 schwarz haarigen mit weißer Schuluniform war schon ein Abenteuer. Schade war in den ersten Tagen, dass ich auf die vielen Fragen von Allen nicht antworten konnte. Es hat richtig Spaß gemacht zu sehen, wie auch alle Anderen sich darüber freuen, dass ich hier bin.

Nationalstolz

Außerdem sehr schön aber auch sehr neu ist für mich ist der allgemeine mexikanische Nationalstolz. An Nationalfeiertagen feiert hier wirklich ganz Mexiko. Den 15. September habe ich hier schon erlebt und ausgerechnet im letzten Jahr konnten die Mexikaner 200 Jahre Unabhängigkeit feiern, ich glaube ich habe noch nie eine solche Stimmung erlebt und werde sie wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder erleben. Es war ein tolles Erlebnis tausende fröhliche und stolze Mexikaner feiern zu sehen und jetzt Teil dieses Landes sein zu dürfen.

In der Freizeit

Im MoMEX_Victor_Hngematte_72dpiment, lerne ich mexikanische Hängematten herzustellen. Es ist eine spezielle Technik, die die Hängematten sehr bequem, langlebig und tragkräftig macht. Es macht Spaß, einen weiteren Teil der Kultur dieses Landes kennen zu lernen. Vor allem hier in der Stadt in der ich lebe, sind diese Hängematten Teil der Kultur. Sehr viele Menschen schlafen immer in Hängematten und ebenfalls sehr viele stellen diese in mühevoller und vor allem zeitintensiver Handarbeit her.

Mexikanische Jugendliche machen hier in ihrer Freizeit in erster Linie was für die Schule. Außerdem wird viel Sport gemacht, hier bietet sich schwimmen im Pazifik, Fußball und Beachvolleyball sehr an. Auf Grund der vielen Feiern, ist man eigentlich immer unter Freunden. Wenn mal keine Feier ansteht, trifft man sich aber natürlich auch so mit Freunden und unternimmt etwas.

Allen zukünftigen Gastschülern in Mexiko kann ich nur mit auf den Weg geben: Werdet ganz schnell Teil dieses tollen und unbeschreiblichen Landes. Es ist viel einfacher, wenn ihr nicht darüber nachdenkt, wie neu doch alles ist sondern eher darüber nachdenkt, was ihr in eurem neuen Land noch alles entdecken könnt. Versucht schnell euch die mexikanische Denkweise ein wenig anzueignen und werdet ein Stück weit mexikanisch. Mexiko ist ein unglaublich kulturelles Land mit unbeschreiblich tollen Menschen!