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BRASILIEN: Nur Bohnen und Samba?

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Geschrieben von: Leontina, Brasilien 2008/09   

Nun ist es über ein Jahr her, dass ich mir diese und viele andere Fragen gestellt habe. Das alles vor meiner Abreise in das unbekannte aber mich magisch anziehende Brasilien. Wie mag es da wohl sein und wie wird es mich aufnehmen? Seit einigen Wochen bin ich zurück in Deutschland, das so anders ist als mein geliebtes Floripa. Es schnürt mir den Hals zu und treibt mir Tränen in die Augen, da ich weiß, dass es vorbei ist. Das Jahr am Meer voller Abenteuer, Freude und Lachen mit tollen Menschen, aber auch Weinen und Traurigkeit wegen nicht so toller Menschen. Brasilien ist also mehr als nur der Zuckerhut, Samba und knappe Bikinis.Ich kann mich immer noch nicht mit dem Gedanken abfinden, dass mein Austauschjahr jetzt zu Ende ist. Viel zu schnell verging diese Zeit. Noch sehr gut erinnere ich mich an den Tag, an dem ich meine abenteuerliche Reise angetreten habe: neugierig, aufgeregt, voller Erwartungen aber auch ängstlich. Täglich spüre ich die Sehnsucht nach Brasilien und nach meiner Gastfamilie, die einfach wie eine zweite Familie wurde. Genauso nach dem Land und all seinen Reizen, welches ich nun voller Stolz als meine zweite Heimat bezeichne.

Ich erinnere mich noch an den Abschied von meiner Familie hier in Deutschland vor über einem Jahr. Er fiel mir, zu meiner Verwunderung, nicht so schwer. Wohl deshalb, weil ich es damals kaum erwarten konnte, endlich nach Brasilien zu fliegen und auf alle Fragen, die ich mir stellte eine Antwort zu finden. Die Vorfreude war wohl größer, als die Tatsache meine Lieben hier ein Jahr nicht zu sehen. Der Abschied von meiner Familie und Freunden in Brasilien fiel mir um einiges schwerer.

Meine zweite Gastfamilie ist mir in den 8 Monaten richtig ans Herz gewachsen und wir haben viele schöne Dinge miteinander erlebt. Zu Anfang war meine Gastfamilie eine andere. Anfänglich dachte ich noch es seien einfach nur Startschwierigkeiten mich einzuleben und in das Familienleben einzufügen. Aber es wurde mit der Zeit immer schwieriger und wir verstanden uns immer weniger. Daher entschloss ich mich die Gastfamilie zu tauschen. Aber wohin sollte ich? Meine Rettung war die Familie meiner Freundin und Mitschülerin welche mir in der Schule auch als Vertrauens- und Hilfsperson eingeteilt wurde. Nach tiefgründigen Gesprächen mit ihren Eltern, boten diese mir an mich aufzunehmen und die ganzen anfallenden Formalitäten bei AFS zu erledigen.

Die Jahreswende verbrachte ich dann mit meiner älteren Gastschwester und verlebte ein unvergessliches Silvester am Strand. Carnaval war auch ein fantastisches Erlebnis, welches ich sicher nicht so leicht vergessen werde. Wunderschöne Zeiten verbrachte ich auch mit AFSern aus aller Welt, die ich bei den Orientierungswochenenden kennenlernte. Wir besuchten uns gegenseitig und zeigten einander die Reize unserer Städte.

Es ergab sich die Möglichkeit an einem Mini-Austausch in Rio de Janeiro teilzunehmen und nach einigen Tagen fand mein Komitee auch schon eine Familie, die sich anbot mich zu beherbergen und mir ihre schöne Stadt zu zeigen.
Ich wusste nicht was mich erwartete und befand mich ein wenig wie ganz am Anfang meines Austausches, bis auf die Tatsache, dass ich nun portugiesisch sprach. Die Familie in Rio war jedoch toll und ich lernte Freunde meiner Gastgeschwister kennen, welche ich auch in mein Herz schloss. Ich verbrachte nur eine knappe Woche mit ihnen, kann aber behaupten gute Freunde fürs Leben gefunden zu haben. Das ist eines der vielen Reize brasilianischen Charakters und Temperamentes, denn schon nach kürzester Zeit fühlt man sich geborgen und aufgenommen. Natürlich war es auch traurig den großen Unterschied von Arm und Reich zu sehen, welcher so unvorstellbar nah beieinander liegt. Alles in allem jedoch, fasziniert mich diese Stadt und vor allem dieses Land, welches ich jederzeit gerne wieder besuchen würde.

Ich bedanke mich bei Ihnen für die Ermöglichung meines Traumes Brasilien auf diese Art und Weise kennen zu lernen. In diesem Jahr änderte sich vieles in meinem Leben in Deutschland. Auch wenn es in Deutschland negative Veränderungen gab, bereue ich keineswegs meinen Austausch und hätte mich auch nie dagegen entschieden - wohl wissend es würde diese Veränderungen geben. Hätte ich die Möglichkeit, einen weiteren Austausch zu machen, würde ich ihn ohne weiteres antreten. Ich habe in diesem Jahr sehr viel gelernt und Freunde fürs Leben gewonnen. Ohne das verliehene Stipendium, hätte ich all diese mir wichtigen Erfahrungen nicht gehabt und hätte nicht so eine wundervolle, unersetzbare Erfahrung erlebt.

Leontina, Brasilien 2008/09

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