Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium
Startseite Schüleraustausch Erfahrungsberichte USA: Dieses Jahr hat mir die Tür zu einer anderen Welt geöffnet

USA: Dieses Jahr hat mir die Tür zu einer anderen Welt geöffnet

( 10 Bewertungen für diese Seite )
Geschrieben von: Josephine, USA 2008/09   

Als ich mich bei AFS beworben habe, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich wirklich eines Tages ein Jahr in einem anderen Land verbringen würde. Aber am 12.08.2008 war es dann tatsächlich so weit: Ich ging für 10,5 Monate nach Austin, Texas, USA. Schon Nächte davor konnte ich nicht schlafen. Ich fragte mich, wie es wohl sein würde, für knapp ein Jahr bei völlig fremden Menschen zu wohnen, die ich nur durch Emails und Telefonate kannte.

Am 13.08. landete ich dann mit anderen AFSern in Houston, Texas. Schon als wir aus dem Flugzeug ausstiegen, spürten wir den enormen Temperaturunterschied von gefühlten 30 Grad. Die anschließende Nacht verbrachten wir noch alle gemeinsam im Hotel, am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen für eine ungewisse Zeit und alle warteten angespannt auf die Ankunft der Gasteltern. Dann war der Zeitpunkt gekommen: Katja und Isaac, meine neuen „Eltern“, standen endlich vor mir. Es war eine herzliche Begrüßung, wir umarmten uns und ich war heilfroh, dass wir sehr locker und auf freundschaftlicher Basis miteinander umgingen. Selbst im Auto entstanden keine peinlichen Pausen. Wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge. Als ich das erste Mal „mein“ neues Heim betrat, war es ein unbeschreibliches Gefühl. Alles war sehr warm und farbenfroh eingerichtet und ich fühlte mich gleich willkommen. Ich freute mich tierisch, ihre Hunde Bailey und Emmi kennen zu lernen, da ich selbst mit Hunden aufgewachsen bin. Auch die beiden Katzen Loki und Dori schloss ich sofort in mein Herz. Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich so ein Glück hatte, zu Katja und Isaac zu kommen. Beide sind sehr herzlich, amüsant und auch erst 29 Jahre alt (-: Wir unternahmen so viele Dinge in den ersten Tagen, da wir diese noch ausnutzen wollten, bevor die Schule startete.

Bereits am vierten Tag fuhren wir nach Tahlequah, Oklahoma, um Isaacs Papa, seine Stiefmama und seinen Bruder zu besuchen. Isaacs Papa lebt etwas abgeschieden von der Zivilisation, in einem gemütlichen Häuschen. Somit hatte ich gleich am Anfang meines Jahres die Chance, einen ganz anderen Einblick von Amerika zu erhalten. Sein Vater nahm mich auf eine Tour mit seinem Motorrad mit, sodass ich die schöne Natur von Oklahoma entdecken konnte, welche so viel anders ist als die von Texas. Ein anderes unvergessliches Erlebnis war das Rafting auf einem wilden Fluss in der Wildnis von Oklahoma, mit schnellen Strömungen und kleinen Wasserfällen. Dies war eine ganz neue Erfahrung für mich und es hat jede Menge Spaß gemacht. Als wir wieder in Austin ankamen, musste Isaac leider wieder arbeiten (er arbeitet als Ingenieur auf einem Ölfeld). Katja und ich unternahmen trotzdem noch sehr viele Ausflüge, unter anderem besuchten wir eine Tropfsteinhöhle mit wilden Fledermäusen oder fuhren nach San Antonio, um den bekannten Alamo und den Riverwalk zu besichtigen.

Am 26. August fing dann die Schule an. Ich war sehr aufgeregt, denn ich wusste dass es eine große Umstellung im Gegensatz zur deutschen Schule werden würde. Round Rock Highschool, welche ich besuche, umfasst ca. 2500 Schüler und bietet ein enormes Angebot an Fächern an. Während der ersten Woche hatte ich schon einige Probleme, meine Klassenräume zu finden, aber mittlerweile habe ich mich voll an die Schule gewöhnt und finde sie um Welten besser als meine deutsche. Ich belege die Fächer Soccer, Algebra 2, English 3, Journalism, American History, Psychology und Pre AP Biology. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist viel freundschaftlicher, man erzählt sich gegenseitig etwas aus seinem Privatleben und interessiert sich füreinander. Durch die Schule fühlt man sich als ein Part von Amerika, man wird bei Schulentscheidungen miteinbezogen und vertritt die Schule bei Wettkämpfen.

Am Anfang war es etwas schwer für mich, auf Menschen zuzugehen, aber mittlerweile habe ich damit fast keine Probleme mehr. Mitte Oktober flogen Katja und ich nach Washington State, um Isaacs Mama zu besuchen. Washington State spiegelt das wieder, was man sich unter Amerika vorstellt. Es gibt viele dieser 1000-Seelen-Orte mit kleinen Bars und Restaurants, die auch bei amerikanischen Filmen öfters zum Einsatz kommen. Die Natur von Washington ist einfach nur unbeschreiblich: Es gibt viele Wälder und Gewässer und alles ist einfach sehr grün. Schon allein die Luft ist sehr viel angenehmer und sauberer, was Katja und ich gleich nach unserer Ankunft feststellten. Auch der Besuch von Seattle wird unvergesslich bleiben, das Flair dieser Stadt ist etwas sehr Besonderes. Zu Weihnachten kam uns Katjas Mama aus Deutschland besuchen, sodass zu dieser Zeit dann praktisch drei deutsche Frauen zusammen in Amerika lebten. Am Weihnachtsabend aßen wir in einem deutschen Restaurant und gingen anschließend noch in die Kirche. Es war das beste Erlebnis, das ich je in einer Kirche hatte. Eine Rockband spielte auf moderne Art und Weise Songs über Gott und die Welt und der Pfarrer erzählte solch schöne Geschichten aus dem Alltag, dass es Katja und mich zu Tränen rührte.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich bin, dieses Austauschjahr gemacht zu haben, welches mir meine Eltern ermöglicht haben, wofür ich ihnen unheimlich dankbar bin. Dieses Jahr hat mir die Tür zu einer anderen Welt geöffnet, ich sehe Dinge jetzt mit ganz anderen Augen. In den bisher nur 5,5 Monaten, die ich jetzt hier bin, habe ich mich persönlich um Jahre weiterentwickelt, was in Deutschland niemals möglich gewesen wäre. In Katja habe ich eine unheimlich gute Freundin gefunden, mit ihr kann ich einfach über alles reden, wir haben immer Spaß zusammen und es tut einfach nur gut, mit ihr zusammen sein. Wenn ich Heimweh hatte, war sie für mich da und hat mich unterstützt, wo sie nur konnte. Ich vertraue ihr einfach vollkommen und der Kontakt wird auch unter keinen Umständen abbrechen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Auch in Isaac habe ich einen sehr guten Freund gefunden und kann immer auf seine Hilfe zählen, sei es in Algebra oder alltäglichen Problemen. Dies weiß ich wirklich sehr zu schätzen.

Ein Austauschjahr zu machen kann ich wirklich nur jedem empfehlen. Es ist das beste Jahr meines Lebens. Natürlich ist es nicht immer einfach, man muss Verantwortung für sich selbst und auch für andere übernehmen. Man muss mehr als einmal über seinen Schatten springen und lernen, ohne die weisen Ratschläge der Eltern und Freunde daheim zu leben. Aber es funktioniert. Obwohl es am Anfang nicht immer einfach war und man auch das ein oder andere Mal an seine Grenzen stößt. Selbst wenn das Heimweh einmal zu groß werden sollte, muss man immer wieder aufstehen und sich nicht all zu sehr hineinsteigern. Oft hilft es, mit Freunden, anderen AFSern oder den Gasteltern darüber zu reden. Ich bereue es in keiner Weise, mich für dieses Jahr entschieden zu haben und bin froh, es mit AFS angetreten zu haben. Wir wurden wirklich gut vorbereitet und selbst während des Jahres finden immer noch interessante und wichtige Orientierungen statt.

Vielen Dank an AFS und auch an Ostseewelle, die mich in meinem Vorhaben einfach fabelhaft unterstützt haben.

Josephine, USA 2008/09

Stipendiatin Ostseewelle Hitradio


Kommentare (11)
  • nora
    als ich mir eben den bericht durch gelesen habe musste ich daran denken dass ich auch über ein austauschjahr nach gedacht habe aber immer noch nicht recht weiß ob ich das wirklich durch ziehn soll weil es ja auch ganz schön viele bedenken und so gibt. ich würde mich wirklich freuen wenn jemand mir vielleicht weitere Infos zu so einem austauschjahr geben würde da ich trotzdem unbedingt eins machen möchte
  • alisa
    ich finde es sehr toll das du es so gut erklärt hast aber ich bin noch grad zwölf und würde gern mit 14 für ein jahr ins ausland aber ich weis nicht ob ich vielleicht damit zu jung wäre ???Na ja ich liebe amerika und deshalb will ich da auch hin aber ist es arg teuer???diese frage stelle ich mir immer wieder .
  • Anonym
    Ich will auch ein Austauschjahr machen... Doch ich weiß nicht welche Orginisation am besten ist?!
  • Julia
    Auf jedenfall AFS!
  • Maria
    Ich finde es toll, wenn Jugendliche die möglichkeit nutzen ein Jahr ins Ausland zu gehen. Ich habe es leider verpasst weil ich mich nicht getraut habe, aber jetzt wo wir auch eine austauschschülerin haben wird mir erstmal klar was für eine chance das doch ist. Ich beginne im September meine Lehre und hoffe, dass mein Vorhaben mit 4 Wochen USA in den Sommerferien klappt.
    Lg, Maria
  • Anonym  - Sportaktivitäten
    Ich wollte mal fragen, welche Sportarten angeboten wurden, spiele nähmlich leidenschatlich Handball und hab noch nirgens über so eine AG was gelesen
  • Lena  - auf gehts
    Hallo,
    ich stehe kurz vor meinem Austauschjahr und bin extremst aufgeregt, auch wenn es leider nicht mit AFS ist da ich sie zu spät gesehen habe.
    Mir konnte bisher aber niemand wirklich Tipps geben was man da in bestimmten Situationen macht. Sei es wenn es ums Geld geht Freunde finden oder ganz einfach mit der Familie sprechen.
    kann mir vielleicht jemand helfen???

    lg Lena
  • nina
    Hallo Josephine,
    war es schwierig für dich als du wieder in deutschland warst einfach in der schule weiterzumachen oder musstest du ne' klasse wiederholen?!

    wie schnell hast du freunde gefunden?
    ich möchte auch gern gehen, bin mir aber irgendwie unsicher und in 2 monaten ist anmeldeschluss..
    würde mich freuen wenn du antwortest.
    lg, nina
  • Katharina  - Hallo
    Hi,danke für deinen Bericht der war echt gut geschrieben.Ich habe nur eine Frage wenn man jetzt z.B. Kanada,USa und Chile ankreuzt kommt man dann in eines der Länder oder könnte es sein das man z.B nach China kommt?
  • AFS interkulturelle Begegnunge  - Länderwahl
    Liebe Katharina,
    bei der Länderverteilung versuchen wir natürlich, deinen Erstwunsch zu erfüllen, können aber keine Garantie für ein bestimmtes Land geben. Du wirst aber auf jeden Fall nur in eines der Länder fahren, das du auf deinem Länderpräferenzbogen angegeben hast. Den Länderpräfernzbogen erhälst du nach deinem Auswahlwochenende.

    Herzliche Grüße

    AFS interkulturelle Begegnungen e.V.
  • anonym  - toller bericht!
    als ich diesen bericht gelesen habe, hab' ich noch mehr lust bekommen, ein jahr mit asf im ausland zu verbringen ;) aber wie lange vorher muss man sich anmelden??
Kommentar schreiben
Ihre Kontaktdetails:
Kommentare:
Security
Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.
Drucken E-Mail