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Jetzt, einen Monat nachdem ich aus meinem Austauschjahr in Malaysia nach Deutschland zurückgekehrt bin, sitze ich hier und denke mal wieder über meine wunderbare Zeit dort nach. Wie soll ich all meine Erfahrungen, die ich nie vergessen werde, in Worte fassen? Dieses Jahr war einfach fantastisch. Ich habe so viele neue Freunde gefunden, mit denen ich noch regelmäßig in Kontakt bin und die mir schreiben, wie sehr sie mich vermissen, habe eine tolle Familie, die wirklich meine Familie ist, gefunden, ein zu Hause in Asien, mein malaysisches Leben - und all das musste ich jetzt zurücklassen.
Am besten fange ich bei meiner malaiischen Großfamilie an, die aus meiner „Mak“ (Gastmutter), meinem „Ayah“ (Vater) und meinen 11 Geschwistern besteht. Es leben aber nur meine Mak, 7 Geschwister und ich zusammen. Unser Ayah arbeitet außerhalb , kommt aber täglich vorbei. Von morgens bis abends sind meine Geschwister normalerweise bei der Arbeit. Meine 62jährige Mak ist währenddessen im Haus tätig. Da wir alle zu unterschiedlichen Zeiten aus dem Haus mussten, hat sie für jeden Einzelnen gekocht. Ich erinnere mich daran, wie gerührt ich war, als morgens, nachdem ich wie jeden Morgen geduscht hatte und fertig für die Schule war, sie mir schon einen Teller extra für mich gekochten Reis und eine Tasse Tee auf den Tisch gestellt hatte. Nachmittags sind wir immer zum Essen nach Hause gekommen- alle zu unterschiedlichen Zeiten. Oft saß ich nach dem Essen noch ewig mit meiner Mak zusammen und wir haben über Gott und die Welt geredet. Abends, wenn alle wieder da waren, saßen wir oft noch gemeinsam vor dem Fernseher und haben uns unterhalten. Mit allen meinen Geschwistern fühle ich mich immer sehr wohl und es ist wie mit echten Geschwistern. Wann immer irgendetwas war, konnte ich sie um Rat fragen. Meine Familie ist so verständnisvoll und hilfsbereit. Sie haben mich immer unterstützt und mir den Rücken gestärkt. Vor allem mit meiner ältesten Schwester Kaklong (36) habe ich sehr viel geredet. Sie war die Einzige in meiner Familie, mit der ich statt Malaiisch auf Englisch geredet habe. Oftmals habe ich sie über ihre Religion, den Islam, ausgequetscht. Auch sonst konnten wir über ziemlich Vieles reden. Es ist sehr interessant, mehr über andere Religionen und Kulturen, an denen es ja nicht in Malaysia mangelt, zu erfahren.
Die Schule in Malaysia ist total anders als in Deutschland. Von Schuluniformen, Verhaltensregeln, wöchentlich morgens die Nationalhymne singen bis hin zu der Disziplin, die dort strenger ist. Meine Klasse hatte den naturwissenschaftlichen Zweig; Mathe, Physik, Chemie und Bio. Genau die Fächer, die mir in Deutschland überhaupt nicht liegen. Aber es war ok und ich bin immer gerne zur Schule gegangen. Außerdem hatten wir noch Moral, während unsere muslimischen Mitschüler Religion hatten, Englisch, Sport und Gesundheitslehre, Malaiisch und ein Fach, das ich mit Sozialwissenschaften vergleichen würde. Jeden Montagmorgen gab es eine Morgenversammlung, wo die Schulleiterin und Lehrer geredet haben, wir die Nationalhymne, die Hymne des Bundesstaates Selangor, in dem meine Schule war, und die Schulhymne gesungen haben. Anschließend mussten wir mit erhobener Hand schwören, dem Staat treu und ein guter Schüler sein. Danach ging es zum Unterricht. Die meisten Lehrer waren locker drauf und wir haben im Unterricht öfter mal gelacht. Manchmal war der Unterricht aber auch etwas trockener und ich musste sehr an meiner Disziplin arbeiten, da wenig Eigeninitiative gefragt ist, sondern normalerweise Frontalunterricht gehalten wird. Die Schule fängt um 7:30 Uhr an und hört um 13:10 auf. Zwischendurch gibt es nur eine Pause von 20 Minuten, sonst wird durchgepaukt. In malaysischen Schulen geht es mehr ums Auswendiglernen und darum, das auswendig Gelernte möglichst korrekt wiederzugeben. Elektrische Geräte zur Schule mitzubringen ist verboten, Fingernägel müssen kurz und unlackiert sein, Haare müssen zusammengebunden sein, man darf keinen Schmuck tragen und es gab extra Treppen für Lehrer, die wir Schüler nicht betreten durften. Meine Mitschüler haben fast den ganzen Nachmittag gelernt und sind zu ihrer Nachhilfe gerannt. In den Ferien haben wir uns getroffen und sind in die Shoppingmalls, ins Kino und essen gegangen.
In der Schule war ich als einzige Austauschschülerin sehr bekannt. Fast überall, wo ich hinging, hieß es „Hi Laura“. Meine Freunde haben sich immer wieder gewundert, wie „berühmt“ ich bin. Meine Mitschüler waren alle herzlich. Ich habe einige sehr gute und mir wichtige Freunde gefunden. Sogar eine Freundin, mit der ich über wirklich alles reden konnte, was in Malaysia nicht unbedingt üblich ist, da man nicht über Probleme redet und einige Themen tabu sind. Auch meine Lehrer waren sehr verständnisvoll. Meine Chemielehrerin, hat mich sogar mal zu sich nach Hause eingeladen, obwohl Chemie mein schlechtestes Fach war. Sie und ihr Mann haben mich über AFS ausgefragt und haben sogar die Idee, selbst Gastfamilie zu werden. Es gab bei ihr, wie es bekanntlich zur malaysischen Gastfreundschaft dazugehört, sehr viel Essen und mir wurde alles Mögliche zum Probieren angeboten. Gegessen wurde bei den malaiischen und indischen Familien mit der Hand und bei chinesischen oft mit Stäbchen. Sonst manchmal mit Löffel und Gabel. Manchmal habe ich mit meinen zwei indischen Freundinnen, mit denen ich immer nach der Schule zurück gegangen bin, auf den Spielplatz gesetzt und geredet, geschaukelt und viel gelacht, oder wir sind zu einer meiner Freundinnen nach Hause gegangen und haben dort Musik gehört, Photos gemacht… Es war immer schön mit den beiden. Der Abschied von meiner Klasse ist mir sehr schwer gefallen, an meinem letzten Schultag haben alle etwas zu essen mitgebracht und wir saßen in der Schulcafeteria und haben ein bisschen geredet…
Mit AFS hatte ich immer viel Kontakt. Da in Malaysia nicht sonderlich viele Austauschschüler sind, war alles sehr privat. Anfang des Jahres haben wir einen „optional trip“ gehabt und sind auf eine Insel im Osten der Westinsel Malaysias nach „Pulau Redang“ gefahren. Als wir dort ankamen dachte ich, ich könne meinen Augen nicht trauen: Ein fantastischer Sandstrand, der so hell und sauber war, und türkisblaues klares Wasser. Nie in meinem Leben habe ich so einen tollen Strand gesehen. Wir sind dort 2 Nächte geblieben und waren an 2 Tagen Schnorcheln. Die Unterwasserwelt, die wir gesehen haben, war unglaublich: Bunte Fische und sogar kleine Clownfische.
Obwohl es nicht so vorgesehen ist, so viel mit anderen Austauschschülern zu machen, habe ich mich nachmittags und am Wochenende oft mit meinen AFS-Freunden getroffen, da unsere malaysischen Freunde von der Schule sehr beschäftigt mit lernen waren. Gemeinsam haben wir die Stadt erkundet und uns über unsere Erfahrungen ausgetauscht, in schlechten Zeiten beieinander „ausgeheult“… Es war immer gut jemanden zu haben, der in der gleichen Situation ist und sich gegenseitig den Rücken zu stärken.
Ein weiteres unvergessliches Erlebnis war unser Short Time Exchange, wo ich bei den „Orang Aslis“ den Ureinwohnern Malaysias 2 Wochen verbracht habe: in einem kleinen friedlichen Dorf mitten im Dschungel, das aus ca. 30 Häusern besteht. Die Häuser waren meistens aus Holz, hatten keine Stühle, Tische oder Betten. Herdplatten standen auf dem Boden und wenn kein Gas für den „Herd“ da war, wurde mit Feuerholz gekocht. Wir haben alle zusammen mit durchschnittlich 7 Personen auf dem Boden auf Matratzen geschlafen. Morgens sind wir in den Dschungel gegangen, um Gemüse, Früchte, Blätter und anderes zum Essen zu sammeln. Danach wurde gekocht, gegessen, geschlafen und Leute besucht. Gebadet wurde meist im Fluss. Wenn man durch das Dorf gegangen ist, wurde man überall eingeladen, um auf einen Tee reinzukommen. Die Leute waren total gastfreundlich. Es war eine sehr interessante Erfahrung unter diesen Standards zu leben, weit weg von Allem und nur mit dem Nötigsten zum Überleben, mit Leuten, die einen sehr geringen Bildungsstandard haben, aber dafür große Kenntnisse über die Natur. Dort habe ich mich sogar einmal gezwungen gegrillten Käfer zu essen (obwohl ich Vegetarierin bin), da eine Ablehnung des Essens dort eine tiefe Beleidigung ist.
Der Abschied in Malaysia ist mir sehr schwer gefallen und ich habe einige Tränen vergossen. Vor allem der Abschied von meiner Familie schmerzte mich. Hier in Deutschland merke ich, dass ich durch die Vielfalt der Eindrücke und n euen Erlebnisse von bislang „fremdem“ noch toleranter geworden bin. Dieses Jahr wird unvergesslich für mich sein, es sind Freundschaften fürs Leben entstanden. Ich bin selbstbewusster, selbstständiger und reifer geworden, komme mehr aus mir raus, weiß die kleineren Dinge im Leben zu schätzen und gehe mehr auf Leute zu. Das Austauschjahr hat mir sehr gut getan. Es ist für mich seit meiner Rückkehr das erste Mal, dass ich wahrnehme, dass auch Deutschland schön ist, ich habe Deutschland mit den Augen einer Ausländerin gesehen. Am liebsten wäre ich in Malaysia und in Deutschland zugleich, denn ich in meinem Inneren bin ich deutsch malaysisch geworden und liebe beide Länder, denn sie sind Heimat. Zukünftigen AFSern würde ich mit auf den Weg geben, dass man sich einfach auf alles in der neuen Kultur einlassen sollte, man macht so viele Erfahrungen und es macht vieles leichter.
Zum Abschluss kann ich mich nur bei Mercator bedanken für die finanzielle Unterstützung, bei AFS für die Möglichkeit, ein so tolles Austauschjahr in Malaysia machen zu können, ebenso bei meiner malaiischen Familie, meinen malaysischen Freunden, sowie meiner deutschen Familie und meinen Freunden hier, die mich alle total gut unterstützt haben.
Laura, Malaysia 2008/09 Stipendiatin der Stiftung Mercator
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ich habe auch vor nach Malaysia zu fahren. Hört sich ja alles ganz toll an, was du so schreibst, aber was gab es denn für negative Erfahrungen, die du gemacht hast?
Was mich auch interessieren würde, währe, was du während des Jahres alles für Mercator tun musstest.
Greetings
Lucas