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BRASILIEN: Wertvolle Erfahrungen

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Geschrieben von: Jonas, Brasilien 2008/09   

Das beste Jahr meines Lebens ist zu Ende gegangen. Aus meinem Auslandsjahr in Brasilien konnte ich sehr viele Erfahrungen mitnehmen und habe mich auch persönlich weiterentwickelt. Ich bin sehr froh, diese Chance gehabt zu haben.Mein Zwischenbericht endete vor meinem Urlaub mit meiner Gastfamilie, an den ich nun anknöpfen möchte. Im Januar, nach dem Weihnachtsfest, haben meine Gastfamilie und ich die Wasserfälle von Igaçu besucht, welche an der Grenze zu Argentinien und Paraguay liegen. Ein gewaltiges Naturschauspiel, welches ich zuvor in dieser Form noch nicht gesehen habe. Außerdem sehr beeindruckend war unser Besuch des Staudamms Itaipú, welcher zu den sieben Weltwundern der modernen Architektur gehört. Die erzeugte Energie wird zwischen den Ländern Brasilien und Paraguay geteilt, welches für Paraguay sogar die höchste Energiequelle darstellt.

Ebenfalls sehr aufregend auf dieser Reise war unser Besuch in Paraguay selbst. Schon vorher wurde mir erzählt, dass man nach Paraguay fährt, um günstige Sachen wie Kleidung, Elektronik oder andere Gegenstände zu erwerben. Ein bunter Markt, welcher die ganzen Straßen füllte, an jedem Verkaufstisch Menschenschlangen, Werberufe, ein unglaubliches Angebot an verschiedensten Waren, handelnde Menschen. Natürlich war es unmöglich, diesem bunten Treiben zu widerstehen und am Ende des Tages hatte ich viel mehr gekauft, als ich vorgesehen hatte. Die Hälfte der Ferienzeit war vergangen. Wir entschieden uns, für meinen Geburtstag an den Strand zu fahren und blieben noch zwei Wochen am Praia Real mit unserem Wohnmobil. Mein Geburtstag am Strand mit meiner Gastfamilie war natürlich der Höhepunkt und zudem unvergesslich.

Anfang März begann die Schule erneut und zum Beginn des Schuljahres wechselte ich in die Parallelklasse unserer Schule, um weitere Mitschüler kennenzulernen und neue Freundschaften zu knüpfen. Durch das kommunizieren mit anderen Leuten merkte ich auch gleich, dass mein portugiesisch über die Ferien besser geworden war, ich schon sehr viel mehr aus den Gesprächen entnehmen konnte und mich dem entsprechend mehr in die Gespräche einbringen konnte. Auch im Unterricht war dieses ein Vorteil und das Zuhören und Mitschreiben fiel mir leichter.  Mein Portugiesischkurs war mit dem neuen Schuljahr nun ebenfalls abgeschlossen und ich lernte nur noch in der Schule und in meiner Gastfamilie die Sprache zu verbessern.

Im Mai machte ich einen einwöchigen Austausch in eine andere Stadt und zu einer anderen Gastfamilie. Ich kam in die Stadt Cruz Alta (Hohes Kreuz), welche im Norden des Bundesstaates Rio Grande do Sul liegt. In meiner dortigen Gastfamilie hatte ich einen Bruder in meinem Alter, der ebenfalls gerne einen Austausch machen möchte, wenn er die Schule beendet hat.  Außerdem interessierte sich die Familie schon länger für Austauschprogramme und möchte im nächsten Jahr einen Austauschschüler für ein halbes Jahr aufnehmen. Durch mich wollten sie einige erste Erfahrungen mit Austauschschülern sammeln. Ich konnte ihnen viel von meinen Erfahrungen erzählen und freute mich über das Interesse, das von ihnen ausging.  Leider ging auch diese Zeit viel zu schnell um und auch nur nach einer Woche Zusammenleben war der Abschied ziemlich schwer.

In den letzten Monaten hatte ich viele Gelegenheiten, durch die Einladungen von anderen Austauschschülern und Freunden weitere Städte zu besuchen. Unter anderem besuchte ich die Stadt Caxias, welche eine der größten im Bundesstaat Rio Grande do Sul ist, und Santa Cruz do Sul, welche sehr durch den deutschen Kolonialismus geprägt wurde. Durch diese Reisen gewann ich ebenfalls einen Einblick in verschiedene Familienverhältnisse und auch in andere Schulformen. Der Unterschied zwischen einer Privatschule und einer öffentlichen Schule hat mich dabei immer wieder überrascht. Der Unterricht in den öffentlichen Schulen war oftmals viel undisziplinierter und die Anforderungen entsprachen nicht denen einer privaten Schule.

Die letzten Wochen meines Auslandsjahres vergingen wie im Fluge. Doch erst am vorletzten Abend, als ich anfing zu überlegen, welche Sachen ich mit zurück nach Deutschland nehmen werde und welche in Brasilien bleiben müssen, und als mein Koffer offen vor mir lag, wurde mir klar, dass es jetzt nach Hause geht.

Meine Klasse hat zu meinem Abschied eine Abschiedsfeier organisiert, in der ich noch einmal einen Moment fand, mich bei allen meinen Freunden zu verabschieden und mich für die Zeit bei ihnen zu bedanken. Die Abschiedsfeier von meiner Familie fand im Rahmen des 50. Geburtstages meiner Gastmutter statt und bot eine schöne Atmosphäre. Der Abschied von meiner Gastfamilie am Flughafen war der schwerste und traurigste Moment von allen. Doch natürlich bleibt neben dem weinenden Auge immer noch ein lachendes.

Zurück in Deutschland fand ich in den Sommerferien genügend Zeit mich wieder an mein Umfeld zu gewöhnen und alle Veränderungen auf mich wirken zu lassen. Meine Familie und meine Freunde waren hierbei eine große Hilfe und unterstützten mich wo sie konnten.

Ich freue mich, diese wertvollen Erfahrungen in Brasilien, in meiner Gastfamilie und meinem Freundeskreis gemacht haben zu dürfen und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit meiner Gastfamilie.

Jonas Schäfferling, Brasilien 2008/09
Helga von Hoffmann-Stipendium

Kommentare (6)
  • Karim
    Wie gut sprichst du jetzt porugiesisch??
    Und wie gut konntest du es vor deiner abreise
  • Jonas Schäfferling
    Hi Karim! Danke für dein Kommentar! Ich wusste garnicht, dass mein Bericht veröffentlicht wurde und hab ihn erst selbst letzte Woche hier gefunden.
    Naja. Um auf deine Frage zu antworten:
    Ich konnte vor meinem Auslandsjahr überhaupt kein Portugiesisch. Ich hab mir mega viele Gedanken gemacht, dass ich nicht zurecht kommen würde oder es auch in Brasilien dann nicht lernen würde oder so.
    Aber die Sorgen waren echt unbegründet. Ich hatte ein Kurs neben der Schule und eben den Unterricht in meiner Gastschule.
    Ich hab es wirklich soooo schnell gelernt!!!
    Man hört einfach die Leute Portugiesisch reden und man kann sich echt viel ableiten.
    Auch einfach durchs zuhören lernt man die Sprache schon kennen.
    Ich weiß nicht welche Fremdsprachen du sprichst. Ich konnte vorher Englisch, Latein und ein bisschen Spanisch. Das hat mir natürlich mega geholfen weil viele Wörter echt fast gleich sind wie im Spanischen.
    Im laufe des Jahres hab ich es so gut gelernt, dass ich es sprechen, lesen und schreibe...
  • BrasilienFan
    Ich bin 5 Monate durch Brasilien gereist in dieser Zeit habe ich sehr viel portugiesisch gelehrten. Einfach dadurch, dass man sich mit den Leuten zu unterhalten versucht. Die Brasilianer sind da ja auch sehr tolerant. Einfacher Smal Talk zu betreiben ist nach diesen 5 Monaten kein Problem mehr. Danke übrigens für den Bericht ich lese immer wieder gerne Berichte aus Brasilien.
  • paulina
    Hi, ich will in der 10 auch einen Auslandsaufenthalt machen allerding nur für ein halbes Jahr. Meinst du da lohnt sich Brasilien auch? Also das man gut Anschluss findet etc und vor allem die Sprache dann einigermaßen beherrscht?
    Wäre nett wenn du antwortest ;) lg
  • Jonas
    Hi paulina!
    Auch wenn du nur ein halbes Jahr fährst, lohnt sich Brasilien auf alle Fälle. Mach dir keine Gedanken, dass du keinen Anschluss findest! Die Leute sind einfach mega aufgeschlossen und gastfreundlich; also ich hab mich mega schnell eingelebt und auch schnell Freunde gefunden. Mit der Sprache...naja...ist bei jedem unterschiedlich. Ich kannte Austauschschüler, die perfekt Portugiesisch sprachen und andere, die es überhaupt nicht geschnallt haben. Aber wenn du ein bischen Sprachgefühl hast und die sprache wirklich lernen willst, dann wirst du sie auch lernen.
    O.K. Ich hoffe ich konnte dir helfen!
  • Agnes  - Große Kamera mit nach Brasilien?
    Ich werde nächstes Jahr im Sommer sehr wahrscheinlich für ein Jahr nach Brasilien fahren.
    Weil ich gerne fotografiere, überlege ich mir zu Weihnachten eine richtig gute Kamera zu kaufen. Ich weiß noch sehr sehr wenig über Brasilien, weil ich mich aber bald entscheiden muss, ob ich mir die Kamera wünsche frage ich dich jetzt einfach; ob eine so große Spiegelreflexkamera überhaupt für Brasilien geeignet ist. Oder muss ich dann Angst haben, damit in "der Gegend" rumzulaufen? Liebe Grüße
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