Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium

MALAYSIA: Unvergesslich

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Geschrieben von: Judith, Malaysia 2008/09   

Mein Name ist Judith und bin 17 Jahre alt. Beinahe zwei Monate sind seit meiner Rückkehr vergangen und die Erinnerungen an mein vergangenes Jahr scheinen wie im Traum.  Vieles ist in diesem Jahr passiert, viele persönliche Erfahrungen, viele große Momente, doch mit dem ersten Gedankenblitz kommen nicht die besonderen Erlebnisse - es sind die Alltagssituationen, die mich andächtig an meine Zeit in Malaysia erinnern lassen: Indische Restaurants und der Geruch von frischem Curry zu meinem Lieblingsgericht Roti Canai; am Straßenrand platzierte Obststände, wo einheimische Früchte wie Pomelo, Mangosteen, Rambutan und natürlich Durian (auch unter dem Namen „Stinkfrucht“ bekannt) verkauft werden; Schuluniformierte Schüler im Einkaufszentrum; überall Palmen und Kautschukbäume; heiße Tage, an denen ich nach der Schule manchmal mit meiner Gastmutter im Stau stehe; der wöchentliche Pasar Malam (Malaiisch für Nachtmarkt) mit den vielen verschiedenen Ständen.
Doch leider gehören solche gewohnten und manchmal verrückten Alltagssituationen der Vergangenheit an – seit mehreren Wochen bin ich wieder in Deutschland und mein Leben ist schneller als erwartet (oder gewollt) zum alltäglichen Leben zurückgekehrt. Alles scheint wie in der Zeit vor meinem Austauschjahr,  aber doch fühlt sich alles anders an.
So wie ich mich in diesem Jahr geändert habe, merke ich auch, wie sich meine Freunde und meine Familie änderten. Freundeskreise haben sich neu gebildet, mit manchen Menschen hat man sich auseinander gelebt. Ich lerne viele neue Menschen kennen, da ich jetzt mein erstes Jahr in der Oberstufe begonnen habe und viele neue Schüler von anderen Schulen dazugekommen sind. Ich bin jetzt im 12. Jahrgang und habe somit das 11. Jahr „verpasst“, wodurch sich viele Schwierigkeiten mit dem Schulstoff anhäuften. Unter anderem hat mein Deutsch während des Austauschs gelitten, was allerdings nicht allzu schlimm ist, da dafür mein Englisch um einiges besser geworden ist und die Erfahrungen einiges für mich ausgleichen!
Komisch geworden ist es, herauszufinden, dass man ungewollt angefangen hat, alles mit Malaysia zu vergleichen. Oft erwische ich mich dabei, wie ich nicht nur die Preise von Euro in Ringgit Malaysia umrechne, sondern auch Systeme und Verhaltensweisen vergleiche. Immer wieder stelle ich mir vor, wie diese und jene Situation in Malaysia verlaufen wäre.
Ich frage mich oft, was meine Freunde und Familie in Malaysia gerade machen, wie es ihnen geht, wie ihr Leben ohne mich aussieht. Ich vermisse Momente, in denen ich zum Beispiel mit meiner Gastmutter in der Küche sitze und über Kulturen, verschiedene Lebensweisen und Politik diskutiere. Ganz normale Schultage mit meinen Freunden, die Schulaktivitäten nach der Schule (wie chinesisches Orchester, der Gitarrenclub, das Prefects-Meeting) oder Sonntagnachmittage in der Jugendgruppe.

Nicht selten hören meine Freunde von malaysischen Geschichten und Erlebnissen. Wie zum Beispiel von den vielen AFS-Unternehmungen, zu denen ein Camping-Urlaub im Belum-Rainforest, mehrere Dschungel-Wanderungen, das Vollenden  unserer Tauchscheine mitsamt Tag im Meer, verschiedene Hochzeiten und viele Feierlichkeiten gehörten. Auch die verschiedenen AFS-Camps waren tolle Erfahrungen, von denen ich gut und gerne auch erzähle.
Kulturellen Austausch gab´s dann mit viel Einblick in das Leben der verschiedenen Nationen in Malaysia bei den unterschiedlichen Homestay-Programmen. So durfte ich mich zehn Tage in einer malaiischen Familie aufhalten, um Hari Raya (die höchste Festveranstaltung nach der Fastenzeit im muslimischen Kalender) zu feiern. Ich half nicht nur bei den Vorbereitungen, die aus vielem Backen und Kochen für die Festtage bestand, ich versuchte sogar mein Bestes im Mit-Fasten.
In einer indischen Familie ging es dann genauso um Deepavali (ebenfalls eines der höchsten indischen Feste, den Vorfahren und Göttern gewidmet), wo ich besondere Einblicke in die verschiedenen Gebetsverfahren zuhause und im Tempel bekam. Und sogar für Weihnachten – nicht im Schnee, sondern unter Palmen – kam ich für ein paar Tage in eine andere Familie. Obwohl ich zwar grundsätzlich in einer chinesischen Familie gelebt habe, wechselte ich ebenfalls für das Chinesische Neujahr 14 Tage lang die Familie (was nicht daran lag, dass meine Gastfamilie mich nicht dabei haben wollte, sondern weil sie wollten, dass ich ein traditionelleres Neujahrs-Fest erlebe).
Ich kann sagen, dass die Einblicke in jede neue Familie die besten und unvergesslichsten Zeiten meines Jahres waren.
Wenn ich an mein Jahr zurückdenke, merke ich, wie stark ich mich verändert habe, eventuell nicht nur positiv, aber ich kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, dass der positive Teil überwiegt. Ich habe viele Erfahrungen gemacht, meinen Horizont erweitert, mehr über Kulturen, das Leben miteinander und Respekt vor anderen gelernt und als kleines Extra konnte ich mein Sprachwissen ebenfalls ein wenig in die Richtungen Mandarin, Malaiisch und Englisch ausbauen.

Im Großem und Ganzen kann ich sagen, dass ich meine Entscheidung nicht im Geringsten bereue und eine Menge aus meinem Jahr gewonnen habe.Danken möchte ich AFS Deutschland für die Unterstützung und den Kontakt, sowie für die gesamte geleistete Arbeit, die hinter meinem Austauschjahr und den Austauschjahren vieler anderer steht. Danke, AFS!
Und natürlich – last but not least – möchte ich der Stiftung Mercator meinen ganz herzlichen Dank für die finanzielle Unterstützung aussprechen, ohne die es für mich nicht möglich gewesen wäre, diesen Austausch durchzuführen. Danke, Stiftung Mercator!

Judith, Malaysia 2008/09
Stipendiatin der Stiftung Mercator


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