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MALAYSIA: Traurig oder glücklich, ich wusste es nicht genau

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Geschrieben von: Ann-Kathrin, Malaysia 2008/09   

Mein Name ist Ann-Kathrin, ich bin 17 Jahre alt, komme aus Wesel und bin am 3. Juli aus Malaysia zu meinen deutschen Eltern zurückgekehrt. (Bewusst habe ich den Begriff „deutsche Eltern“ gewählt, da auch meine Familie in Malaysia sehr lieb gewonnen habe.) Ab dem Halbzeitcamp in Malaysia ist noch sehr viel geschehen, sodass ich ganz bestimmt gar nicht alles hier erwähnen kann. Ich werde mein Bestes tun:

MAS_Ann-Kathrin-Pfeifer_197Weihnachten hat mein AFS-Chapter für alle Austauschschüler eine christliche Familie organisiert, in der wir ein „richtiges“ Weihnachten feiern sollten. Das war das einzig richtige Tief während meines Aufenthaltes. Ursprünglich hatte meine indische Jahresfamilie nämlich geplant, das erste Mal im Leben Weihnachten zu feiern - mir zu Liebe. Sie waren neugierig und wollten etwas von meiner Kultur erfahren. Leider kam es dann anders und ich habe die Familie in die von AFS gestellte, christliche Familie gewechselt. Dennoch hatte ich meiner Ganzjahres-Gastfamilie die deutsche Kultur schon ein wenig näher gebracht. Beispielsweise habe ich Ihnen den Adventskalender erklärt und geschenkt. Zu meinem Bedauern hat meine süße, fast dreijährige Schwester mir ihren Kalender, den wir jeden Tag zusammen geöffnet hatten (zumindest die ersten 5 Tage, bevor ich wechseln musste), aus meinem Zimmer geholt, die Türchen geöffnet und tüchtig in sich hinein gemampft.

Die christliche Familie war ebenfalls indisch. Zehn Tage habe ich bei ihnen verbracht und ein ganz anderes Weihnachtsfest mit künstlichem Baum und Curry mit Reis als Truthahnersatz erlebt. Es war wirklich nett und wir kamen gut miteinander zurecht, nur leider haben wir uns ja erst ein paar Tage vor Heiligen Abend kennen gelernt und meiner Meinung nach sollte Weihnachten das Fest sein, das man gerne mit Leuten verbringt, die einem viel bedeuten und die man liebt. Deswegen war ich ziemlich enttäuscht, als mir gesagt wurde, ich hätte zu wechseln. Nichts gegen das allgemeine Wechseln für traditionelle Feste - natürlich bin ich begierig diese möglichst hautnah mitzubekommen. Nur eben Weihnachten war eine Ausnahme.

Danach ging der normale Alltag in meiner Mädchenschule wieder los. Mittlerweile war ich dort auch mehreren Clubs beigetreten: Squash, Lidra (Literatur und Drama), Teakwondo und Cheerleading. Ich habe dadurch mit Mädchen außerhalb meiner Klasse, mit denen ich im Vorhinein nicht so viel Kontakt hatte, engere Freundschaften geschlossen und sehr viel Spaß in der Schule gehabt.

Chinesisches Neujahr habe ich wieder die Familie gewechselt. Diesmal hatte ich sehr Glück, da ich in eine Familie gekommen bin, die ich vorher schon kannte. Deren Sohn Mitchell war ein Jahr in Deutschland - genauer gesagt in Wesel, meiner Heimatstadt, und ich hatte ihn vor meinem eigenen Austausch schon kennen gelernt und als seine Betreuerin gearbeitet. Der Aufenthalt war einfach traumhaft und ich hatte dank ihnen eine wunderbare Zeit. Eine meiner Wunderbarsten.

MAS_Ann-Kathrin-Pfeifer-Thaipusum_197Von März bis April habe ich dann zwei Wochen in meinem „Short-Term-Exchange“ verbracht.  Alle Austauschschüler sind auf vier Plätze in ganz Malaysia verteilt worden. Ich bin mit vier anderen Austauschschülern nach Sarawak, Kuching gekommen. Auch da hatte ich eine wunderbare Zeit, wohnte bei Leitern des Chapters und hatte, zusammen mit den anderen Austauschschülern, sehr viel Programm. Wir haben das kulturelle Dorf besichtigt, Orang Utas im Freileben gesehen, waren auf einer Krokodilfarm, an tollen Stränden und in einem Nationalpark.
Des Weiteren haben wir die Stadt Kuching genauer betrachtet und waren im National-, Kunst- und Tiermuseum. Meine Gastfamilie hat mich kurz danach für ein Wochenende mit an Thailands Grenze genommen und wir hatten schön viel Zeit miteinander. Meine Gasteltern, die viel mit ihren Politik- und Anwaltbüros zu tun hatten, für die ein Umzug bevor stand, hatten in der Woche meist sehr viel zu tun – und ich war wie gesagt auch sehr eingebunden. Also haben wir die Wochenenden dazu genutzt, etwas miteinander zu unternehmen. Daher auch die Idee über das Wochenende weg zu fahren.

Über meinen Geburtstag haben wir einen freiwilligen 3-Tages Trip mit allen AFSern unternommen, was sehr viel Spaß gemacht hat und meinen Geburtstag zu etwas ganz besonderem machte. Die Stimmung war einfach super und die Natur wunderschön. Wir waren hauptsächlich schwimmen und schnorcheln.

Bis zu meinem Abschiedstag, welcher leider viel zu schnell vorangeschritten war, hatte ich noch einiges mit meiner Familie und meinen Freunden vor, habe Gastfamilien besucht, die es mir ermöglichten bei ihnen gewisse Feste zu feiern, und habe vor allem versucht die mir noch verbleibende Zeit so gut wie möglich auszunutzen. Die letzten Tage waren sehr hektisch, jeder wollte mich noch einmal sehen, meine Familie hatte viel vor mit mir.
Eine Abschiedsparty wurde bei mir zu Hause von meinen Gasteltern vorbereitet. AFS war auch anwesend und hat mir mein Zertifikat für das vollendete Austauschjahr in Malaysia übergeben. Richtig traurig war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, da es unreal schien, sich von allen für einen längeren Zeitraum zu verabschieden und manche von ihnen vielleicht nie wieder zu sehen.

MAS_Ann-Kathrin-Pfeifer-Mitschueler_197Meine Klasse war total niedlich und hat mir zum Abschied einen Schokoladenkuchen geschenkt auf dem in englischer Sprache stand: Alles Beste für dich, pass auf dich auf, wir haben dich lieb und Gott möge dich beschützen. Ein paar Tränen wurden vergossen. Bei der morgendlichen Versammlung wurde ich von der Direktorin unerwartet nach vorne gebeten, um ein paar letzte Worte zu sagen und mich offiziell von allen zu verabschieden.

Am 2. Juli musste ich mich dann von meiner Familie verabschieden und gemeinsam mit noch einer Deutschen, die mit mir zurückgeflogen ist, mit dem Bus zum Flughafen fahren. Meine drei besten Freundinnen sind auch extra noch zur Bushaltestelle gekommen, um mich ein letztes Mal zu sehen. Es war ergreifend und sehr, sehr traurig.
Bis wir dann in Kuala Lumpur ankamen und ich auf andere Freunde traf, war meine Laune dementsprechend. Natürlich freute ich mit darauf, meine deutsche Familie und Freunde endlich wieder zu sehen, aber ich wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass ich meine Leute aus Malaysia vermissen würde.
Am morgen sind wir noch in den Tempel gegangen, um mich segnen zu lassen, damit auch ja nichts während des Fluges passieren würde.
Zusammen mit 16 anderen Austauschschülern sind wir dann zum Frankfurter Flughafen geflogen. Eingerechnet mit einem einstündigen Zwischenstop in Bangkok ging es dann insgesamt 14 lange Stunden zurück in die Heimat.

Das Gefühl war merkwürdig. Traurig oder glücklich, ich wusste es nicht genau. Schön war, dass es den anderen teilweise genauso erging und ich nicht alleine war. Meine Eltern dann dort stehen zu sehen, als wir alle aus dem Flughafen herausgelaufen kamen, war unbeschreiblich.

Mittlerweile bin ich schon wieder mehr als einen Monat zurück. Die Zeit geht so schnell um. Ich belege derzeit die 12te Stufe des Gymnasiums und habe verdammt viel zu tun, um mithalten zu können, da ich ja quasi die elfte Stufe übersprungen habe. Ich denke aber, dass es mir gelingen wird alles aufzuholen.
Schulisch gesehen habe ich in Malaysia nicht sehr viel gelernt, dafür habe ich aber einen anderen Blickwinkel auf die Welt bekommen, kochen gelernt, die andere Sprache kennen gelernt und einen Teil der Kultur mit nach Deutschland gebracht. Ich hatte ein großartiges Jahr und werde voraussichtlich in den nächsten bzw. übernächsten Sommerferien mit meinen deutschen Eltern wieder nach Malaysia fliegen und meine Familien einander vorstellen und natürlich meine Freunde besuchen. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten.
Im September findet in Oer- Erkenschwick ein Bildungsherbst statt, an dem ich teilnehmen werde, um in meinem Komitee WEB (Wesel-Emmerich-Bocholt) mitwirken zu können.
Ich möchte mich mit diesem Bericht noch einmal ganz herzlich für das gesponserte Teilstipendium bedanken und ich kann wirklich nur jedem raten, diese Erfahrungen zu sammeln. Ein Jahr im Ausland war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe!

Ann-Kathrin, Malaysia 2008/09
Stipendiatin Mercator GmbH


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