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Inzwischen bin ich schon sechs Monate hier in Malaysia und ich bin sehr glücklich darüber dieses Land als mein Austauschland ausgewählt zu haben. In den vergangenen Monaten habe ich bereits sehr viel über Malaysia gelernt. Über die verschiedenen Kulturen, die netten Menschen, die wundervolle Landschaft und über das Essen hier. Jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken, zu lernen oder zu erfahren. In diesem Bericht möchte ich ein paar meiner Erfahrungen teilen und beginne damit am Anfang meines Austauschjahres.  Vor ziemlich genau sechs Monaten fing mein Austausch am Frankfurter Flughafen mit dem Abschied von meiner Familie und meinen Freunden an. Doch all die Gedanken an die Zurückgelassenen wurden schnell von der Euphorie endlich nach Malaysia zu fliegen weggefegt. Meine erste wirkliche malaiische Erfahrung habe ich gemacht, als ich in Kuala Lumpur (Hauptstadt) den Flughafen verlassen habe. Es war so heiß und schwül, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte die Luft trinken. Vom Flughafen bin ich zusammen mit den anderen Deutschen in unser Hotel gebracht worden, in dem wir für die folgenden drei Tage unser Arrival-Camp hatten sollten. Dieses Camp war hauptsächlich dafür da uns ein letztes Mal auf die Mission „Ein Jahr Malaysia“ vorzubereiten. Dort trafen wir Vertreter aus fast allen Ecken der Welt. Und egal woher wir kamen, wir hatten Unmengen von Spaß und haben viel miteinander gelacht. Nach den drei Tagen Camp sind wir alle in unsere Gastfamilien gefahren. Für mich bedeutete das eine sieben stündige Busfahrt in den Norden, bis nahezu an die thailändische Grenze.
Es war sehr aufregend für mich, als ich meine Gastfamilie das erste Mal gesehen habe. Denn bis dahin hatte ich nur über das Internet Kontakt mit meinem Gastbruder. Ich wohne hier in einer chinesischen Familie. Sie besteht aus sechs Personen. Zum einen aus meinen Gasteltern, die beide um die 45 Jahre alt sind und zum anderen aus meinen vier Gastgeschwistern. Dazu gehören drei Gastschwestern und die Person, mit der ich am meisten zu tun habe: mein 15 jähriger Gastbruder. Das Geld in der Familie wird von meinen Gasteltern und einer meiner Schwestern verdient. Alle drei haben ihr eigenes Geschäft. Als ich an meinem ersten Abend meiner Gastfamilie meine Gastgeschenke verteilt habe, war ich schon ein wenig enttäuscht, dass sich niemand in der Familie wirklich über meine Geschenke gefreut hat. Ich hatte das Gefühl, dass es ihnen sogar eher unangenehm war, dass ich so interessiert bei dem Auspacken zugeschaut habe. Doch mittlerweile habe ich gelernt, dass es bei den Chinesen nicht üblich ist, Geschenke in Gegenwart des Gebers auszupacken.
Am zweiten Tag in der Gastfamilie hatte ich schon direkt meinen ersten Schultag an meiner neuen Schule. Und als großer, blonder Junge in eine Schule zu gehen, ist etwas sehr besonderes hier. Innerhalb von einer Stunde kannten praktisch alle 1500 Schüler und Schülerinnen an der Schule meinen Namen und haben mir dies auch sehr lautstark bewiesen. Aus allen Ecken, Fenstern und Räumen wurde mein Name gerufen, ständig kamen neue Schüler zu mir und wollten mir die Hand schütteln. Direkt am ersten Wochenende bin ich zu dem größten indischen Fest, dem „Thaipussam“ gefahren. Das was ich dort gesehen habe war sehr beeindruckend und erinnerte mich ein bisschen an ein Indien, das man aus dem Fernsehen kennt. Doch in der Realität ist das alles viel imposanter. Es war unglaublich mit anzusehen, wie an manchen Hacken Seile befestigt wurden, mit denen die Männer dann große Wagen zogen. Für mich war dieses Erlebnis ein ganz besonderes, da ich nicht nur Zuschauer sondern in gewisser Weise auch Teilnehmer war. Ich habe viel über die Hintergründe des Festes und der Tradition erfahren.
Neben der tollen und aufregenden ersten Zeit, hatte ich jedoch auch sehr schwere Momente. Das Heimweh und der Kulturschock waren das schwerste für mich. Erst nach ungefähr zwei Monaten hatte ich das Gefühl mich eingelebt zu haben. Doch im Nachhinein bin ich auch über die schweren Zeiten froh, denn ich hab in keiner anderen, noch so schönen und tollen Zeit, so viel gelernt wie in der schweren Zeit. Außerdem habe ich in dieser Zeit gemerkt was es heißt, wenn eine Familie hinter einem steht und Teil in der großen AFS Gemeinde zu sein. Die guten Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, haben mittlerweile allerdings Überhand gewonnen. Denn nach meinem schweren Start, habe ich versucht aus meiner Zeit hier in Malaysia so viel wie möglich zu machen.
Die Schule, die ich hier besuche, ist ganz anders, als meine Schule in Deutschland. Neu für mich sind zum Beispiel Dinge, wie das Singen der Nationalhymne jeden Morgen und das Bestrafen der Schüler mit dem Rohrstock. Bestraft wird bei unangemessenem Verhalten und Verspätungen zum Unterricht. Dies geschieht immer vor der kompletten Schule. Die Haare der Jungen sollten nicht länger als 1 cm sein. Wird diese Länge zu stark überschritten, greifen die Lehrer selbst zur Schere. Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn Schüler erst um fünf nach Hause kommen. Es gibt hier sogenannten „Tution“ Unterricht, der in etwa unserer Gruppennachhilfe entspricht. Diesen Unterricht haben viele Schüler an jedem Tag der Woche und teilweise sogar mehrmals an einem Tag.
Die Grundlage des Essens besteht hier meistens aus Reis. Normalerweise gibt es kein Frühstück und wenn doch, ist auch da Reis die Grundlage. Zu dem Reis gibt es immer unterschiedliche Beilagen. Grundsätzlich ist das Essen hier eher scharf. Aber auch daran habe ich mich mittlerweile weitestgehend gewöhnt, wenn auch immer noch ein paar Gerichte zu scharf für mich sind. Was besonders lecker ist, sind die Süßspeisen. Diese werden an vielen kleinen Straßenständen sehr billig verkauft. Meine Schule endet normalerweise gegen drei Uhr. Danach fahre ich mit meinem Fahrrad nach Hause und gehe zum zweiten Mal duschen. Danach esse ich zusammen mit meinem Bruder. Nachmittags habe ich fast immer frei und vertreibe die Zeit vor allem mit meinen Freunden oder Schlafen. Da ich sehr gerne Sport mache, versuche ich dies auch hier zu tun, doch das ist bei dem Wetter leider nicht so einfach. Trotzdem habe ich viel Spaß daran, hier Badminton, „Futsal“ (Fußball in der Halle) oder Fußball zu spielen. An den Wochenenden unternehme ich manchmal etwas mit meiner Familie. In der Woche fehlt dazu leider die Zeit, da meine Gasteltern bis 21 Uhr arbeiten. Entweder besuchen wir den Wochenmarkt oder machen Ausflüge. Zum Beispiel haben wir bereits eine Schmetterlingsfarm besucht. Und an einem besonderen Tag hat mich meine Familie mitgenommen, um ihre toten Verwandten zu ehren. Besonders hat mir gefallen, dass ich in viele Teile der Zeremonie mit eingebunden wurde.
Auf meine weiteren Monate hier in Malaysia freue ich mich bereits sehr.
Simon, Malaysia 2009 Mercator-Stipendium
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