Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium

DOMINIKANISCHE REPUBLIK: Mein Dorf hat vielleicht nicht viel, doch ich liebe es und die Leute hier

Ich bin Anna, bin 15 Jahre alt und komme aus Schwerin. Dieses Jahr ist ganz besonders für mich, weil ich ein AFS-Auslandsjahr in der Dominikanischen Republik mache. Das erste, was ich getan habe, als ich erfahren habe, wo ich hingehen werde, war, die Dominikanische Republik genau auf der Landkarte zu suchen. Sie liegt im karibischen Meer, in der Inselgruppe der großen Antillen in Mittelamerika, südöstlich von Kuba und nordwestlich von Puerto Rico. Ich lebe in Hato Mayor, einer Provinzhauptstadt im Osten, ca. zwei Stunden von Santo Domingo, der Hauptstadt Jeder kennt hier praktisch jeden, wie in einem Dorf, wodurch es sich auch schnell herumgesprochen hat, dass ich hier bin. Öfter werde ich hier von Menschen gegrüßt, die ich eigentlich gar nicht kenne und was sich wohl noch nicht herumgesprochen hat ist, dass ich nicht aus den USA bin, denn oft werde ich “gringa “oder “americana” genannt. Meine Gastfamilie musste mir am Anfang praktisch alles erklären und ich bin dankbar, dass sie immer geduldig alles wiederholt hat, bis ich es verstanden habe. Ich glaube, ich habe echt Glück, dass keiner Englisch kann, sonst hätte ich nicht so schnell Spanisch gelernt. Jetzt nach 2 ½ Monaten verstehe ich eigentlich fast alles.

Meine Gastfamilie besteht aus meinem Gastvater, meiner Gastmutter und drei Gastschwestern, die 8, 15 und 16 Jahre alt sind. Meine 16-jährige Gastschwester Massiel ist meine beste Freundin geworden. Leider wird sie im Januar nach Santo Domingo gehen, um in Amerikas ältester Universität Buchhaltung zu studieren und uns nur noch an manchen Wochenenden besuchen kommen.

Zum Thema Studieren fällt mir meine Schule, Collegio Nuestra Señora del Carmen, ein. Eine katholische Schule, ca. zehn Minuten zu Fuß von meinem Haus entfernt. Sie wird von Nonnen geleitet und hat viele Regeln, die man sich in Deutschland nicht vorstellen könnte: Es gibt eine Schuluniform, die für Mädchen aus einem braunen Rock, einer braunen Weste und einer ockerfarbenen Bluse besteht, Jungs tragen eine braune Hose und ein ockerfarbenes Hemd, dazu weiße Socken und schwarze Schuhe. Gleich am Eingang ist ein 3 m hohes metallisches, schwarzes Tor, auf beiden Seiten eine Betonmauer mit Zaun und an der Tür steht immer ein Mann, der Acht gibt, dass keiner reingeht, der nicht rein soll. Um 7.30 Uhr fängt der Unterricht für die älteren Klassen an, zu denen ich mich zählen kann, um 8.00 Uhr beginnen die Kleineren. Auf dem Weg zum Raum steht oft eine Nonne, die kontrolliert, dass alle die Uniform tragen, ob sie sie richtig tragen und dass die Fingernägel der Mädchen unlackiert sind. Wenn wir im Raum sind, beten wir das Vaterunser und noch andere katholische Gebete, die mehr pflichtbewusst aufgesagt als gebetet werden. Es gibt immer einige, auch Lehrer, die träumen oder mit Leuten über irgendetwas anderes reden. Dann wird eine Stelle aus der Bibel vorgelesen und der Unterricht beginnt ca. um 7.40 Uhr. Um 8.00 Uhr klingelt die Glocke wieder, es erschallt die Nationalhymne und die Kleineren betreten, Klasse für Klasse und getrennt nach Mädchen und Jungen, das Schulhaus. In dieser Schule gibt es alles, vom Kindergarten bis zur Abschlussklasse. Ich bin in “4 to Bachillerato”, der letzten Klasse. Man beginnt hier die Schule zwischen  dem Alter von einem und vier Jahren, hat dann vier Klassenstufen, geht danach bis in die 8. Klasse, worauf weitere vier Klassen bis zum „Bachillerato“ folgen, wie das Abitur hier heißt. Seltsam für mich ist, dass viele Schüler schon mit 15 oder gerade 16 Jahren die Schule beenden und studieren gehen. Es scheint mir außerdem sehr, als ob die Universitäten hier eher Berufsschulen ähneln.

Letzte Woche war ich mit AFS auf dem Pico Duarte, dem mit 3098 m höchsten Berg des Landes und der ganzen Karibik. Am ersten Tag musste ich um 5.00 Uhr morgens los zum Bus. Als wir um 6.30 Uhr in Santo Domingo ankamen, mussten wir zwei Stunden warten, bis andere Austauschschüler kamen. Wir waren im Haus einer Betreuerin, haben Kaffee bekommen und zugesehen, wie sie Brote machte, durften aber nicht helfen. Als so gegen 9.00 Uhr endlich die ersten Leute kamen, begann das große Erzählen, wie es allen so ergangen ist. Dann sind wir in Busse gestiegen und losgefahren. Wir sind am Fuße des Pico Duarte angekommen, in einem Haus neben einem Fluss, wo wir auf dem Boden schlafen mussten und es keine Dusche gab. Aber es war trotzdem schön...Am nächsten Tag, nach einer harten Nacht, mussten wir um 3.30 Uhr aufstehen und um 6.00 Uhr losgehen. Es war ein harter Weg und ging ständig steil nach oben, meine Beine taten weh und es war kein Ende in Sicht. So gegen 15.00 Uhr waren wir dann endlich da, fertig mit der Welt, aber glücklich, sowie mit schönen Fotos von der Landschaft und von einem Kolibri.

Auf 2500 m Höhe war es kalt, doch wer denkt auch daran, viele warme Kleidungsstücke in die Karibik mitzunehmen? Am Abend saßen wir dann am Lagerfeuer und um 8.00 Uhr hieß es, schlafen zu gehen, da wir am nächsten Tag wieder um 5.00 Uhr aufstehen sollten. Für mich begann dieser Tag damit, dass ich aufgewacht bin und mir kalt und übel war. Nach dem Frühstück saßen wir am Feuer und besprachen die Tagesplanung. Es ging mir immer schlechter und plötzlich fiel ich in Ohnmacht  - wegen Unterzuckerung. Irgendwann bin ich aufgewacht, bekam einen Lolly in den Mund geschoben und wurde irgendwelche Sachen gefragt. Ich habe dann Zuckerwasser bekommen und durfte schlafen. So gegen 9.00 Uhr wurde ich dann auf einen Maulesel gesetzt und wir sind ins Tal hinab geritten. So gegen 12.30 Uhr kamen wir am Fluss an, dessen Quelle ich zuvor bei „Agüta Fria“ gesehen hatte. Gegen 15.00 Uhr kamen einige Wanderer vorbei und wir setzten uns im Kreis auf den Boden, haben unser letztes Essen geteilt und ich schaute mir Fotos vom Pico an. Um 21.00 Uhr kamen dann die Anderen an und wir haben eine kleine Feier am Lagerfeuer gemacht, auf dem Feuer gekocht, Flusswasser getrunken und auf Klos gesessen, die man nicht mal Plumpsklo nennen kann. Es war ein Loch im Betonboden, vielleicht 20 x 20 cm groß, mit einer ca. 7 cm hohen “Mauer“ drum herum. In den nächsten Tagen haben wir eine andere Gruppe getroffen, waren wieder im Fluss, haben mit den Arbeitern dort Volleyball gespielt und Spanferkel gegessen. Auf dem Rückweg erreichten wir Santo Domingo erst um 20.00 Uhr und kamen für eine Nacht in eine andere Gastfamilie, weil der letzte Bus schon weg war. Hier merkte man den Unterschied zu meiner Gastfamilie: Diese Familie war wesentlich reicher, ich hatte sogar ein Bett für mich alleine, was ich in meiner Gastfamilie zum Beispiel nicht habe. Dort schlafe ich nämlich in einem Hochbett, oben meine zwei älteren Gastschwestern und unten ich mit meiner kleineren Gastschwester. Doch die Finnin, die in dieser Gastfamilie gelebt hat, konnte dafür praktisch kein Spanisch, weil ihre Gastfamilie Englisch konnte und dies auch konsequent gesprochen wurde. Ich musste einige Male sagen, dass ich bitte Spanisch reden will.

Wie froh war ich dann, als ich endlich wieder in meinem Dorf ankam, frische Kleidung anziehen konnte und wieder alle Leute gesehen habe, die ich so kannte. Außerdem hatte ich ein Paket aus Deutschland mit Schokolade und Gummibärchen erhalten.
Mein Dorf hat vielleicht nicht viel, was man tun kann, doch ich liebe es und die Leute hier. Wenn ich alles schon nach einer Woche so vermisse, will ich gar nicht wissen, wie es sein wird, wenn ich nach Deutschland zurückkomme…