Ich bin jetzt seit gut vier Monaten hier in Italien auf Sardinien. Es ist so schön und traumhaft wie ich es mir vorgestellt habe und gleichzeitig doch ganz anders.
Als ich am 05.09.2008 um 12:00 Uhr ins Flugzeug nach Rom stieg, hatte ich eine klare Vorstellung von Italien und „den Italienern“: offen, freundlich, herzlich, immer gut drauf, liebevoll, locker, relaxt…Sonne, Strand und Meer! Doch bald schon musste ich feststellen, dass diese Vorstellung, die doch so fest in meinem Kopf gewesen ist, so nicht existiert. Es hat mich etwas Zeit und Mühe gekostet, mich auf die „wirklichen Italiener“ einzulassen und meine Vorstellung zu ändern. Doch die Erfahrung, ein Land und seine Menschen wirklich und hautnah kennen zu lernen, ist ein tolles Gefühl.
Ich war sehr überrascht, wie schnell man sich doch in einem fremden Land und einer fremden Umgebung mit fremden Menschen einleben und an sie gewöhnen kann. Viele Dinge, die zu Beginn neu und ungewöhnlich waren, sind mittlerweile Normalität für mich geworden. Dass ich beispielsweise auch samstags zur Schule gehen muss, war anfangs ungewöhnlich, doch mittlerweile ist es total normal für mich. Oder dass ich in Italien nicht viel zum Frühstück essen würde und auf mein morgendliches Nutella-Brötchen verzichten müsste, konnte ich mir anfangs gar nicht vorstellen. Jetzt ist es normal für mich, morgens Kekse oder Plätzchen zu essen.
Mein ganzer Tagesablauf sieht hier etwas anders aus. Mein kleines, aber schönes Haus steht auf einem großen Grundstück mit großem Garten. Hier wohne ich mit meiner Mama, meinem Papa und meinem kleinen Bruder. Mein großer Gastbruder ist zurzeit in den USA und verbringt dort sein Austauschjahr. Da mein Haus sehr abseits gelegen ist von meinem kleinen Dorf mit 5.000 Einwohnern, bringt mein Papa mich morgens immer bis zur Bushaltestelle. Mit dem Bus fahre ich dann ca. zehn Minuten in den nächstgelegenen Ort, wo meine Schule ist.
Die Schule in Italien ist sehr anders. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass die Lehrer die ganze Stunde ununterbrochen reden und die Schüler mehr oder weniger mitschreiben. Auch, dass man bei sechs Stunden Unterricht nur eine Pause von zehn Minuten hat, klang anfangs hart. Mein „Tutor“ meinte damals zu uns: „Macht euch keine Sorgen und wartet erstmal die ersten zwei Wochen ab. Ihr werdet hier bestimmt mehr Pausen haben als in euren Heimatländern.“ Und er sollte Recht behalten. Die Stunden sind durch viele Unterbrechungen wie Gespräche mit dem Lehrer oder auch dem Sitznachbarn und durch Diskussionen unterbrochen. Super ist, dass wir hier nie länger als sechs Stunden Unterricht haben, dementsprechend bin ich immer um 14:00 Uhr Zuhause.
Nach der Schule lernen die meisten Schüler für die Schule, machen Hausaufgaben oder ruhen sich aus bzw. schlafen. Erst ab 18:00 Uhr geht’s dann mit Freunden meistens wieder raus in eine Bar oder den „Piazza“. Dort sitzt man zusammen, oft spielt jemand Gitarre und man unterhält sich über Themen wie Klamotten, Marken, Haare (ein sehr großes Thema), den letzten Discobesuch oder den Freund bzw. die Freundin. Auch Politik ist hier ein großes Thema unter Jugendlichen, wer zum Beispiel „Faschist“ bzw. „Kommunist“ ist oder dergleichen.
Ich war anfangs ziemlich perplex, wie viele Jugendliche hier rauchen, um nicht zu sagen, dass hier so gut wie jeder raucht. Auch unter den Erwachsenen. Die Italiener habe ich als sehr gewohnheitsliebende Menschen kennen gelernt. So weiß beispielsweise jeder, in welcher Bar oder Piazza er bestimmte Personen auf jeden Fall treffen kann. Auch meine Freunde und ich haben hier „unsere Bar“, in die wir so gut wie immer gehen. Es ist ein schönes und lustiges Gefühl, wenn die Barleute einen kennen und nicht mehr fragen, ob man Cappuccino mit Kakao oder ohne möchte.
Eines der schönsten Erlebnisse hier für mich ist zu sehen, wie viele Menschen aus aller Welt unterschiedliche Sprachen, andere Gewohnheiten und unterschiedliche Ansichten haben und sich dennoch verstehen und verständigen können. So viele Unterschiede, aber gleichzeitig auch so viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich finde es super, wenn meine Freundin aus den USA erzählt, wie verrückt und groß alles ist und wir versuchen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Europa und Amerika herauszufinden.
Ich habe hier sehr gute und wichtige Freunde aus aller Welt gefunden, die für mich besondere und außergewöhnliche Menschen sind. Sie alle sind mir sehr ans Herz gewachsen und wir haben immer eine Menge Spaß zusammen. Das Gefühl von Akzeptanz und Respekt untereinander und für die andere Kultur, aber auch ganz persönlich als Mensch ist unbeschreiblich schön. Die Erfahrung, dass in einem doch eigentlich so fremden Land, so viele Menschen da sind, die sich um dich kümmern, immer für dich und deine Probleme da sind, dir zuhören und die dich und deine Ängste verstehen, gibt unheimlich viel Vertrauen.
Eine der schönsten Dinge hier auf Sardinien ist für mich das Meer. Es ist einfach toll, für einen Spaziergang ans Meer zu gehen. Im Sommer ist das Wasser hier kristallklar und man kann an vielen Stellen bis auf den Grund gucken.
Die Art der Italiener, Dinge erst einmal auf sich zukommen zu lassen und nicht alles zu planen, schätze ich sehr und habe sie glaub ich auch schon etwas übernommen. Zukünftigen AFSern möchte ich mit auf den Weg geben: Macht auf jeden Fall diese tollen und einzigartigen Erfahrungen selbst! Man lernt ein Land und seine Bewohner auf eine ganz besondere Weise kennen. Viele Dinge, die ich hier erlebe, kann ich nicht in Worte fassen, weil sie einfach zu außergewöhnlich und einzigartig sind.
Ich hoffe, dass ich noch sechs weitere schöne Monate hier auf Sardinien haben werde und dass die Zeit genauso schön weiter geht, wie sie begonnen hat.
Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mir dieses Abenteuer und diese Erfahrungen ermöglicht haben. Danke an AFS für die tollen Vorbereitungen und die tolle Unterstützung vor und während meines Jahres hier. Danke auch an alle Firmen und/oder Unternehmer, die mich mit Geldstipendien unterstützt haben!
Miriam, Italien 2008/09
|
|
Tja, die erste habe ich schon anklingen lassen - Ich bin noch sehr unentschlossen, wie lange ich nach Italien gehen soll! Ein Jahr, so wie du, kommt mir irgendwie sehr lang vor... Vor allem, weil ich nicht weiß, wie das dann mit meiner Schule hier in Österreich aussehen würde- wegen Klasse wiederholen und so. Wie hast du denn das gemanagt? Hast du dich gleich von Anfang an zum Wiederholen entschlossen, oder hast du dich irgendwie anders durchgeboxt?:-)
...Derzeit tendiere ich deswegen eher zu 3, bzw. 5 Monaten. Aber irgendwie kommt mir diese Zeit widerrum sehr kurz vor! Vor allem, weil ich wirklich die Sprache lernen möchte. Ich habe in meiner Schule, einer AHS, nun das 2te Jahr Italienisch, und weiß nicht, inwiefern diese Sprachkenntnise ausreichen, um s...