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CHINA: Oft ist China immer noch ein Rätsel für mich

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Geschrieben von: Marc, China 2008/09   

China – das Land der Mitte. Über meinen Aufenthalt hier könnte ich so vieles erzählen.
Mittlerweile lebe ich schon über drei Monate hier, in einem neu errichteten Bezirk der Millionenstadt ChongQing. In dieser Zeit  konnte ich bereits feststellen, dass die Chinesen in meinem Bezirk gut Geld verdienen. ChongQing ist eine Stadt, die momentan ihr Leben im Scheinwerferlicht Chinas genießt. An mein chinesisches Leben, den Alltag und die Leute hier habe ich mich schon gewöhnt. Ich habe allerlei Spezialitäten ausprobiert, mache jeden Tag neue Erfahrungen und lerne neue Menschen kennen. Mir scheint es hier nie langweilig zu werden.

Momentan haben hier gerade die langen Ferien begonnen und das Frühlingsfest steht vor der Tür. Es werden viele Vorbereitungen getroffen, Reisen mit der Familie unternommen und große Treffen veranstaltet. Letzte Woche war ich mit AFS auf einem Kulturtrip in Yunnan. Yunnan ist eine besondere Provinz, da sie die deutlichsten kulturellen und geographischen Unterschiede Chinas repräsentiert. Ich stand auf dem eiskalten Yulong Snow Mountain, ging im Stone Forest Park spazieren, schaute mir Tempel an und und und und. Eine beeindruckende Reise, die ich mit tollen Leuten und Erinnerungen verknüpfe.

Ich konnte mir während einer zehnstündigen Autofahrt ein Bild von der ländlicheren Seite ChongQings machen. Deutliche Unterschiede prägten sich mir ein. Menschen, die abgeschottet von jeglicher Zivilisation, ohne Elektrizität oder warmes Wasser leben. Viele von ihnen arbeiten den ganzen Tag auf dem Reisfeld.

Nächste Woche werde ich mit meiner Gastfamilie und meinen Gastgroßeltern nach Hunan fliegen, dem Geburtsort Mao Zedongs. Ich freue mich schon sehr darauf.

Ich kann gar nicht aufzählen wie viel sich für mich hier schon verändert hat. Neben den ganzen tollen Orten und Menschen, die ich jetzt schon kennen gelernt habe, sind da auch diese ganz persönlichen Momente. Ich mag es, die chinesische Sprache zu benutzen und mit Essstäbchen zu essen. Ich finde es immer noch aufregend, mit dem Bus nach der Schule über eine Stunde nach Hause zu fahren. Ich gehe gerne mit meiner Gastmutter Filme kaufen und genauso gerne bin ich mit meiner Gastfamilie bei Freunden und Verwandten zu Besuch. Ich werde gern anderen Leuten vorgestellt. Manchmal macht es mir Spaß,  die Rolle des ahnungslosen Ausländers zu spielen. Mir gefällt es, meinen Gastgroßeltern die englische Sprache beizubringen. Es gibt so viele Dinge, die ich aufzählen könnte. Aber der Punkt dabei ist, dass es mein Austauschjahr generell ist, das ich so toll finde. Dass ich mich dazu entschlossen habe, meine Koffer zu packen, „Auf Wiedersehen“ zu sagen und nach China zu gehen.

Oftmals ist China aber immer noch ein einziges Rätsel für mich. Es gibt Dinge, die ich als Ausländer wahrscheinlich niemals ganz verstehen werde, aber die mir als Austauschschüler immerhin schon mal sehr nahe gebracht werden, was als einfacher Tourist kaum möglich wäre.

Was ich nicht mag, kann ich schlecht sagen. Manchmal habe ich  Probleme mit dem Essen oder der allgemeinen Hygiene der Chinesen in der Öffentlichkeit. Aber das sind Probleme, die für mich kaum von Bedeutung sind. Wenn man mal einen „schlechten“ Tag hat, können einem die Blicke der Chinesen ganz schön auf die Nerven gehen. Obwohl ich hier ja schon über drei Monate lebe, werde ich teilweise sehr auf der Straße angestarrt. Manchmal werde ich von wildfremden Leuten nach einem Foto oder der Handynummer gefragt. In Deutschland sind wir es doch gewohnt, Asiaten auf der Straße zu begegnen, aber umgekehrt ist das hier eben wieder ganz anders.

Mit meiner Gastfamilie habe ich wirklich sehr viel Glück. Mein Gastvater hilft mir, wo er nur kann. Mein Gastbruder schläft unter der Woche in der Schule und kommt nur am Wochenende nach Hause. Aber da jetzt Ferien sind, können wir mehr Zeit miteinander verbringen. Mit meiner Gastmutter verbringe ich aber die meiste Zeit. Sie ist eine sehr lustige und aufgeschlossene Frau. Trotz der Sprachbarierre verstehen wir uns alle sehr gut. Die ganze Familie hilft mir mit dem Lernen der chinesischen Sprache.

Die Monate gehen hier leider viel zu schnell vorbei. Ich sehe mich schon wieder am Flughafen stehen und ein weiteres Mal „Auf Wiedersehen“ zu den Menschen sagen, die ich während den letzten zehn Monaten in mein Herz geschlossen habe. Aber jetzt genieß ich erstmal die restlichen Monate, die ich hier noch habe und lebe in den Tag hinein.


Liebe Grüße aus ChongQing, China
Marc, China 2008/09

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