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NORWEGEN: Die Berge haben mich immer fasziniert

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Geschrieben von: Lisa, Norwegen 2008/09   
Ich heiße Lisa, bin inzwischen 17 Jahre alt und u. a. DANK OSTSEEWELLE, die zu einem nicht unerheblichen Teil diese Reise sponsern, seit dem 1. August 2008 eine AFS-Austauschschülerin in Norwegen.
Aber eigentlich begann alles schon viel früher: Im November 2007 nahm ich an einem Auswahlwochenende teil und bekam im Anschluss daran zu meiner großen Freude und Überra-schung einen Festplatz zugewiesen. Danach erfolgte noch einmal die Länderauswahl und bereits vor Weihnachten wusste ich, dass mein Wunsch, Skandinavien kennenzulernen, wahr werden würde. Zusammen mit anderen AFSern durchlief ich verschiedene Camps, um somit für das Jahr gewappnet zu sein. Aber was es damit wirklich auf sich hat, das erfährt man erst, wenn man mitten drin steckt.
Nach den Abschiedsbesuchen in der Verwandtschaft und der Good-bye-Party zuhause, fuhr unsere Familie am 31. Juli 2008 nach Berlin, wo ich mich am nächsten Morgen von allen ver-abschieden musste. Ich flog erst einmal von Berlin nach Frankfurt/Main, wo sich alle AFS-Leute trafen, um dann zusammen nach Oslo zu fliegen. Dort angekommen wurden wir vom dortigen AFS empfangen und unseren Regionen zugeteilt. Ich fuhr nach Skjeberg, einem Ort südöstlich von Oslo. Ich war den ganzen Tag so aufgeregt, denn die meisten trafen ihre Gast-familien schon in Skjeberg und sind dann mit ihnen zusammen nach Hause gefahren. Für mich war das nicht der Fall, da meine Gastfamilie vier kleinere Kinder hat und somit nicht so lange Autotouren unternehmen kann, was ich gut nachvollziehen konnte. So bin ich mit einer anderen Gastfamilie ein großes Stück bis Elverum gefahren, von wo aus ich alleine noch eine einstündige Busfahrt bis Trysil zu absolvieren hatte, wo ich von meinem Gastvater in Empfang genommen wurde.  Zu diesem Zeitpunkt war ich schon sehr müde, aber gleichzeitig auch sehr aufgeregt. So unterhielt ich mich nach meiner Ankunft im neuen Zuhause erst noch ein wenig mit Mama und Papa, bevor sie mir dann mein Zimmer zeigten, wo ich meine erste Nacht als Gasttochter verbringen konnte. In dieser Gastfamilie habe ich jedoch nur zwei Wochen gelebt, habe in dieser Zeit das erste Mal Blaubeeren gesammelt, einen imposanten Wasserfall gesehen und meine erste Schulwoche erlebt.
In der Schule lief es aus meiner Sicht gleich sehr gut, meine Klasse hatte keine Probleme, mit mir auf Englisch zu reden und so auch Kontakte zu knüpfen. Nach der anstrengenden Schul-woche stand dann der erste Gastfamilienwechsel an. Ich habe im darauf folgenden Monat ganz viel erlebt und kann mich besonders daran erinnern, dass mich die Berge immer fasziniert haben, wann auch immer ich dort wandern gegangen bin. Ich lernte sehr viele Menschen kennen und muss sagen, dass die nordische Mentalität wirklich eine andere ist. Hier ist es nicht so stressig, vielleicht auch, weil die Bevölkerungsdichte mit ungefähr 2,2 Personen pro km2 sehr gering ist. Inzwischen habe ich auch die schulischen Unterschiede zur Kenntnis genommen. Der größte Unterschied ist wohl die Einstellung der Schüler. Ich war sehr erstaunt, wie gering in Norwegen der äußere Leistungsdruck ist, hier wird gelernt, weil man lernen will.
Doch irgendwann ist all das Neue nicht mehr neu und nach ungefähr zwei Monaten setzt dann der wirkliche Alltag ein. Und wie von AFS vorhergesagt, geht damit die erste riesige Heim-wehwelle einher. Anfang Oktober habe ich dann auch erfahren, dass ich ein zweites Mal die Gastfamilie wechseln würde. In der nächsten Zeit hatte ich außer meinem dreistündigen, ers-ten Telefonat mit meiner Familie an meinem Geburtstag kaum Kontakt mehr nach Deutschland. Aber wie die schönen Zeiten gehen auch die „Heimweh-Zeiten“ nach einer Weile zu Ende und schließlich habe ich wieder angefangen, Emails nach Hause zu schreiben und Anfang November auch meine Geburtstagspost beantwortet.
In der schweren Zeit ist es ganz besonders toll, Kontakt zu Leuten zu haben, die das Gleiche erleben. Jetzt verstehe ich auch, warum das erste AFS-Übernachtungsfest Mitte Oktober war. Auf solchen Festen haben alle immer viel Spaß, ich habe mich mit meinen Freunden über die Heimweh-Probleme unterhalten und wurde zum größten Teil verstanden.
Regelrecht überrascht haben mich die Unterschiede in der sprachlichen Entwicklung. Es gab wirklich schon Leute, die sich ununterbrochen und nur auf Norwegisch unterhalten haben. Mein Norwegisch war zu der Zeit schon ziemlich gut, doch trotzdem, auch wenn ich fast alles verstehen konnte, war ich nicht in der Lage, mitzureden. Es ging einfach alles zu schnell. Das hieß für mich, dass ich üben musste. Ich habe noch lange Zeit danach auf Deutsch gedacht, allerdings automatisch auf Norwegisch geredet, egal, welche Sprache mein Gegenüber gesprochen hat. Eigentlich ist das sehr verwirrend. Am 14. November habe ich das erste Mal ohne Nachdenken auf Norwegisch gezählt. Auch das gerollte „r“ stellte für mich eine lange Zeit ein Problem dar. Nach vielem Üben gelingt es mir nun, das hier gerollte „r“ in einige Wörter einzubringen.
Ende November zog ich ein weiteres Mal um. Die folgende Zeit wurde sehr schwierig für mich, allerdings hatte ich nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken. Zumeist hetzte ich von Termin zu Termin, doch versuchte natürlich auch, meine neuen Gasteltern kennen zu lernen. Meine Gastgeschwister wohnen nicht mehr zuhause, doch nach einer stressigen Weihnachtszeit mit vielen Auftritten (ich singe im Østby Sangkor, einem lokalen Chor), konnte ich sie endlich kennenlernen.
Meine Schule hatte vor den Weihnachtsferien einen Schulball geplant, doch unglücklicherweise konnte ich daran nicht teilnehmen, weil ich krank wurde. Aber bis zum 24. Dezember war ich ein Glück wieder fast gesund und konnte dann auch das gute Essen („Rippe“, das ist Schweinefleisch) zusammen mit meinen Gasteltern, meinen drei Gastgeschwistern, zwei Gastonkeln und Gasttante sowie Oma genießen.
Eine sehr große Überraschung war für mich die Anzahl der Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Wir waren ja 10 Leute, die Geschenke haben wollten, aber ein bisschen zu viele waren es schon. Als ich dann noch erfuhr, dass man alle einzeln auspackt, wurde mir klar, dass dies ein wirklich langer Abend werden würde.
In den folgenden Tagen stand Skifahren auf dem Programm. Und bald bemerkte ich auch, dass es mir deutlich an Kondition fehlte, denn ich konnte einfach nicht mit meiner Gastfamilie mithalten. Aber Übung macht den Meister, so bin ich zwischen dem 25. Dezember und dem 5. Januar bestimmt 60 km Ski gefahren. Auf der Rückfahrt von einer dieser Skitouren sah ich auch meine ersten zwei Elche, was ich unbedingt noch einmal erleben möchte, denn Elche sind so schöne Tiere.
Silvester traf sich die ganze Familie bei meiner Oma, wo natürlich sehr viel gegessen und, was für mich neu war, Rätsel gelöst wurden. Ich fand den Abend sehr schön, doch wie erwartet holte mich das Heimweh dann doch noch ein und es flossen ein paar Tränchen. Aber ich sehe meine Familie ja schon dieses Jahr wieder.
In den nächsten Tagen folgten Neujahrsessenseinladungen auf Neujahrsessenseinladungen, wodurch die Erholung mächtig auf sich warten ließ. Inzwischen hat der Alltag mich wieder, die nächsten Ferien kommen erst Ende Februar, doch bis dahin warten noch verschiedene AFS-Treffen auf die „Awayees“.
Natürlich vermisse ich hin und wieder meine Familie zuhause, doch ich denke, das ist völlig normal. Ich genieße die Zeit hier trotzdem mehr und mehr und durch den wachsenden Sprach-schatz kommen auch mehr Kontakte zustande. Ich habe meine Fühler ausgestreckt und bereits so viele Pläne für die noch verbleibende Zeit geschmiedet, dass ich bald befürchten muss, die Ferien werden zeitlich nicht ausreichen. So möchte ich zum Beispiel unbedingt einen Trip nach Trondheim oder nach Bergen wagen. Aber davon werde ich dann in meinem nächsten Bericht erzählen…

Bis dahin verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen und den besten Wünschen für die Ostseewelle!

Lisa, Norwegen 2008/09

Stipendiatin Ostseewelle

NIEDERLANDE: Ein lekker Stipendium Drucken

Julia Fünf Monate Niederlande, das bedeutet für mich fünf Monate flaches, grünes Land, jeden Tag acht Kilometer mit dem Fahrrad zur Schule “fietsen”, Hagelslag und Pindakaas (Brot mit Erdnussbutter und allen erdenkbaren Sorten Schokostreuseln) , Stamppot, Zwarte Piet und Sinterklaas, Kanäle und Grachten, Amsterdam, “lekker gezellig”, “kopje thee met koekje dabij”, HEMA und Albert Heijn, ständig neue Leute aus allen Teilen der Welt kennenlernen und noch so vieles mehr und doch kann ich es noch nicht richtig in Worte fassen...

Seit dem 24. August 2007 lebe ich zusammen mit meiner amerikanischen Gastschwester Lizz bei einem älteren Ehepaar, das selbst schon zwei erwachsene Kinder hat, in Wageningen, Gelderland. Meine Gasteltern arbeiten beide sehr viel; deshalb hatte ich vor allem am Anfang Schwierigkeiten, wirklich mit ihnen in Kontakt zu kommen. In den ersten Monaten gab es deswegen auch immer wieder Probleme, aber wir geben uns alle Mühe und mittlerweile unterhalten wir uns viel und unternehmen Dinge gemeinsam. Meine Gasteltern sind echt lieb und ich bin ihnen wirklich dankbar, dass ich bei ihnen leben darf.

Viele Deutsche denken, dass es zwischen den Niederlanden und Deutschland nicht so sehr viele Verschiedenheiten gibt, aber es ist meiner Meinung nach schon anders und es macht Spaß, diese kleinen Unterschiede zu entdecken.

DEN Niederländer gibt es natürlich genauso wenig wie DEN Deutschen, aber man kann auch nicht wie Prinses Máxima in einer Rede letzten September behaupten, die niederländische Identität bestehe nicht. Niederländer rühmen sich ihrer Toleranz und Offenheit, doch eigentlich bin ich in dieser Hinsicht bisher (leider) eher auf etwas gestoßen, was man mit Gleichgültigkeit umschreiben kann. Immigranten werden geduldet, aber ansonsten wird genauso wie in Deutschland (und sogar noch schlimmer) gegen den Islam gehetzt und alles den Marrokanern und Türken und neuerdings auch den Polen in die Schuhe geschoben. Niederländer sind radikal zu allem und jedem und zudem so direkt, dass es manchmal fast beleidigend ist.

Doch was ist niederländisch? Ganz sicher Sinterklaas, was am 5. Dezember gefeiert wird und schon Wochen vorher begeistertes “Pepernoten-Gooien” in der Schule und sonstwo auslöst (Pepernoten sind kleine halbkugelförmige Kekse, die ein bisschen wie Pefferkuchen schmecken und sich besonders gut zum Werfen und darauf ausrutschen eignen). Kleine Kinder verkleiden sich als Zwarte Piets (Sinterklaas Helfer) und am dritten Sonnabend im November kommen die beiden mit dem Schiff in den meisten Häfen der Niederlande an, denn die Sage besagt, dass Sinterklaas und Zwarte Piet jedes Jahr aus Spanien angesegelt kommen, um den Kindern ihre Geschenke in die Schuhe zu stecken. Böse Kinder werden in einen Sack gesteckt und wieder zurück nach Spanien genommen...
Lizz und ich haben diese ganzen Sinterklaasfeierlichkeiten sehr genossen und freuen uns schon auf Koniginnendag am 30. April.

Am Anfang hat es mich große Mühe gekostet, mit den Menschen in meiner Umgebung auch wirklich aktiv Niederländisch zu sprechen, weil jeder sofort beginnt, Englisch zu sprechen, wenn er weiß, dass man nicht aus Holland ist. Aber mit ein bisschen Beharrlichkeit waren meine Mitschüler und auch alle anderen dazu zu bringen, durchgehend Niederländisch zu sprechen, weil man es anders ja nicht lernt. Meine Gastfamilie unterstützt Lizz und mich sowieso konsequent, Niederländisch zu sprechen und wir beide sprechen inzwischen auch untereinander  in der neuen Sprache.
Man kann natürlich behaupten, dass Niederländisch und Deutsch sich nicht so sehr voneinander unterscheiden, aber ich finde, das trifft nur bedingt zu. Es gibt sehr viele Wörter, die nur gleich klingen, aber etwas ganz anderes bedeuten und auch viele Laute werden anders ausgesprochen. Lustig war anfangs, dass hier alles “lekker” sein kann: man kann lekker zu Hause bleiben, lekker schlafen, auch mal lekker essen und wenn jemand ein “lekker ding”ist, bedeutet das, dass er oder sie besonders anziehend oder attraktiv ist...

Ich treffe viele neue Leute, auch weil mein Gatvater, der an der Universität Wageningen arbeitet, oft Austauschstudenten zum Abendessen (in Holland meist schon 18.00 Uhr oder früher! Und natürlich “lekker gezellig”, gemütlich!) einlädt.
In der Schule ist es ein bisschen schwieriger, richtig gute Freunde zu finden, denn am Anfang haben unsere Mitschüler sich zwar für Lizz und mich interessiert, doch nachdem Dinge wie Name, Herkunft und wie es uns in den Niederlanden gefällt, ausgetauscht waren, auch schnell wieder in Ruhe gelassen. Doch zum Glück wird es jetzt jeden Tag ein bisschen besser; ich habe Leute, mit denen ich mich unterhalten und zur Schule fahren kann.
Ansonsten habe ich wirklich gute Freunde durch AFS, die mich wirklich verstehen und mit denen man tolle Dinge anstellen kann. Und Lizz und ich sind beinahe wie Schwestern geworden, die sich einmal schrecklich auf den Keks gehen können und sich ein andermal sehr gut verstehen.

Mit richtig großem Heimweh hatte ich noch nicht zu kämpfen; nur manchmal vermisse ich ein bisschen vertraute Orte, Menschen, Abläufe. Aber ein Austauschjahr soll ja schließlich auch nicht so wie zu Hause in Deutschland sein.
Und auch wenn ich mal sehr selten frustriert oder verzweifelt wegen etwas bin, liegt trotzdem über allem ein positives Grundgefühl. Ich bin wirklich gerne hier!

Diese Monate im Ausland haben mich verändert; ich würde nicht behaupten, unbedingt erwachsener geworden zu sein, aber anders. Ich lerne, mich auf Menschen einzulassen und werde selbstständiger. Mein Jahr ist das, was ich daraus mache und ich hoffe, dass ich noch fünf weitere schöne Monate haben werde!

DANKE!!!

Zwischenbericht von Julia Babiel
Niederlande 2007/2008
Gefördert durch Alumni des AFS-Jahrgangs 1965
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