Hola! Heute vor genau 4 Monaten hieß es, die letzten Dinge in den Koffer packen und auf geht es zum Flughafen nach Frankfurt. Das Flugzeug startete, in wenigen Stunden, in einen neuen Lebensabschnitt. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie aufgeregt ich war, da ich nicht wusste was in den nächsten Monaten auf mich zukommen würde. Ein anderes Land, eine neue Kultur, eine andere Sprache und eine neue Familie, von der ich vorher nicht mehr als ein paar Daten und ein Foto kannte… ´ Nach der Ankunft in Paraguay fuhren wir zunächst in ein mehrtägiges "Arrival-Camp". In dem Camp wurden wir dann noch mal auf ein paar Dinge vorbereitet und uns wurden typische Sachen Paraguays vorgestellt. Zum Beispiel Tereré, das traditionelle Getränk, oder etwas über die Geschichte des Guaraní…
Am Ende des Camps wurden wir von unseren Familien abgeholt - wir konnten es kaum erwarten! Die Aufregung wurde immer stärker… Als mein Name aufgerufen wurde und mir gesagt wurde, dass meine Familie da ist, konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen und vor lauter Aufregung wäre ich fast geplatzt. Natürlich hat man auch etwas Angst sofort in ein Fettnäpfchen zu treten, die Familie nicht zu verstehen oder etwas falsch zu machen. Dann stand ich ihnen gegenüber: Meiner Gastmutter Mónica, meiner Gastschwester Kemly und meinem Gastbruder Khalil. Meinen Gastvater Ale lernte ich erst später kennen.
Die Autofahrt in mein neues Zuhause war die Seltsamste, die ich bis jetzt erlebt habe. Man sitzt mit fremden Personen in einem Auto, die eine andere Sprache sprechen und man weiss, dass man mit diesen Leuten die nächsten 11 Monate zusammen leben wird. Mit der Verständigung klappte es aber gut, da Kemly Englisch spricht und ich bereits ein paar Spanischkenntnisse hatte. Ich war überglücklich und konnte es gar nicht glauben, dass ich nun in Paraguay bei meiner neuen Familie bin.
An dem darauf folgenden Montag fuhr ich dann zum ersten Mal mit meiner Gastmutter zu meiner zukünftigen Schule, dem "Colegio San José", um mich bei der Schulleiterin vorzustellen und die Schuluniform für mich zu kaufen. Ich wusste bereits, dass ich mit Kemly in dieselbe Klasse kommen werde. Als die Klassenkameraden mitbekamen, dass ich dort war, konnten sie nicht mehr abwarten mich zu sehen und schrieen alle meinen Namen. Ein wirklich komisches Gefühl… Dann gab es erstmal für jeden ein Küsschen, rechts und links auf die Wangen, welches hier zur Begrüßung üblich ist. Mein erster Schultag war sehr spannend, jeder ist sehr interessiert und man wird erstmal über alles Mögliche ausgefragt, und in meiner Schuluniform fühlte ich mich sehr wohl.
In den nächsten Wochen lernte ich meine Familie, das Haus und die Umgebung besser kennen. Ich kannte den Tagesablauf und lebte mich schnell ein. Ich bin die erste Austauschschülerin in dieser Familie, ich weiß, dass ich großes Glück habe, hier wohnen zu dürfen und bin dafür unendlich dankbar. Zuerst schaute ich immer nur zu, wie die Dinge hier ablaufen, doch mit der Zeit wurde ich immer sicherer. Das Haus ist sehr groß, jeder hat sein eigenes Zimmer inklusive Bad und es gibt einen Garten voller Blumen mit Pool.
Als ich zum ersten Mal "Guaraní", die 2. Landessprache gehört habe, klang es für mich, als hätte jemand eine ganze Packung Kaugummi im Mund. In meiner Familie wird es nicht viel gesprochen, jedoch unter den Angestellten oder in den Strassen. Die Worte werden oft mit dem Spanischen gemischt, aber man kann es schon unterscheiden. Ich kenne bis jetzt nur ein paar Worte in Guaraní, vermute jedoch nicht, dass ich noch viel mehr davon lernen werde, da die Aussprache einfach zu kompliziert für mich ist und ich dafür viel Zeit bräuchte.
Nach einem Monat in Paraguay hatten wir dann ein " Orientation Camp" in Ykua Sati. Dort trafen die ganzen Austauschschüler noch mal alle zusammen und man konnte die bis dahin gesammelten Erfahrungen austauschen. Es war schön Alle wieder zu sehen und zu hören, was die Anderen so erlebt haben. Es ist echt unglaublich, wie schnell die Zeit hier vergeht und wie viel man in kurzer Zeit erleben und lernen kann.
Mein Leben in Paraguay ist komplett anders als in Deutschland. Momentan habe ich Schulferien. Meinen Tagesablauf kann ich derzeit nur schwer beschreiben, da er oft variiert. Morgens gehe ich meistens in ein Fitnessstudio mit Kemly, meiner Gastschwester, um sportlich etwas aktiv zu sein. Dann gibt es "Almuerzo", das ist das Mittagessen. Danach treffe ich mich oft mit Freunden oder mache etwas, wozu ich Lust habe. Es gibt immer etwas zu tun und es wird nie langweilig. Später am Tag, um ca. 17 Uhr, gibt es noch das "Merienda", sozusagen eine Zwischenmahlzeit und das Abendessen nennt man "Cena". An Wochenenden geht man oft aus.
In Weihnachtsstimmung bin ich durch die Hitze im Moment aber noch nicht, obwohl man hier auch viele Dinge zur Adventszeit kaufen kann. Weihnachten werde ich dieses Jahr in Brasilien verbringen. Am Donnerstag, den 6. Dezember 2007, fahre ich mit meiner Familie nach Camboriu (Brasilien) um dort mit ihnen, bis nach Weihnachten, Urlaub zu machen. In Camboriu machen wohl die meisten Paraguayer Urlaub, jedoch meistens erst im Januar. So wird es jetzt im Dezember noch nicht so viele Paraguayer dort geben.
Paraguay ist für mich nun wie ein zweites Zuhause. Ich fühle mich wohl bei meiner Familie und bin froh (Gast-)Geschwister zu haben. Ich denke, dass dieses Land viel von Argentinien und Brasilien beeinflusst wird, jedoch behält es dabei immer noch seine eigene Kultur und Traditionen… Man bekommt immer neue Eindrücke vom Leben und man wird täglich um Erfahrungen reicher.
Ich wünsche euch allen eine schöne Weihnachtszeit und möchte mich an dieser Stelle offiziell bei AFS Hamburg und allen bedanken, die dieses Auslandsjahr ermöglichen. Herzlichen Dank an AFS und die Bürgerstiftung Krefeld für die beiden Stipendien, ohne die mein Vorhaben nicht möglich gewesen wäre. Außerdem geht ein ganz großes Lob an AFS für die mentale & verbale Unterstützung und uns Mut zu geben, offen für Neues zu werden. Ihr seid super!
Liebe Grüsse aus der Hauptstadt Paraguays Sally, Paraguay 2007/08
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| PARAGUAY: Wie ein zweites Zuhause |
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Hola! Heute vor genau 4 Monaten hieß es, die letzten Dinge in den Koffer packen und auf geht es zum Flughafen nach Frankfurt. Das Flugzeug startete, in wenigen Stunden, in einen neuen Lebensabschnitt. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie aufgeregt ich war, da ich nicht wusste was in den nächsten Monaten auf mich zukommen würde. Ein anderes Land, eine neue Kultur, eine andere Sprache und eine neue Familie, von der ich vorher nicht mehr als ein paar Daten und ein Foto kannte… ´ Nach der Ankunft in Paraguay fuhren wir zunächst in ein mehrtägiges "Arrival-Camp". In dem Camp wurden wir dann noch mal auf ein paar Dinge vorbereitet und uns wurden typische Sachen Paraguays vorgestellt. Zum Beispiel Tereré, das traditionelle Getränk, oder etwas über die Geschichte des Guaraní… Am Ende des Camps wurden wir von unseren Familien abgeholt - wir konnten es kaum erwarten! Die Aufregung wurde immer stärker… Als mein Name aufgerufen wurde und mir gesagt wurde, dass meine Familie da ist, konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen und vor lauter Aufregung wäre ich fast geplatzt. Natürlich hat man auch etwas Angst sofort in ein Fettnäpfchen zu treten, die Familie nicht zu verstehen oder etwas falsch zu machen. Dann stand ich ihnen gegenüber: Meiner Gastmutter Mónica, meiner Gastschwester Kemly und meinem Gastbruder Khalil. Meinen Gastvater Ale lernte ich erst später kennen. Die Autofahrt in mein neues Zuhause war die Seltsamste, die ich bis jetzt erlebt habe. Man sitzt mit fremden Personen in einem Auto, die eine andere Sprache sprechen und man weiss, dass man mit diesen Leuten die nächsten 11 Monate zusammen leben wird. Mit der Verständigung klappte es aber gut, da Kemly Englisch spricht und ich bereits ein paar Spanischkenntnisse hatte. Ich war überglücklich und konnte es gar nicht glauben, dass ich nun in Paraguay bei meiner neuen Familie bin. An dem darauf folgenden Montag fuhr ich dann zum ersten Mal mit meiner Gastmutter zu meiner zukünftigen Schule, dem "Colegio San José", um mich bei der Schulleiterin vorzustellen und die Schuluniform für mich zu kaufen. Ich wusste bereits, dass ich mit Kemly in dieselbe Klasse kommen werde. Als die Klassenkameraden mitbekamen, dass ich dort war, konnten sie nicht mehr abwarten mich zu sehen und schrieen alle meinen Namen. Ein wirklich komisches Gefühl… Dann gab es erstmal für jeden ein Küsschen, rechts und links auf die Wangen, welches hier zur Begrüßung üblich ist. Mein erster Schultag war sehr spannend, jeder ist sehr interessiert und man wird erstmal über alles Mögliche ausgefragt, und in meiner Schuluniform fühlte ich mich sehr wohl. In den nächsten Wochen lernte ich meine Familie, das Haus und die Umgebung besser kennen. Ich kannte den Tagesablauf und lebte mich schnell ein. Ich bin die erste Austauschschülerin in dieser Familie, ich weiß, dass ich großes Glück habe, hier wohnen zu dürfen und bin dafür unendlich dankbar. Zuerst schaute ich immer nur zu, wie die Dinge hier ablaufen, doch mit der Zeit wurde ich immer sicherer. Das Haus ist sehr groß, jeder hat sein eigenes Zimmer inklusive Bad und es gibt einen Garten voller Blumen mit Pool. Als ich zum ersten Mal "Guaraní", die 2. Landessprache gehört habe, klang es für mich, als hätte jemand eine ganze Packung Kaugummi im Mund. In meiner Familie wird es nicht viel gesprochen, jedoch unter den Angestellten oder in den Strassen. Die Worte werden oft mit dem Spanischen gemischt, aber man kann es schon unterscheiden. Ich kenne bis jetzt nur ein paar Worte in Guaraní, vermute jedoch nicht, dass ich noch viel mehr davon lernen werde, da die Aussprache einfach zu kompliziert für mich ist und ich dafür viel Zeit bräuchte. Nach einem Monat in Paraguay hatten wir dann ein " Orientation Camp" in Ykua Sati. Dort trafen die ganzen Austauschschüler noch mal alle zusammen und man konnte die bis dahin gesammelten Erfahrungen austauschen. Es war schön Alle wieder zu sehen und zu hören, was die Anderen so erlebt haben. Es ist echt unglaublich, wie schnell die Zeit hier vergeht und wie viel man in kurzer Zeit erleben und lernen kann. Mein Leben in Paraguay ist komplett anders als in Deutschland. Momentan habe ich Schulferien. Meinen Tagesablauf kann ich derzeit nur schwer beschreiben, da er oft variiert. Morgens gehe ich meistens in ein Fitnessstudio mit Kemly, meiner Gastschwester, um sportlich etwas aktiv zu sein. Dann gibt es "Almuerzo", das ist das Mittagessen. Danach treffe ich mich oft mit Freunden oder mache etwas, wozu ich Lust habe. Es gibt immer etwas zu tun und es wird nie langweilig. Später am Tag, um ca. 17 Uhr, gibt es noch das "Merienda", sozusagen eine Zwischenmahlzeit und das Abendessen nennt man "Cena". An Wochenenden geht man oft aus. In Weihnachtsstimmung bin ich durch die Hitze im Moment aber noch nicht, obwohl man hier auch viele Dinge zur Adventszeit kaufen kann. Weihnachten werde ich dieses Jahr in Brasilien verbringen. Am Donnerstag, den 6. Dezember 2007, fahre ich mit meiner Familie nach Camboriu (Brasilien) um dort mit ihnen, bis nach Weihnachten, Urlaub zu machen. In Camboriu machen wohl die meisten Paraguayer Urlaub, jedoch meistens erst im Januar. So wird es jetzt im Dezember noch nicht so viele Paraguayer dort geben. Paraguay ist für mich nun wie ein zweites Zuhause. Ich fühle mich wohl bei meiner Familie und bin froh (Gast-)Geschwister zu haben. Ich denke, dass dieses Land viel von Argentinien und Brasilien beeinflusst wird, jedoch behält es dabei immer noch seine eigene Kultur und Traditionen… Man bekommt immer neue Eindrücke vom Leben und man wird täglich um Erfahrungen reicher. Ich wünsche euch allen eine schöne Weihnachtszeit und möchte mich an dieser Stelle offiziell bei AFS Hamburg und allen bedanken, die dieses Auslandsjahr ermöglichen. Herzlichen Dank an AFS und die Bürgerstiftung Krefeld für die beiden Stipendien, ohne die mein Vorhaben nicht möglich gewesen wäre. Außerdem geht ein ganz großes Lob an AFS für die mentale & verbale Unterstützung und uns Mut zu geben, offen für Neues zu werden. Ihr seid super! Liebe Grüsse aus der Hauptstadt Paraguays Sally Kowalski (Paraguay 2007/08)
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