Mein Auslandsjahr ist jetzt zu Ende, in zwischen gehe ich wieder seit drei Wochen zur Schule und auch sonst hat mich der Alltag wieder in Beschlag genommen. Deshalb wollte ich in diesem Abschlussbericht noch einmal Resümee ziehen, meine Erinnerungen und Gedanken sammeln und mich vor allem auch einmal bei ihnen als mein Stipendiengeber ganz herzlich bedanken. Ohne sie hätte ich mir dieses wunderbare Jahr wahrscheinlich finanziell nicht ermöglichen können und ich finde es super dass sie junge Leute so unterstützen. Also noch einmal vielen Dank.
Seit meinem letzten Bericht im Januar habe ich noch ein paar tolle Monate in Polen erlebt. Da Bielsko-Biala in den Bergen liegt, war ich im Winter noch Ski fahren. Aber auch bei uns war der Winter leider nicht besonders lang.
Zu Ostern war es dann aber noch einmal sehr kalt gewesen. Ostern ist in Polen das wichtigste Fest im Jahr, noch wichtiger als Weihnachten. Deswegen möchte ich dieses Fest ein bisschen genauer beschreiben. Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, die Leute gehen mit geschmückten Zweigen in die Kirche und lassen diese während der Messe vom Pfarrer segnen.
Am Gründonnerstag gehen dann alle zur letzten Messe in die Kirche, denn Karfreitag ist der einzige tag in Jahr an dem die katholische Kirche keine heilige Messe feiert. Dabei wird das kurz enthüllt, welches während der gesamten Fastenzeit mit einem Tuch bedeckt war und der Laib Christi wird in Form der Oblaten zu Grabe getragen. In der Karwoche ist der Altarraum in den Kirchen wunderschön dekoriert. Mit viel Aufwand wird der Berg Golgatha mit dem Kreutz und das Grab Christi zum Teil mit echten Steinen nachgebildet. Von dieser Zeit an bis Sonnabend in der Nacht, zur Ostermesse beten Ministranten, Diakonen und Priester ununterbrochen vor dem Grab Christi.
Früh am Ostersamstag, gehen besonders die Kinder mit geschmückten Körbchen in die Kirche, um diese segnen zu lassen. Hinein gehören Brot, Wurst, Salz, Eier, ein Osterlamm und vieles mehr. Diese gesegneten Speisen werden dann am Ostersonntag gemeinsam zum Frühstück gegessen. In der Nacht von Samstag zu Sonntag geht man dann zur eigentlichen Ostermesse in die Kirche, diese Messe dauert zwei bis drei Stunden. Es wird das Feuer und das Wasser geheiligt, das heilige Abendmahl wird seit Donnerstag zum ersten Mal wieder verteilt und viel gesungen. Besonders das Halleluja. Es ist ein tolles Erlebnis, wenn nach der eher freudlosen Zeit der Fastenzeit zum ersten mal wieder dieser Freudensgruß gesungen werden darf.
Mit dem ,,Nassen Montag“ ("smingus dingus", sprich "Schminugs Dingus") endet die Osterwoche. An diesem Tag ist es Brauch, dass die Jungs die Mädchen mit Wasser begießen, oft auch mit ganzen Wassereimern. Ich denke das an warmen Frühlingstagen dieser Brauch bestimmt viel Spaß macht. Leider fing es bei uns genau an diesem Tag wieder an zu schneien und so fiel dieser schöne Brauch leider anders "ins Wasser", als gedacht...
Im Frühling war unsere Gemeinde in Bielsko Ausrichter des internationalen Kairo-Wochenendes, bei dem sich katholische Kirchengemeinden aus der ganzen Welt versammeln, so zum Beispiel auch aus Deutschland, England, Belgien, der USA oder aus dem Libanon. Das war eine tolle Gelegenheit, viele neue Freunde zu finden und auch mal wieder Deutsch zu sprechen. Ich konnte meine recht guten Polnischkenntnisse schon ein bisschen anwenden und habe für unsere Gäste aus Deutschland die Konferenz synchron übersetzt. Zum Glück stand ich mit dieser Aufgabe nicht alleine da, denn zwei Stunden am Stück zu übersetzen ist ganz schön anstrengend und ich glaube ein ganzes Wochenende hätte ich das nicht ausgehalten.
Neben den vielen Feiertagen und Veranstaltungen am Wochenende durften wir natürlich auch die Schule nicht vernachlässigen. Mein Polnisch hatte sich inzwischen soweit verbessert, dass ich im Unterricht nun problemlos folgen konnte. Bis zu den Sommerferien war die Zeit jedoch noch lang. Einmal haben wir dann mit meiner Klasse und noch ein paar Schülern von anderen Schulen nach Wrocław (Breslau) in die Oper gemacht. Das war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, weil ich vorher noch nie eine Oper besucht habe. Es wurde auf Italienisch gesungen, aber auf einer Leinwand ins Polnische übersetzt. Leider fand die Veranstaltung draußen statt und nach vier Stunden bei gerade mal fünf Grad waren wir alle ziemlich durchgefroren.
Das Schuljahr ging dann doch schneller vorbei als erwartet. Viel zu zeitig kam der Abschied von meiner Klasse, mein Polnischabschlusstest und die offizielle Verabschiedung der Schule. Diese war zwar nicht für mich sondern für diejenigen Schüler, welche im kommenden Jahr eine weitergehende Schule besuchen sollten. Aber ich nutzte diesen Anlass um mich einmal offiziell bei der Schulleitung und bei meinen Lehrern für das Jahr zu bedanken.
In den Sommerferien, die ich zum größten Teil schon in Deutschland verbrachte, hatte ich trotzdem immer einen guten Kontakt nach Polen, besonders weil meine beiden Gastschwestern zwei Wochen bei mir zu Hause verbrachten. Zum Ende der Ferien war ich dann noch einmal zwei Wochen in Polen. Unter anderem bei einer ,,Rekolekcja“ einem Ausflug unserer jungen Gemeinde für eine Woche. Danach ging es schon wieder nach Hause und am nächsten Tag ging´s gleich wieder zur Schule. Auch in diesem Jahr werde ich wohl weiterhin viel Kontakt mit dem Polnischen haben, denn Kasia, die jüngere meiner Gastschwestern, hat sich dafür entschieden, ein Jahr in Deutschland zu verbringen. Sie lebt jetzt während dieser Zeit bei mir und geht mit mir zusammen zur Schule. Ich hoffe, dass ihr Jahr genau so schön wird wie das meine.
Ich denke, dass ich in diesem Jahr auch einiges zur Verständigung zwischen Deutschen und Polen beigetragen habe. So haben mich zum Beispiel einige in Polen angesprochen und mir dafür gedankt, dass sie durch mich ein wesentlich besseres Bild von den Deutschen bekommen haben. Und auch jetzt zurück in Deutschland versiegt das Interesse nicht. Immer wieder muss von mein Jahr berichten und Vorurteile aus dem Weg räumen, aber das war ja auch mein Ziel.
Carolin, Polen 2007/08 Stipendiatin "Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
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