Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium

USA: Saure Gurken im Weihnachtsbaum?(Teil 2)

USA_Jennifer-Koch_Teil2_4_197In letzter Zeit hat sich zu meinem ersten Bericht viel geändert, auch zum Positiven.  Ende November war meine Fußballzeit leider vorbei. Dann hatte ich nach der Schule nichts mehr zu tun, denn das Wintersportprogramm fing erst im Dezember an. Das heißt einen Monat nichts zu tun. Das war schon ziemlich hart, besonders weil viele Amerikaner nichts nach der Schule unternehmen. Fragt man  jemand, dann bekommt man meistens als Antwort, ich muss arbeiten. Ich will hiermit aber niemanden abschrecken, dass wenn man nach Amerika geht, man keine Freunde hat und wenn man nicht in einem Team ist, nichts zu tun hat. Das kann sein, muss aber nicht, ich glaube, es hängt auch damit zusammen, wo man sich in Amerika befindet.

Wie auch immer, den November habe ich auch rumbekommen. Ich muss gestehen, der Monat hat mir nicht besonders zu meiner Figur geholfen. Ich hatte über die letzten Monate eigentlich nicht zugenommen (zumindest haben mir noch alle Sachen gepasst), aber im November waren es dann doch schon 5 Pound mehr, das sind 2,5 Kilo! Das in einem Monat ist schon hart.

USA_Jennifer-Koch_Teil2_1_197Als wir dann Dezember hatten, habe ich mich dann schließlich für Fechten entschieden. Ich war mir nicht sicher, ob ich Fechten oder Basketball nehmen soll, das Einzige, was ich wusste ist, dass ich etwas machen möchte, damit ich was zu tun habe. Fechten macht einen Riesenspaß, ist aber auch ziemlich anstrengend. Ich glaube, Fechten ist der anstrengendste Sport, den ich jemals gemacht habe. Ich bin aber ziemlich gut darin, und mein Team hat mich auch herzlich aufgenommen. Ich werde dauernd von Leuten gefragt, wie lange ich schon fechte, ich sei doch so gut und einer von meinen Trainern hat mich auch gefragt, ob ich schon in Deutschland gefechtet hätte, da die Deutschen darin wohl ziemlich gut sein sollen. Ich fahre jetzt schon mit auf Turniere, was ziemlich cool ist. Das Schlimmste sind nur die Wochenendturniere. Da müssen wir schon um 7 Uhr morgens am Bus vor unserer Schule stehen. Das hat es echt in sich. Aber Spaß macht’s trotzdem.

Noch mal zurück zum Monat Dezember. Das war für mich einer der schwierigsten Monate. Vor allem der 24.12. Mein Problem war, dass ich hier Weihnachten am 25.12. gefeiert habe, was auch sehr schön war, aber am 24.12. war halt gar nichts los und mein Kopf hat mir gesagt, deine Familie in Deutschland sitzt jetzt zuhause und feiert Weihnachten ohne dich.  Meine Gastmutter hatte mir auch vorgeschlagen, mit meinen Eltern zu telefonieren und frohe Weihnachten zu wünschen. Das war ein Fehler. Ich habe mich natürlich riesig gefreut mit ihnen zu telefonieren, doch das hat mit ein ziemlich großes Heimweh gegeben. Das war der große USA_Jennifer-Koch_Teil2_2_197Nachteil. Ich glaube auch, dass das meiner Familie in Deutschland Sehnsucht nach mir gegeben hat, da sie mich nicht bei sich hatten und mein Anruf sie daran noch einmal dran erinnert hat. Ja, das war mein Größtes down in diesem Jahr.

Am 25.12. haben wir dann hier am Morgen Weihnachten gefeiert und das war sehr, sehr schön. Am Nachmittag sind wir zu den Eltern meiner Gastfamilie gefahren und haben dort weitergefeiert. Ach, zum Thema Weihnachten fällt mir gerade etwas ein, wovon ich noch nie was gehört habe: Anfang Dezember, wenn alle über Weihnachten reden, fragte mich meine Spanischlehrerin ob wir eine saure Gurke in unseren Weihnachtsbaum in Deutschland hängen. Ich weiß ja nicht, ob jemand das schon mal gehört hat, aber ich jedenfalls nicht. Ich guckte sie vollkommen erstaunt an und sie meinte, das wäre eine deutsche Tradition. Also ich habe davon noch nie etwas gehört. Das war schon ziemlich komisch. Also an alle, die in die USA wollen: Macht euch drauf gefasst, dass so eine Frage auftauchen könnte.

Im Januar hatte ich ein großes Erlebnis. Ich bin mit meiner Gastmutter nach Florida für zwölf Tage geflogen. Erst nach Naples und dann vier Tage in Orlando. In Orlando sind wir natürlich ins Disneyworld USA_Jennifer-Koch_Teil2_3_197gegangen. Das war soo cool. Es ist echt unglaublich. Ich war im Magic Kiongdom und in Epcot. Epcot geht über die verschiedenen Länder. Unter anderem ist auch Deutschland dargestellt - aber eben so, wie sich Amerikaner Deutschland vorstellen: Männer in Lederhosen und Frauen in traditionellen Kleidern, und zum Essen gibt es natürlich Bratwurst mit Sauerkraut. Doch da war auch ein Geschäft, ein Weihnachtsgeschäft. Ratet mal, was ich dort gesehen habe. Genau! Einen Weihnachtsbaum, voll mit sauren Gurken! Als Kommentar wurde dort rangeschrieben, dass ALLE Deutschen eine Gurke an ihren Weihnachtsbaum hängen und dass eine jahrelange Tradition hat. Ah ja, das sollte ich ja dann vielleicht mal in Deutschland einführen. Habt ihr davon schon einmal gehört? Disney war schon ein sehr schönes Erlebnis. In Naples haben wir in einer Wohnung im 4. Stock direkt am Meer gewohnt. Dort habe ich sogar Delfine gesehen. Das war echt alles wie im Paradies. Echt schade, dass es so schnell vorbei war.

Eine wichtige Sache habe ich schon gelernt: Das Wichtigste in den USA ist, dass man nicht vergisst „Thank you“ zu sagen, so oft es geht. Erst recht, wenn die Gastgeber euch irgendwo hinbringen und euch Plätze zeigen. Das ist für Amerikaner zehnmal wichtiger als für uns Deutsche. Fragt mich nicht warum, das weiß ich auch nicht. Das war auch ein ganz großer Punkt, bei unserem letzten Orientierungsseminar. Ein anderer großer Punkt ist auch, dass man sich für gemachte Fehler unbedingt entschuldigt mit  „I am so sorry“. Aber NICHT ein „but“ dranhängen, auch wenn es einen Grund dafür gibt! Das hieße nämlich für die Amerikaner, dass du deine Entschuldigung zurückziehst und es dir eigentlich nicht leid tut, selbst wenn es tatsächlich so ist. Also, einfach nur „I am sorry“ sagen. Am besten so lange, bis die andere Person sich besser fühlt.

In der Schule läuft es bei mir ziemlich gut. Ich habe mich von As, Bs, und Cs auf nur noch A, A-, A+e hochgearbeitet, obwohl ich dazu sagen muss, das ich hier nicht besonders viel für meine Noten mache. Es ist hier doch schon ziemlich Einfach gegenüber Deutschland und ich komme nicht vom Gymnasium, sondern von einer Gesamtschule.

Ja, das war es auch eigentlich von mir, soweit gibt es jetzt nichts mehr Neues. Ich möchte noch mal der Kreuzberger Kinderstiftung Danke sagen, denn ohne diese könnte ich dieses wundervolle Jahr nicht genießen. An alle die noch ein Auslandsjahr vor sich haben: Genießt es und geht nicht mit zu viel Anforderungen ran, sonst seid ihr nachher enttäuscht und könnt euer Jahr nicht so schön genießen und merkt erst, wie schön es doch war, wenn es vorbei ist. Also denkt immer positiv! Vielen Dank an alle, welchen ich dieses Jahr zu verdanken habe. DANKE! Auch vielen Dank an den AFS für dieses schöne Jahr!!!!

An Alle die noch fahren, habt ein wundervolles Jahr!!!
Das ist das Beste was ihr jemals haben werdet.
Vielen Dank noch einmal an die Kreuzberger Kinderstiftung