Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium

BRASILIEN: Ich habe mich in Brasilien in die Leute und das Leben hier verliebt

Jetzt bin ich also schon seit fast 6 Monaten in Brasilien, genauer gesagt in der Nähe von Salvador, im Bundesstaat Bahia und es kommt mir wie gestern vor, als ich in meinem Zimmer in Deutschland saß und mir die Berichte von anderen ehemaligen AFSer durchgelesen habe. Träumend habe ich mir vorgestellt, wie toll es doch sein muss, selber so etwas zu machen.
Und ich muss euch sagen: Meine Träume sind in Erfüllung gegangen und ich habe es bis jetzt noch kein einziges Mal bereut, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Als mich meine Gastmutter, die mittlerweile wie eine richtige Mutter und gute Freundin für mich ist, mit meinen zwei Gastschwestern (14 und 16 Jahre alt) am Flughafen abgeholt hat, habe ich mich schon richtig wie Zuhause gefühlt. Klar, es ist am Anfang schon manchmal etwas komisch, da man seine neuen Familienmitglieder so gut wie gar nicht kennt, in eine neue Umgebung mit ganz neuen Angewohnheiten und Regeln geworfen wird und zu allem auch noch mit einer neuen Sprache zu kämpfen hat.Aber ich wurde hier nicht hineingeworfen und ein Kampf war es für mich zum Glück auch nie.
Meine neuen Familiemitglieder haben es mir sehr leicht gemacht, mich hier einzugewöhnen, denn wie alle Brasilianer sind sie offen, herzlich und von einer Wärme und Fröhlichkeit, die mich auch jetzt noch, nach Monaten überrascht! Egal, wo du hinkommst; du wirst immer herzlich empfangen, mit der Floskel *Tudo bem?*, was soviel wie *Alles klar?* bedeutet und einem Kuss auf die rechte, sowie auf die linke Wange. Das hat mich am Anfang etwas überrascht, denn man begrüßt so auch die Leute, die man zum Ersten Mal in seinem Leben sieht und deren Namen man nicht einmal kennt.

Ich habe in der ersten Woche noch Englisch mit meiner einen Schwester geredet, um die alltäglichen Dinge zu klären, aber danach dann nie wieder und ich würde euch auch davon abraten. Meine Schwester hat sich gleich am ersten Abend mit mir hingesetzt und mir alle möglichen Sachen aufgeschrieben, sie hat auch an Stuhl, Tür etc. Zettel mit den portugiesischen Begriffen angebracht und sie ist mit mir durch die Küche gelaufen und hat mir gleich die Wörter für Tasse, Teller, Gabel und Messer beigebracht. Bis ich dann allerdings Gabel und Messer nicht mehr verwechselt habe, sind fast 3 Monate vergangen;-)

In den meisten Haushalten ist es so, dass ein Hausmädchen für alles, was mit Haushalt zu tun hat, zuständig ist. Eure Unterwäsche müsst ihr allerdings selbst waschen! Anfangs habe ich mir die Beziehungen zwischen Hausmädchen und Familienmitgliedern wie in einem dieser alten englischen Filme vorgestellt: Das Hausmädchen schleicht still und wie ein Schatten im Haus herum, um die Familie ja nicht zu stören. Aber so ist das überhaupt nicht. Das Hausmädchen (ich mag diesen Begriff nicht, aber mir fällt einfach kein besserer ein) ist bei mir in der Familie schon so etwas wie ein Familienmitglied, auch wenn sie in der Regel nicht mit uns am Tisch isst. Sie isst meistens danach, aber es kam auch schon vor, dass sie mit uns gegessen hat, wenn z.B. noch ein Platz am Tisch frei war.
Wenn ich manchmal von der Schule komme und nichts zu tun habe, gehen ich in die Küche, unterhalte mich mit meinem Hausmädchen und helfe ihr, wo ich eben kann, weil ich das aus Deutschland so gewohnt bin. Und so habe ich unser Hausmädchen richtig lieb gewonnen. Sie ist immer da, unterhält sich mit mir und zeigt  mir Brasilien aus einer ganz anderen Sicht, aus ihrer Sicht. Das kann schockierend sein, ist aber sehr interessant und ich bin nicht nur hier, um die reichere Seite von Brasilien, sondern, um soviel wie möglich kennen zu lernen.

Es kann schon reizend sein, in eine Favela hineinzugehen, um eben mal eine ganz andere Seite Brasiliens kennen zu lernen, aber wenn eure Gastfamilie sagt, ihr sollt das nicht machen, dann macht ihr das einfach nicht! Denn eure Familie weiß, wie es hier zugeht und da solltet ihr dann einfach auf sie hören. Denn man sieht euch trotz sonnengebräunter Haut an, dass ihr nicht von hier seit.
Und es gibt Zeiten und Tage, an denen man den Ônibus nicht benutzen sollte; hält euch daran.Die meisten Brasilianer benutzen so gut wie nie den Bus, sondern werden immer gefahren. Eignet euch in solchen Situationen einfach die Sicht der Brasilianer an: Nur die Ruhe, das klappt schon! Vielleicht nicht in den nächsten 5 Minuten, aber in 2 Stunden dann ganz bestimmt;-)
Die Brasilianer sind einfach viel lockerer und gemütlicher als wir. Wenn sie dir sagen *au ja, das machen wir auf jeden Fall. Ich rufe dich an!*, dann heißt das noch lange nicht, dass das dann auch wirklich klappt. Da muss man dann oft noch mal nachhaken, aber irgendwann klappt das dann schon;-) Aber das lernt man alles bei genauem Hinschauen, keine Sorge.

Jetzt noch zu einem Thema, das wie in allen Ländern einen großen Teil des täglichen Lebens einnimmt. Die Schule.
Ich gehe auf eine Privatschule, da die staatlichen Schulen, zumindest in Bahia, nicht sehr gut sind. Ich muss eine Schuluniform, bzw. ein Schultshirt mit Jeans und Turnschuhen tragen, was ich aber ganz gut finde, da es  zeitsparend ist. Ich habe es mir hier angewöhnt, zu fruehstuecken, da das meine beiden Schwestern auch machen. Ich esse meistens nur Früchte und davon gibt es hier reichlich und zwar auch Sorten, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Sagt euch Umbu, Caju, Açaí etwas? Eben;-)
Zur Schule werde ich mit meinen beiden Schwestern von einem Chauffeur gefahren, hier Motorista genannt.
Meine Schule  ist relativ klein und der Unterricht unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland. Mittlerweile habe ich mich an den Lärmpegel gewöhnt, aber am Anfang haben meine Ohren doch oftmals um Hilfe geschrien, vor allem, weil ich ja noch so ziemlich nichts verstanden habe.
Habt ihr jemals euren Mathelehrer umarmt oder hat er euch schon mal einen Kuss auf den Kopf gegeben? Hier ist das ganz normal! Dein Lehrer ist auch dein Freund, den man umarmt, mit dem man scherzt und den man mit Vornamen anspricht. Mir gefällt dieser freundschaftliche Umgang viel mehr, aber manchmal bleibt dann da der Respekt ein bisschen zurück und bis der Unterricht dann endlich angefangen hat, vergehen schon mal 20 Minuten, mindestens.
Und so etwas wie mündliche Mitarbeit scheint es, zumindest an meiner Schule nicht zu geben, und deswegen ist es nicht soo schlimm, wenn man mal im Unterricht schläft. Da ihr aber als Austauschschüler da hin geht, würde ich euch dringend raten, das nicht zu machen, denn das finde ich doch etwas unverschämt.
Da man im Unterricht nicht so viel lernt bzw. die Bereitschaft nicht da ist, lernen die meisten Brasilianer zuhause und zwar relativ viel.
Aber keine Angst, am Wochenende steigen dann die Partys und die sind meiner Meinung viel besser, als die in Deutschland. Und die Brasilianer tanzen! Das ist der Wahnsinn. Da kommt man sich doch manchmal etwas untalentiert vor, aber die Brasilianer lachen dich nicht aus; sie sind gerne dazu bereit, dir zu helfen und auch wenn es nicht gleich so gut klappt: Nicht aufgeben, denn du wirst auch dafür geschätzt, etwas Neues auszuprobieren.

Ich habe mich in Brasilien in die Leute und das Leben hier verliebt und ich habe jetzt schon Angst davor, wieder abreisen zu müssen! Ein Jahr im Ausland ist eine wahnsinnig tolle Erfahrung, wenn auch nicht immer leicht. Aber man lernt soviel über sich, über das neue Land, die Menschen und die Traditionen dort. Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein Jahr im Ausland zu verbringen, dann macht es! Ihr werdet es nicht bereuen, glaubt mir!
Über eine Sache habe ich mir immer Gedanken gemacht, bevor ich nach Brasilien gekommen bin: Wie lange würde es dauern, bis ich Portugiesisch fließend sprechen könnte? Es ist ein schleichender, oft kaum bemerkbarer Prozess und für jeden bedeutet fließend sprechen etwas anderes: Der eine versteht darunter, die erste Unterhaltung ohne langes Nachdenken zu führen, der andere, ein Buch ohne Wörterbuch durchzulesen und wieder ein anderer ist erst zufrieden, wenn er sich grammatisch korrekt unterhalten kann.
Ich würde sagen, nach 3 Monaten konnte ich schon ein richtiges langes Gespräch, ohne weitere Schwierigkeiten, führen, aber auch noch heute fehlen mir teilweise Wörter und grammatisch korrekt rede ich auch noch nicht. Aber das kommt alles nach und nach. Und man lernt sehr viel, wenn man Bücher liest, die Serien im Fernsehen anschaut und einfach genau bei einem Gespräch zuhört. Das Wichtigste: Macht euch nicht verrückt!

Wenn ihr euch für ein Austauschjahr entscheiden solltet, wünsche ich euch auf jeden Fall ganz viel Spaß und viele neue und tolle Erfahrungen!
Bei Fragen könnt ihr mich auch gerne anschreiben, ich versuche dann, so schnell wie möglich zu antworten. Meine Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Liebe Grüße,
eure Iris