Schüleraustausch für ein halbes oder ganzes Jahr bei Bedarf mit Stipendium
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CHILE: Auch wenn nicht immer alles glatt läuft, haben die Chilenen immer noch ein Lachen im Gesicht

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Geschrieben von: Laura, Chile 2009/2010   
In einem Land mit offenherzigen Menschen, dem leckeren Essen und einer ganz anderen Lebensweise lebe ich jetzt schon mehr als 6 Monate.
Mit einem Stipendium von Carl Zeiss bin ich als Austauschschülerin mit dem AFS- Programm für 1 Jahr in Chile.

Als ich im Märzrz in Valdivia, einer 10 km vom Pazifik entfernten Stadt im Süden
Chiles angekommen bin, war alles noch etwas anders. Es war Sommer und ich verstand kein einziges Wort von dem, was die Menschen um mich herum sagten.
Als ich meine Gastfamilie kennenlernte, konnten wir uns nur schwer verständigen, da mein Gastvater als einziger ein paar Worte Englisch spricht aber ich wurde sehr herzlich in die Familie aufgenommen. Gleich am zweiten Tag blieb ich mit meiner Gastmutter allein zu Hause. Wir konnten uns nur mit Händen und Füssen unterhalten, abgesehen von den wenigen Worten, die ich bereits kannte.
Doch ich war von Anfang an begeistert, wie herzlich die Menschen mich empfangen haben. Da die Chilenen so freundlich und hilfsbereit sind, habe ich mich schnell in die Kultur und den Lebenstil integrieren können, und mit der Verständigung auf Spanisch habe ich heute so gut wie keine Probleme mehr.

Ansonsten ist hier alles ein bisschen anders:
Zur Begrüßung gibt sich jeder ein Küsschen auf die rechte Backe. Regeln und Ordnung gibt es nicht so viel wie in Deutschland. Am Wochenende kommen die meisten Chilenen nicht vor 14 Uhr aus dem Bett und zu Verabredungen kommt man hier grundsätzlich ungefähr 20 Minuten zu spät. Selbst der Humor ist ein anderer. Insgesamt ist man hier sehr viel gelassener als in Deutschland.
Wenn man sich verabredet, kann es sein, dass der andere noch weitere Freunde mitbringt. So kann es bei einer Verabredung von drei oder vier Freunden schnell zu mehr als zehn Personen kommen.  
Die Eltern der Freunde werden alle “Tia” (Tante) und “Tio” (Onkel) genannt.

Ich besuche hier in Valdivia eine Mädchenschule. Im Gegensatz zu Deutschland tragen alle Schülerinnen eine Schuluniform.
An meinem ersten Schultag kam ich total aufgeregt in meiner neuen Schuluniform in der Schule an. Als erstes wurde ich von der Direktorin höchst persönlich mit einem Küsschen auf die Backe begrüßt und zu meinem Klassenzimmer gebracht. Dort wurde ich von den 30 Mädchen ebenfalls mit einem Küsschen empfangen. Von Anfang an wurde ich in ihre Gemeinschaft aufgenommen.

Vor dem Unterricht gibt es jeden Tag  20 Minuten ein “Buenos días” bei dem die Nationalhymne gesungen und eine Geschichte erzählt wird. Was mich besonders in meiner Schule beeindruckt, ist der fast familiäre Umgang. Lehrer und Schuelerinnen machen Witze miteinander und man umarmt sich viel gegenseitig.

Mit meinen Freunden treffen wir uns meistens „en la casa“ oder gehen ins Stadtzentrum.
In der Stadt hoert man aus allen Ecken Reaggaeton-Musik und riecht den Geruch von frisch gebackenen Empanadas oder Sopaipillas.
Die Busse fahren mit offenen klappernden Türen durch die Stadt. Um mitzufahren stellt man sich nur an den Strassenrand und winkt, wenn ein Bus vorbeifährt.

Im Juni  habe ich mit anderen AFSern an einer Reise in den Norden Chiles teilgenommen. Mit dem Bus sind wir von der Haupstadt Santiago de Chile bis nach Arica im Norden gereist. Dabei haben wir eine Strecke von mehr als 2000 Kilometern zurückgelegt und haben unterschiedliche Klimazonen überschritten. Wir waren unter anderem im Valle de la Luna, einem Ort an dem man denkt, man würde auf dem Mond stehen, sind durch die Atacama-Wüste, die trockenste Wüste der Welt gereist und waren Sandboarden in den Dünen. Auch habe ich während dieser Zeit andere Austauschschüler aus der ganzen Welt kennengelernt und auch hier viele neue Eindrücke bekommen.  

Eine ganz andere Seite Chiles habe ich kennengelernt, als ich mit meinen Freunden an einem Hilfsprojekt für arme Menschen teilgenommen habe. Dort haben wir gemeinsam Campamentos (Unterkünfte) für Obdachlose gebaut. Diese Campamentos haben in der Regel die Größe von 3 x 3  Quadratmetern und besitzen keine Heizung, kein Licht und keine Toilette. Es ist eine wahnsinnige aber auch sehr erschreckende Erfahrung  zu sehen, wie diese Menschen unter diesen schwierigen Umständen leben.
Ausserdem geben wir in diesen Campamentos einmal woechentlich Englischunterricht fuer die Kinder. So versuchen wir ihnen den Weg zu mehr Bildung zu ermoeglichen, da sich ihre Eltern den Schulbesuch nicht leisten können.

Ich habe den Eindruck, dass die Chilenen das Leben um einiges unkomplizierter sehen.
Auch wenn nicht immer alles glatt läuft, haben die Chilenen immer noch ein Lachen im Gesicht.

Jetzt ist Winter. Es regnet sehr viel und es kann auch sehr kalt werden. Man kann auf den Märkten zusehen wie Handschuhe und Mützen für den Verkauf gestrickt werden. In den Hausern wird bei der Once (dem chilenischen Abendessen) vor dem Kamin gegessen, da die chilenischen Häuser gewöhnlich keine Heizung besitzen.
Anfangs fiel es mir nicht leicht mich an dieses kalte Wetter zu gewöhnen. In den Hausern bleibt es trotz Ofen relativ kalt und an vielen Tagen wurde in meiner Schule nicht einmal die Heizung aufgedreht, so dass wir alle mit Mütze und Schal im Unterricht saßen.

Am 21. September feierten wir die Fiesta Patria, den chilenischen Nationalfeiertag. Da die Chilenos sehr stolz auf ihr Land sind, ist das die größte Feier Chiles und an allen Haeusern hing die Chilenische Flagge aus dem Fenster. Überall wird “musica chilena” gehört, getanzt und es wird „comida chilena“ gegessen. So habe ich mit meiner Familie Alfajores, Empanadas, Anticuchos und andere Spezialitäten selbst gemacht. In meiner Schule haben wir den Chilenischen Nationaltanz “Cueca” getanzt. Mich hat es sehr beeindruckt, mit welcher Fröhlichkeit die Chilenen ihr Land feiern.

In den vergangenen Monaten habe ich sehr viele wertvolle Erfahrungen gemacht,
habe eine ganz andere Kultur kennen und schätzen gelernt und mich hier integrieren können. So konnte ich eine ganz neue Sicht auf die Welt gewinnen und auch mich selbst von neuen Seiten kennenlernen. Hier habe ich Freunde gefunden, die mich unterstützen und viele bewundernswerte Menschen kennengelernt.

Ich möchte mich nochmals herzlich bei der Firma Carl Zeiss dafür bedanken, dass sie mir mit dem Stipendium dieses einmalige Erlebnis als Austauschschülerin in Chile zu leben, ermöglicht hat.

Vielen Dank.
Und ich sag nur eins: ChiChiChi...LeLeLe...Viva Chile!!!

Laura, Chile 2009/10
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