THAILAND: In meinen Augen sahen einfach alle Thais gleich aus |
| Geschrieben von: Theresa, Thailand 2007/08 |
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Wenn ich könnte, würde ich diesen Bericht ganz einfach mit einem Lächeln beginnen! Oft sitze ich hier in Thailand auf der Veranda vor unserem Haus. Die Sonne scheint. Vögel zwitschern. In den Gärten der Nachbarn wiegen sich die Palmen langsam im Wind. Irgendwo läuft Musik. Menschen reden. Ein Kind schreit. Ein Auto kommt vorbei, die Hunde fangen an zu bellen. Ich erinnere mich an die ersten Tage in diesem fremden Land: Es war heiß, es gab lauter Gegensätze, und in meinen Augen sahen einfach alle Thais gleich aus. Diese Gegensätze fielen mir direkt auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel in Bangkok ins Auge. Ich sah riesige Gebäudekomplexe neben Ansammlungen von Blechhütten, deren Bewohner grade ihre Wäsche in dreckigen Flüssen wuschen. Auf den Strassen standen schwarze, glänzende, große Autos neben alten “TukTuks” im Stau, und so dreckig eine Kreuzung auch sein mochte, ein grosses goldenes Bild vom König fehlte nirgendwo! Die ersten Wochen in meinem neuen zu Hause waren vollkommen unwirklich, so anders war alles: Als ich am ersten Morgen aufwachte, wartete ein Teller Reis auf mich zum Frühstück. Das ich plötzlich eine Schuluniform tragen sollte, war ungewohnt. Und nach 4 Tagen schon war ich erstmal für eine Nacht im Krankenhaus, weil ich das Essen nicht vertrug! Trotz diesen anfänglichen Schwierigkeiten brauchte ich nicht sonderlich lange, bis ich mich in Kosum Pisai, meiner Stadt, die ganz genau in der Mitte des Isaans, des Nord-Osten Thailands liegt, eingelebt hatte, denn es gab so viele Menschen, die für mich da waren und Freude daran hatten mir ihre Welt zu zeigen und zu erklären! Der erste Schultag war überwältigend für mich. Da ich die erste Austauschschülerin an meiner Schule bin, sind alle sehr stolz darauf mich zu haben! Und so bekam ich eine 4 Stunden lange Begrüßungsshow! Die Schüler hatten extra Tänze einstudiert, haben gesungen und musiziert. Es war wirklich schön! Vor allem Thaitanz beeindruckte mich sehr; ganz viele Mädchen, die in wunderschönen glitzernden Kostümen und mit prachtvoll hochgesteckten Haaren, so leicht über die Bühne tanzen, dass es aussieht, als würden sie schweben! Ich mag meine Schule, Kosumwittayasan School, wirklich sehr gerne. Sie hat ca. 2000 Schüler und eine Klasse hat zwischen 40 und 60 Schüler. Die normale Schuluniform besteht aus einem langen blauen Rock und einer weißen Bluse. Die Jungen tragen ein weißes Hemd und eine beige Hose. Mittwochs ist allerdings “Pfadfindertag”, so dass alle Schüler eine Pfadfinderuniform tragen. Außerdem gibt es noch eine Sportuniform. Ich bin zwar Schülerin einer Klasse, habe aber von Anfang an einen eigenen Stundenplan, weil ich vor allem kulturelle Fächer, wie zum Beispiel Thaitanz, Thaimusik und Thaikunst lerne. Meine Lieblingsfächer sind Thaitanz, Früchte schnitzen und “Tam Kanum” (thailändische Süßigkeiten oder Snacks machen). Eine zeitlang hatte ich auch Thaiboxen! Die Leute auf meiner Schule sind alle super nett! Wenn ich irgendwo alleine sitze, kommen sofort Schüler und möchten mit mir reden! Freunde habe ich also wirklich schnell gefunden. Wobei Freundschaften doch sehr anders sind als in Deutschland. Meine Freunde treffen sich kaum außerhalb der Schule, weil sie alle so weit voneinander entfern wohnen, ihren Eltern auf den Reisfeldern helfen und zu dem noch viel lernen müssen. So ist, von den meisten thailändischen Jugendlichen, die Schule der Mittelpunkt ihres Lebens und der Ort, an dem man seine Freunde trifft. Thailändische Schüler lernen wirklich sehr viel. Viele von ihnen haben am Wochenende und unterhalb der Woche noch Extraunterricht (vergleichbar mit Nachhilfe in Klassengröße). Da die Schule erst um 16.00 Uhr aus ist, sitzt meine Schwester manchmal noch spät abends an ihren Hausaufgaben. Hobbies, Clubs und Vereine, wie man sie aus Deutschland kennt, gibt es hier beinahe gar nicht. Manchmal gehe ich nach der Schule noch Fußball spielen und meine Freunde, die in der Marching Band der Schule spielen, haben mich auch schon mal dahin mitgenommen, aber die meisten Thais haben keine Zeit für solche Dinge. Thais sind gerne mit der Familie zusammen. Sie schauen gerne gemeinsam Fernsehen oder Jugendliche spielen auch sehr viel und gerne Computer zu Hause. Ich denke auch, dass es eine große Rolle spielt, ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt. Denn davon hängt häufig ab, ob man reich ist, oder eher aus ärmeren Verhältnissen stammt. Meistens sind die Bewohner auf dem Land. Die Häuser vieler meiner Freunde bestehen aus Holz. Meine beste Thaifreundin schläft mit ihren Grosseltern und ihrem Bruder in einem Raum. Das ganze Haus hat nur 2 Räume, einen oben und einen unten. Die Toilette ist draußen und warmes Wasser gibt es nicht. Dies ist jedoch fast in jedem Thaihaus so. In Deutschland kann man sich solche Umstände nicht als “normal” vorstellen, jedoch ist dies die Art wie die meisten Familien auf dem Land leben. Meine Gastfamilie ist super. “Mae” und “Po” sind beide Lehrer. Meine Gastmutter unterrichtet an der Grundschule. Einige Tage bin ich auch mal mit ihr mitgegangen. Die Kinder waren unglaublich süß und haben jedes Mal vor Freude angefangen zu klatschen und zu hüpfen, als sie mich gesehen haben. So was kannte ich aus Deutschland gar nicht. Mit meinem Gastvater zusammen fahre ich jeden morgen in die Schule, denn er ist dort stellvertretender Direktor. Außerdem habe ich noch eine Gastschwester, die ein Jahr jünger ist als ich und einen Gastbruder, der aber schon in Khon Kaen studiert. Auf einer Autofahrt ans Meer haben meine Gasteltern mal aus Spaß gesagt, sie wollen, dass ich in dem Jahr alle 76 Provinzen von Thailand sehe! Es war zwar nicht gemeint, aber ich glaube, ich habe trotzdem schon sehr viele gesehen. Ich finde es super, dass meine Gastfamilie mit mir so viel reist! Im Oktober hatten wir einen Monat lang Ferien. Davon habe ich 10 Tage lang mit andern Austauschschülern einen Thaimassage-Kurs in Ayutthaya besucht. Danach fuhr ich mit meinen Gasteltern und noch weiteren Verwandten an den thailändischen Golf nach Rayong und Pattaya. Der Urlaub war witzig, und ganz anders, als Urlaub in Deutschland. Wir schliefen nämlich alle zusammen in einem Raum mit nur 2 Betten drinnen! Anschließend blieb ich spontan noch ein paar Tage in Bangkok bei meiner Tante und Cousine. Im November fuhren meine Gasteltern mit mir nach Chiang Mai und Chiang Rai, 2 Provinzen ganz im Norden Thailands und nach Loei, einer Provinz im Norden des Isaans. Ich glaube, sie wollten mir auch mal die bergigen Seiten des Landes zeigen, denn bei mir gibt es nur Reisfelder neben Reisfeldern, und ab und zu vielleicht mal einen See! Aber ich mag es trotzdem furchtbar gerne! Im Dezember war eine ganz besondere Woche für mich, die so genannte “Sportwoche”. In jeder Schule in Thailand findet sie einmal im Jahr statt. Jede Klasse wurde einer von 4 Farben zugeteilt. Wir waren “si muang” - lila. Wir hatten ein lila T-Shirt und statt Unterricht fanden an den Tagen nur Wettkämpfe statt! Es war überall gute Stimmung und alle feuerten ihre Farbe an! Donnerstags war dann der Höhepunkt dieser Woche: Eine Parade durch das Dorf. Für mich fing der Tag morgens um 5 Uhr an, denn da musste ich in der Schule sein um geschminkt zu werden. Gegen 7 Uhr war ich dann fertig: Meine Haare waren hochgesteckt und laut einem Freund trug ich 2kg Kopfschmuck. Mein Kleid war ein traditionelles Thaikleid in lila! Neben mir waren aber noch viele andere Leute geschminkt, die tanzten, cheerten, trugen Plakate und waren auch “Teil der Parade”. Wir starteten am anderen Ende des Ortes und die Parade endete dann auf dem Sportplatz der Schule, wo die Nationalhymne gesungen und Reden gehalten wurden. Es war total aufregend für mich! Mein Leben hier ist vollkommen anders als das in Deutschland. Alle Dinge, die mir vor 6 Monaten noch völlig fremd waren, sind mir nun vertraut, von Gesichtern, über Essen bis hin zur thailändischen Sprache. Ich fühle mich hier wohl! Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, bei allen Menschen, die mir dieses Jahr ermöglichen, mir Mut zusprechen, wenn ich es brauche. Dazu gehört z.B., sehr stark meine Afs-Advisorin, die imme für mich da ist. Aber das ist nur der Anfang. Die sehr guten Vorbereitungen in Deutschland und die Ansprechpartner in den AFS-Büros sowoh in Deutschland als auch in Thailand helfen mir sehr! Und ich möchte mich zusätzlich herzlich bei AFS für das Teilstipendium bedanken! Theresa, Thailand 2007/08 |
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