Ich sitze in der Schulbibliothek. Dies ist einer der wenigen Räume, die angenehm kühl sind. Ich denke an die Zeit zurück, doch an welche Zeit? Gerade mal fünf Monate bin ich hier und meine Thailand und seine Menschen zu kennen, obwohl ich genau weiß, dass ein Jahr viel zu kurz ist, um diese fremde Kultur jemals vollkommen kennen zu lernen. Doch habe ich schon einiges gelernt- ich denke also an die Zeit zurück, wo ich noch unwissend war.
Ich ging den Gang im Frankfurter Flughafen hinunter und wusste nur: “Jetzt bin ich alleine”, obwohl nur wenige Schritte hinter mir meine liebste Familie stand. Da fragte ich mich plötzlich zum ersten Mal, warum ich das Ganze eigentlich mache. Ein paar Tage später als ich meine Thai-Familie endlich kennen lernte, waren die Gefühle so vermischt, dass ich sie selbst kaum identifizieren konnte. Einerseits war ich überglücklich sie endlich zu sehen zwischen all den anderen Leuten, die mich abgeholt haben (ich konnte sie wirklich nicht unterscheiden!) aber andererseits wollte ich zurück nach Hause, nach Deutschland. Dieses neue Leben war so anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
Ich fing an das erste Heimweh zu überwinden, das ungewöhnliche Leben hier zu genießen und ich fing an zu lernen. Ich fing mein Leben tatsächlich neu an. Ich fing an sprechen, lesen, essen, ja, sogar richtig zu laufen lernen. Jeden Tag, selbst jetzt, wo die Hälfte der Zeit (schon) um ist, lerne ich neue Dinge. Heute z.B. habe ich gelernt, wie sehr ich an Käse hänge und wie man in Thai-Style zeichnet.
Allerdings lerne ich in der Schule nicht viel, was ich in der deutschen Schule gebrauchen kann. Nur durch überreden meiner liebenswerten Advisorin habe ich jetzt zwei Stunden Mathe die Woche. Sonst habe ich sehr viele sportliche und handwerkliche Fächer, wie zwei verschiedene Arten von Schwertkampf, Blumen aus Früchten schnitzen, Kochen, Thaitanz, Batik, Töpfern, ja, sogar Stricken. Die Lehrer sind alle ganz lieb zu mir, auch wenn ich sie nicht immer verstehe, denn Englisch sprechen die wenigsten. Aber manchmal schenken sie mir Süßigkeiten oder erwidern meinen Wai (Gruß). Denn sobald die Schülerinnen hier ihre LehrerInnen sehen, waien sie.
Und die gut 3000 SchuelerInnen auf meiner Schule sind genauso toll. Zwar kann es immer noch ganz schön nerven, wenn man mir ständig “I love you” hinterher ruft, aber gerne kommen auch wildfremde Mädchen (Jungen sind zu schüchtern, außer “Gatoeis”-Transvestiten) zu mir und vertreiben mir so die Langeweile. Es ist immer sehr lustig, weil sie nicht viel Englisch verstehen und ich nicht viel Thai. So müssen wir Hände und Füße zur Hilfe nehmen, aber es geht!
Also, in jeder Klasse gibt es ein paar solcher "Gatoeis"! Sie fühlen sich wie Mädchen, haben nur Freundinnen und manche schminken sich sogar. Am Anfang war es für mich sehr befremdlich, mich mit ihnen zu unterhalten, aber mittlerweile komme ich gut mit ihnen zurecht. Mit so vielem komme ich jetzt besser zurecht, mit meinem neuen Leben, ich liebe es!
Mein Schulweg:
Es ist noch keine sechs Uhr morgens, doch liege ich schon hellwach in meinem riesigen, doch harten Bett und lausche auf die Geräusche die mich umgeben. Da wird die Plane vom Nachbarladen hochgezurrt, irgendein Radio in der Nachbarschaf auf volle Lautstärke angeschaltet. “Nueng, song, saam,..-1,2,3,..”, der erste Pickup fährt durch das erwachende Dorf und preist seine Waren an. Hähne krähen, Hunde bellen, nein, eigentlich heulen sie, Geckos knattern (mir fällt kein besseres Wort für ihr Geräusch ein). Dann höre ich wie mein Gastvater das große Metalltor vor unserem Haus aufschiebt und den alten Pickup anwirft. Er fährt jetzt unsere sechs Kühe auf Weide.Ich sollte jetzt aufstehen, vor der Schule habe ich noch einiges zu tun. Irgendwo im Haus wuselt auch meine Gastmutter, die ich mit einem Wai begrüße, und Yui, meine 16-jaehrige Schwester, herum. Ich schlurfe die wenigen Schritte in die Küche und spüle das Geschirr vom Vortag. Habe ich ein Glück und finde ich keine tote Kakerlake im Spülbecken. Danach hocke ich mich auf den Boden (die Fliesen sind zum Glück immer schön kühl) und bügele meine Schuluniform; ein blauer, über die Knie reichender Rock und eine große, weiße Bluse mit eingenähtem Thainamen: ชฎาพร ชาวพงษ (gelesen: Chadaporn Chaopong). Das bedeutet in etwa “heilige Krone”. Aber ich werde meistens Mali genannt, “Jasmin”.
Nach dem duschen, wir haben sogar eine westliche Dusche neben dem üblichen Becken, wo man sich einfach eiskaltes Wasser über den Kopf schüttet, wird gefrühstückt: Klebereis mit Omelette oder irgendwas Fleisch oder Fisch Ähnlichem. Alles wird mit den Fingern gegessen und (das Meiste) ist einfach köstlich!
Wenn ich nicht mit meinen Schwestern auf dem Motorrad zur Schule fahre, muss ich dann langsam aufbrechen um den “Schulbus” noch rechtzeitig zu erreichen. Rod Song Taeo wird er genannt, der “Schulbus”. Es ist eigentlich eine Art Lieferwagen, mit zwei hinten eingebauten Bänken. Ich laufe also durch die staubigen Sträßchen, auf denen nun schon einiges los ist. Kleine, uniformierte Kinder, die zur Grundschule im benachbarten Dorf laufen oder, so wie ich, zum Rod Song Taeo. Dann sind da alte Thaifrauen in wunderschönen, allerdings dreckigen, Stoffen gekleidet oder weißen Blüten im Haar. Gebückt laufen sie herum und grinsen mich mit ihren betel-zerstümmelten Zähnen an. Auf dem Weg komme ich an unserem kleinen Tempel vorbei und das letzte Stück geht es durch die Reisfelder zur Hauptstrasse. Bald kommt dann der Song Taeo. Auf dem Schulweg habe ich meistens Glück und finde noch einen Sitzplatz, zwischen den anderen Schülern und manchmal gerne gut 20 Reissäcken. Auf dem Nachhauseweg sind alle Song Taeos aber immer so voll, dass manche Schüler sogar auf dem Dach sitzen. Ich stehe dann immer ganz außen, denn nach drinnen passe ich nicht, ich bin mal wieder zu groß.
In der Schule angekommen wird dann um acht Uhr die Nationalhymne gesungen. Alle 3000 SchuelerInnen stehen dann vor der Schule auf einem großen Rasenplatz. Die Sonne prallt, was alle verabscheuen, weil sie doch alle so gerne weiß wären. Wir stehen dann da also gut eine halbe Stunde herum und dann geht´s los zum Unterricht. Um halb vier nachmittags ist dann endlich schulschluß, aber wir bleiben oft noch länger oder viele haben Extraklassen. So sind wir manchmal erst um sechs Uhr zu Hause, kurz bevor es dunkel wird.
So, ich wünsche euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen ausgezeichneten Rutsch ins neue Jahr 2007!Ja, auch ich werde wohl meiner Gastfamilie ein wenig zeigen, wie man Weihnachten feiert, auch wenn in den Tagen so viel los sein wird, ich fahre u.a. nach Bangkok und hier ist ein großes Fest (was nichts mit Weihnachten zu tun hat). Aber ich freue mich schon sehr! Auf alles, auch auf das nächste Jahr, wenn ich wieder nach Hause komme. Obwohl ich momentan alles andere als Heimweh habe. Ich bin so glücklich.
THAILAND:
Ich sitze in der Schulbibliothek. Dies ist einer der wenigen Räume, die angenehm kühl sind. Ich denke an die Zeit zurück, doch an welche Zeit? Gerade mal fünf Monate bin ich hier und meine Thailand und seine Menschen zu kennen, obwohl ich genau weiß, dass ein Jahr viel zu kurz ist, um diese fremde Kultur jemals vollkommen kennen zu lernen. Doch habe ich schon einiges gelernt- ich denke also an die Zeit zurück, wo ich noch unwissend war.
Ich ging den Gang im Frankfurter Flughafen hinunter und wusste nur: “Jetzt bin ich alleine”, obwohl nur wenige Schritte hinter mir meine liebste Familie stand. Da fragte ich mich plötzlich zum ersten Mal, warum ich das Ganze eigentlich mache. Ein paar Tage später als ich meine Thai-Familie endlich kennen lernte, waren die Gefühle so vermischt, dass ich sie selbst kaum identifizieren konnte. Einerseits war ich überglücklich sie endlich zu sehen zwischen all den anderen Leuten, die mich abgeholt haben (ich konnte sie wirklich nicht unterscheiden!) aber andererseits wollte ich zurück nach Hause, nach Deutschland. Dieses neue Leben war so anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
Ich fing an das erste Heimweh zu überwinden, das ungewöhnliche Leben hier zu genießen und ich fing an zu lernen. Ich fing mein Leben tatsächlich neu an. Ich fing an sprechen, lesen, essen, ja, sogar richtig zu laufen lernen. Jeden Tag, selbst jetzt, wo die Hälfte der Zeit (schon) um ist, lerne ich neue Dinge. Heute z.B. habe ich gelernt, wie sehr ich an Käse hänge und wie man in Thai-Style zeichnet.
Allerdings lerne ich in der Schule nicht viel, was ich in der deutschen Schule gebrauchen kann. Nur durch überreden meiner liebenswerten Advisorin habe ich jetzt zwei Stunden Mathe die Woche. Sonst habe ich sehr viele sportliche und handwerkliche Fächer, wie zwei verschiedene Arten von Schwertkampf, Blumen aus Früchten schnitzen, Kochen, Thaitanz, Batik, Töpfern, ja, sogar Stricken. Die Lehrer sind alle ganz lieb zu mir, auch wenn ich sie nicht immer verstehe, denn Englisch sprechen die wenigsten. Aber manchmal schenken sie mir Süßigkeiten oder erwidern meinen Wai (Gruß). Denn sobald die Schülerinnen hier ihre LehrerInnen sehen, waien sie.
Und die gut 3000 SchuelerInnen auf meiner Schule sind genauso toll. Zwar kann es immer noch ganz schön nerven, wenn man mir ständig “I love you” hinterher ruft, aber gerne kommen auch wildfremde Mädchen (Jungen sind zu schüchtern, außer “Gatoeis”) zu mir und vertreiben mir so die Langeweile. Es ist immer sehr lustig, weil sie nicht viel Englisch verstehen und ich nicht viel Thai. So müssen wir Hände und Füße zur Hilfe nehmen, aber es geht!
Ja, also, “Gatoeis”. Am ehesten könnte man sie wohl mit Transvestiten vergleichen. Aber so was…ich kann es nicht gut genug in Worte fassen so was muss man gesehen haben. Das neben mir auf dem Bild z.B. ist einer. Okay, da erkennt man es wirklich nicht. Und ich sehe auch nciht immer so aus, das war nur auf unserem Sportfest, da war ich wieder mal in Thaistyle gekleidet.
Also, in jeder Klasse gibt es ein paar solcher Jungen, oder soll ich sie lieber Mädchen nennen? Sie fühlen sich wie Mädchen, haben nur Freundinnen und manche schminken sich sogar. Am Anfang war es für mich sehr befremdlich, mich mit ihnen zu unterhalten, aber mittlerweile komme ich gut mit ihnen zurecht. Mit so vielem komme ich jetzt besser zurecht, mit meinem neuen Leben, ich liebe es!
Schulweg
Es ist noch keine sechs Uhr morgens, doch liege ich schon hellwach in meinem riesigen, doch harten Bett und lausche auf die Geräusche die mich umgeben. Da wird die Plane vom Nachbarladen hochgezurrt, irgendein Radio in der Nachbarschaf auf volle Lautstärke angeschaltet. “Nueng, song, saam,..-1,2,3,..”, der erste Pickup fährt durch das erwachende Dorf und preist seine Waren an. Hähne krähen, Hunde bellen, nein, eigentlich heulen sie, Geckos knattern (mir fällt kein besseres Wort für ihr Geräusch ein). Dann höre ich wie mein Gastvater das große Metalltor vor unserem Haus aufschiebt und den alten Pickup anwirft. Er fährt jetzt unsere sechs Kühe auf Weide.Ich sollte jetzt aufstehen, vor der Schule habe ich noch einiges zu tun. Irgendwo im Haus wuselt auch meine Gastmutter, die ich mit einem Wai begrüße, und Yui, meine 16-jaehrige Schwester, herum. Ich schlurfe die wenigen Schritte in die Küche und spüle das Geschirr vom Vortag. Habe ich ein Glück und finde ich keine tote Kakerlake im Spülbecken. Danach hocke ich mich auf den Boden (die Fliesen sind zum Glück immer schön kühl) und bügele meine Schuluniform; ein blauer, über die Knie reichender Rock und eine große, weiße Bluse mit eingenähtem Thainamen: ชฎาพร ชาวพงษ(gelesen: Chadaporn Chaopong). Das bedeutet in etwa “heilige Krone”. Aber ich werde meistens Mali genannt, “Jasmin”.
Nach dem duschen, wir haben sogar eine westliche Dusche neben dem üblichen Becken, wo man sich einfach eiskaltes Wasser über den Kopf schüttet, wird gefrühstückt: Klebereis mit Omelette oder irgendwas Fleisch oder Fisch Ähnlichem. Alles wird mit den Fingern gegessen und (das Meiste) ist einfach köstlich!
Wenn ich nicht mit meinen Schwestern auf dem Motorrad zur Schule fahre, muss ich dann langsam aufbrechen um den “Schulbus” noch rechtzeitig zu erreichen. Rod Song Taeo wird er genannt, der “Schulbus”. Es ist eigentlich eine Art Lieferwagen, mit zwei hinten eingebauten Bänken. Ich laufe also durch die staubigen Sträßchen, auf denen nun schon einiges los ist. Kleine, uniformierte Kinder, die zur Grundschule im benachbarten Dorf laufen oder, so wie ich, zum Rod Song Taeo. Dann sind da alte Thaifrauen in wunderschönen, allerdings dreckigen, Stoffen gekleidet oder weißen Blüten im Haar. Gebückt laufen sie herum und grinsen mich mit ihren betel-zerstümmelten Zähnen an. Auf dem Weg komme ich an unserem kleinen Tempel vorbei und das letzte Stück geht es durch die Reisfelder zur Hauptstrasse. Bald kommt dann der Song Taeo. Auf dem Schulweg habe ich meistens Glück und finde noch einen Sitzplatz, zwischen den anderen Schülern und manchmal gerne gut 20 Reissäcken. Auf dem Nachhauseweg sind alle Song Taeos aber immer so voll, dass manche Schüler sogar auf dem Dach sitzen. Ich stehe dann immer ganz außen, denn nach drinnen passe ich nicht, ich bin mal wieder zu groß.
In der Schule angekommen wird dann um acht Uhr die Nationalhymne gesungen. Alle 3000 SchuelerInnen stehen dann vor der Schule auf einem großen Rasenplatz. Die Sonne prallt, was alle verabscheuen, weil sie doch alle so gerne weiß wären. Wir stehen dann da also gut eine halbe Stunde herum und dann geht´s los zum Unterricht. Um halb vier nachmittags ist dann endlich schulschluß, aber wir bleiben oft noch länger oder viele haben Extraklassen. So sind wir manchmal erst um sechs Uhr zu Hause, kurz bevor es dunkel wird.
So, ich wünsche euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen ausgezeichneten Rutsch ins neue Jahr 2007!
Ja, auch ich werde wohl meiner Gastfamilie ein wenig zeigen, wie man Weihnachten feiert, auch wenn in den Tagen so viel los sein wird, ich fahre u.a. nach Bangkok und hier ist ein großes Fest (was nichts mit Weihnachten zu tun hat). Aber ich freue mich schon sehr! Auf alles, auch auf das nächste Jahr, wenn ich wieder nach Hause komme. Obwohl ich momentan alles andere als Heimweh habe. Ich bin so glücklich,
ich finde deinen Text voll toll und interessant :)
Ich würde auch sehr gerne nach Thailand, weil meine Mutter und mein Vater dort für 1 Jahr gelebt haben (als sie noch jung waren).
Ich hoffe du hattest und wirst noch eine schöne Zeit haben.
ich finde deinen Text voll toll und interessant :)
Ich würde auch sehr gerne nach Thailand, weil meine Mutter und mein Vater dort für 1 Jahr gelebt haben (als sie noch jung waren).
Ich hoffe du hattest und wirst noch eine schöne Zeit haben.
LG Jana ♥