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Alles klar danke schön

Gastmutter Annette, Paraguay, 2015,

Christoph und ich wohnen am Niederrhein und haben seit Februar eine Gasttochter: Sharon aus Paraguay. Inzwischen verstehe ich die Eltern im unseren Freundeskreis, die allen begeistert mitteilen, was ihr Kind jetzt schon kann (laufen, sprechen, Haare schneiden ohne heulen). Denn meine Begeisterung erreicht ähnliche Höhen, wenn ich erzähle, welche Fortschritte Sharon beim Deutsch lernen macht. Im Februar sprach sie noch kein einziges Wort. Mittlerweile versteht Sharon meist ziemlich gut, worum es geht. Auch wenn wir uns in normalem Sprechtempo unterhalten oder „hasse“, „meinze“ „sach ma“ sagen.

Klimatisch bedingt wurde ein wutschnaubendes „Das Wetter ist scheiße“ Sharons erster (akzentfreier) Satz. Da diese Aussage Gott sei Dank bald an Aktualität verlor, mussten weitere nützliche Vokabeln und Sätze her. Das forcieren wir mit gemeinen Spielchen beim Essen. Es wirkt. Sie bestellt in der Eisdiele den Schokobecher selber (und bekommt ihn auch), telefoniert mit der Gastoma und lernt mit Christoph und der ZEIT-Titelseite, was „Flüchtlinge“ sind.

Unterwegs kommunizieren Sharon und ich gerne per iMessage auf dem Handy. Sie auf Spanisch, ich auf Deutsch und beide illustrieren wir unsere Nachrichten gern mit Herzchen und Smileys. Vor zwei Wochen erhielt ich die erste Textnachricht von ihr auf Deutsch. Sie lautete „alles klar danke schön“. Natürlich habe ich allen Freunden brühwarm davon berichtet.

Ein kleiner „Rückschlag“ in Sachen Deutsch folgte am Vatertag, auch wenn Christoph sich wahnsinnig über die M&Ms (Lieblingssüßigkeit) und die tolle Karte (seine erste Vatertagskarte überhaupt) gefreut hat. „Gelukkige vaderdag“ ist nämlich Niederländisch. Aber gut. Wir wohnen ja ziemlich nah an der Grenze. Auf jeden Fall haben wir drei Christi Himmelfahrt mit einem richtigen Lachflash begonnen.

 

 

Viel mysteriöser, zumindest für Sharon, war jedoch der Beginn des Wonnemonats. Als sie am 1. Mai aus ihrem Zimmer trat, hing ein Maibaum über ihrer Tür. Heimlich geschlagen und zünftig geschmückt (adios Ihr Stoffe für mein nächstes Nähprojekt) von Christoph, um der Gasttochter diese schöne Tradition nahe zu bringen. Über meiner Arbeitszimmertür hing auch einer. Etwas kleiner („Danke Schatz! Ich habe noch nie einen Maibaum bekommen!“ – „Das sollte dir zu denken geben.“). Sharon: „Und ich habe mich gestern schon gewundert, warum Leute mit abgehackten Bäume herumlaufen.“

Übrigens finde ich richtig toll, dass ich bei diesen ganzen Kinderthemen jetzt mitreden kann. „Schlafen“ ist eines davon und scheint an den Nerven vieler Eltern zu zerren. Wenn unsere Freunde da sind und erzählen, dass Elias/Finn/Mia damit Schwierigkeiten haben, setze ich meine Erziehungsratgeber-Stimme auf und sage: „Also unsere schläft ja durch.“ PS. Erste Male können bitter sein:

- Als Neu-Niederrheinerin kommt Sharon um Spargel nicht herum (Jedoch kein neues Leibgericht)

- Als Gasteltern eines Mädchens aus Paraguay kommen wir um das Nationalgetränk Tereré nicht herum. Eine Art Matetee, der mit Eiswasser aufgegossen wird (Schmeckt nach Pfeifenrauch und Grünem Tee)