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Die Zeit war unglaublich bereichernd

Clara, Australien, 2014, Community Service Program

Lieber Leser,

vielleicht hast du dich schon für einen Freiwilligendienst in Australien entschieden und suchst noch nach etwas Inspiration oder du bist noch dabei, dich zu entscheiden. Ich hoffe, dass dir meine Erfahrungen von meinen fünf Monaten in Perth und meinem tollen Projekt bei deiner Entscheidung helfen können.

Neugierig und etwas aufgeregt habe ich mich im Juli 2014 mit meinem Koffer, meiner Kamera und einem noch leeren Tagebuch in den Flieger nach Perth gesetzt. Dort angekommen, war ich total müde und unglaublich gespannt, von AFS Australia begrüßt und von meinem Gastvater abgeholt zu werden.

Meinen ersten "Fehler" habe ich schon beim Einsteigen ins Auto gemacht, als ich versuchte mich auf den Fahrersitz zu setzen. Ich hatte nämlich total vergessen, dass man in Australien ja auf der linken Seite der Straße fährt. Neu war für mich auch der hohe Fleischkonsum und, dass Entfernungen zwischen Orten keineswegs mit unseren zu vergleichen sind. Manchmal dauert es bis zu zwei Stunden zum nächsten Ort und dabei begegnet man zwischendurch kaum einem anderen Auto. Da ich aus einer großen Stadt mit einer sehr guten Infrastruktur komme, war es für mich auch sehr ungewohnt, dass man sogar in Perth fast überall mit dem Auto hinfährt.

Das Projekt

Sehr herzlich wurde ich empfangen und fühlte mich in meinem Projekt pudelwohl, sodass ich sehr gern noch länger geblieben wäre. Besonders viel Spaß macht mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und daher passte "Scitech" sehr gut zu mir. Das ist ein Discovery-Center für Klein und Groß mit dem Ziel, Besuchern auf spielerische Weise die Naturwissenschaften näherzubringen. Zu vergleichen wäre mein Projekt mit dem Extavium in Potsdam, dem Spektrum in Berlin oder dem Technorama in der Schweiz.

Ich fuhr jeden Tag über eine Stunde zu meinem Projekt, wo ich dann von Montag bis Freitag zwischen fünf und sieben Stunden arbeitete und dabei Schulklassen betreute, Aufgaben im Büro erledigte oder im Experimentierbereich mit den Besuchern interagierte und ihnen die Funktionen der Ausstellungsstücke erklärte. Jeden Tag durfte ich mich einer neuen Herausforderung stellen und war mehr als begeistert. Das Projekt war wirklich perfekt für mich und an die lange Anfahrt habe ich mich nach und nach gewöhnt.

Die Gastfamilie

Meine Gastfamilie lässt sich sehr gut mit dem Wort "anders" beschreiben. Ich erlebte Familienleben, wie ich es bisher so nicht kannte. Jeder machte seins und man traf sich gerade mal zum Abendessen. Manchmal fiel es mir nicht leicht, mich auf ihre Meinungen und Handlungen einzulassen. Aber dadurch habe ich einiges für mich dazugelernt, unter anderem, geduldiger zu werden und zu versuchen, Situationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Jeder lebt sein Leben auf eine andere Weise und geht Dinge anders an. Man muss nur versuchen, seinen eigenen Weg zu finden.

Und dadurch, dass ich oft auf mich allein gestellt war, bin ich selbstständiger, erwachsener und offener für Neues geworden. Außerdem hatte ich so die Möglichkeit, vier andere AFS-Freiwillige aus Costa Rica, der Schweiz und Deutschland besser kennenzulernen und mit ihnen jedes Wochenende eine andere Ecke von Perth zu erkunden. Wir hatten wirklich eine tolle Zeit zusammen. Gemeinsam sind wir auch auf die AFS-Safari durch den Norden von Western Australia gefahren. Es waren unvergessliche 12 Tage mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, die alle in Australien verteilt waren.

Die Betreuung

Die Betreuung durch AFS Australia lief oft etwas chaotisch, weswegen wir uns bei Problemen vorrangig an AFS Deutschland gewendet haben und gut unterstützt wurden. In der Zeit vor Ort war ich auch sehr froh, Unterstützung von zuhause und meinen Freunden, nicht nur in Australien, erhalten zu haben. Über Antworten auf meinen Blog, Nachrichten per Handy und E-Mail, Skypen, Karten und Briefe habe ich mich jedes Mal riesig gefreut.

 

 

Die Sprache

Sehr wichtig war für mich auch die Verbesserung meiner Englischkenntnisse. Als ich am Anfang noch einige Schwierigkeiten hatte, standen mir meine Arbeitskollegen immer gern mit Rat und Tat zur Seite. Innerhalb der fünf Monate bin ich beim Sprechen viel lockerer geworden und habe jetzt kaum noch Probleme, Gesprächen zu folgen und mich zu verständigen. Nur konnte ich meinen kleinen deutschen Akzent wohl nicht komplett ablegen.

Während meiner Zeit im Freiwilligendienst fiel mir auf, dass auch in einem sogenannten Industrieland wie Australien freiwillige Mithilfe sehr gern angenommen wird und man durch AFS die Möglichkeit bekommt, ein anderes Land, andere Menschen und ihre uns unbekannte Kultur kennenzulernen und besser zu verstehen. Meine Erfahrungen habe ich gern durch meinen Blog, meine unzähligen Fotos und Erzählungen weitergegeben und werde sie dank meines Tagebuches auch nicht vergessen. Ich kann einen Freiwilligendienst im Ausland nur wärmstens empfehlen, denn die Zeit war unglaublich bereichernd.