AFS-Erfahrungsbericht Auslandsjahr Australien

Mein Austauschjahr in Australien

Jan, Australien, 2013, Schuljahr im Ausland

Es sind nun schon wieder 9 Monate vergangen, seitdem ich von meinem Auslandsjahr in Australien wieder in Deutschland angekommen bin. Ich habe in dem Jahr 2013 von Februar bis Dezember in Australien mit meiner Gastfamilie in einer kleineren Stadt namens „Gisborne“ gelebt. Gisborne liegt nördlich der australischen Großstadt Melbourne und ist ca. 45 Minuten davon entfernt. Meine Schule, die ‚Gisborne Secondary School‘ war eine staatliche Schule. Schon am ersten Tag machte ich dort viele tolle Bekanntschaften, die sich im Verlauf des Jahres zu sehr guten Freundschaften entwickelten.

Meine Gastfamilie

Meine AFS-Austauschfamilie

Meine Gastfamilie hat mich in Australien sehr nett und freundlich aufgenommen. Ich hatte das große Glück meine Gastfamilie schon von meinem zweimonatigen Aufenthalt im Jahre 2011 zu kennen. Meine Gastmutter hieß Lainie und mein Gastvater Jason. Ich hatte auch zwei kleine Gastgeschwister. Meine kleine Gastschwester Ava, die 8 Jahre alt war und meinen Gastbruder Declan, der 10 Jahre alt war. Dies war eine kleine Umstellung, denn in Deutschland habe ich nur einen kleinen Bruder. Trotzdem war es mit zwei Geschwistern sehr lustig und unterhaltsam. In meiner Gastfamilie konnte ich mich wieder sehr gut und schnell einleben, da mir auch das Gefühl gegeben wurde, willkommen und ein Teil der Familie zu sein. Viele große Unterschiede zu meiner Familie in Deutschland gab es eigentlich nicht. Entscheidungen innerhalb der Familie wurden mit allen getroffen und jeder durfte mitbestimmen. Zum Beispiel wenn wir einen Wochenendtrip geplant hatten, einigten wir uns gemeinsam, wo wir zusammen hingehen. Auch das Verhältnis zu meinen Gastgeschwistern war nicht anders als das zu meinen leiblichen Geschwistern. Wir spielten zusammen Spiele, und ich half ihnen auch manchmal bei den Hausaufgaben, wenn sie Hilfe brauchten.

Meine Schule in Australien

Meine Schule, die ‚Gisborne Secondary School‘ war eine staatliche Schule. Schon am ersten Tag machte ich dort viele tolle Bekanntschaften, die sich im Verlauf des Jahres zu sehr guten Freundschaften entwickelten. Dort war es mir möglich, meine vier Fächer selber zu wählen, außer Englisch und Mathematik, welche Hauptfächer waren und sie daher von jedem Schüler belegt werden mussten. Zu Englisch und Mathematik wählte ich Biologie, Chemie, Psychologie und PE. Das bedeutet ‚Physical Education‘ und ist ein Sportunterricht, in dem gleichzeitig auch Sporttheorie unterrichtet wird. Der Umgang zwischen Lehrern und Schülernwar in den meisten Fällen das Gleiche wie in Deutschland, dennoch zogen manche Lehrer es vor, mit den Schülern ein eher freundschaftlicheres Verhältnis zu haben. Dies war sehr angenehm und führte auch im Unterricht zu einer guten Arbeitsatmosphäre.

 

Während meiner Schulzeit ist mir das Lernen in Australien leichter gefallen als hier in Deutschland. Viele Sachen, die man in Australien in der Schule gelernt hat, für eine Arbeit oder einen Test, wurden danach nicht einfach ‚abgehakt‘ sondern mit anderen Themen in Verbindung gebracht und Themen haben auf einander aufgebaut. So war es leichter sich Zusammenhänge zu erschließen. In Deutschland hingegen arbeitet man an einem Thema für eine Klassenarbeit, welches danach in den meistens wieder vergessen wird.

Australian Football

Während meiner Schulzeit in Australien hatte ich auch die Möglichkeit für eine Saison in einer ‚Australian Football‘ Mannschaft mitzuspielen. ‚Australian Football‘ ist der Nationalsport in Australien, und ich fühlte mich sehr geehrt, dass man mich, als Austauschschüler, so freundlich in das Team aufgenommen hatte. Meine ersten Trainingsstunden waren zwar schwer, doch mein Trainer gab mit schon nach zwei Trainingseinheiten die Chance beim ersten Spiel mitzuspielen. Bald bekam ich sogar einen Stammplatz in der Startaufstellung und eine lokale Zeitung verfasste einen Artikel über mich, mit einem Interview, indem ich über mich selber, den Auslandsaufenthalt und den Club, in dem ich jetzt Spieler war, berichtete. Mein Team hieß ‚Macedon Cats‘ und alle Mitspieler hatten mich von Anfang an, als festes Mitgliede des Teams betrachtet. Auch da merkte ich sehr deutlich, dass Australier einen sehr starken Teamgeist haben und auch Fremde herzlich aufnehmen und versuchen diese so schnell wie möglich zu einem Teil des Teams zu machen. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es bedeutet für die Menschen dort viel, für einander da zu sein und sich gegenseitig mit Respekt und Achtung zu behandeln.

"Mateship" - Freundschaft

Auch Freunde zu finden, ist mir in Australien sehr leicht gefallen. Das lag größtenteils daran, dass die australischen Menschen mit einer sehr freundlichen Weise auf einen zugehen und auch sehr interessiert daran sind, neue Menschen kennen zu lernen. In Australien ist ‚Mateship‘ (Freundschaft) etwas ganz besonderes. Man sagt auch zu Freunden erst ‚Mate‘ wenn man sich wirklich sicher ist, dass man auf den anderen zählen kann. Freundschaft bedeutet in Australien nicht nur für einander da zu sein, wenn was passiert ist, sondern das man sich auf den anderen, egal was ist, hundertprozentig verlassen kann und jemanden auch so nimmt, wie er oder sie ist. Solche Freundschaften sind in Deutschland, ohne jetzt Kritik zu üben, eher selten; das Wort Freundschaft ist, so finde ich, in Deutschland ein eher oberflächlicher Begriff und man nennt viele Menschen seine Freunde. In Australien werden nur die wirklichen ‚Mates‘ als Freund benannt. So habe ich das zu mindestens erlebt und fand dies auch eine tolle Erfahrung.

Sarkasmus - Der australische Humor

Ausflug nach Sidney zu meinem 17. Geburtsstag

Bei Konfliktlösungen waren Australier eher einfach. Man versuchte Konflikten aus dem Weg zu gehen und selbst wenn man mal eine Auseinandersetzung oder einen kleineren Streit hatte, war dieser schnell ‚vergessen‘. Ich hatte auch bemerkt, dass Australier keine sehr nachtragenden Menschen sind. Meine Gastmutter pflegte immer zu sagen, wenn man mal einen Streit hat, dann sollte man immer versuchen vor dem Schlafen gehen, die Missstände zu beseitigen, denn am nächsten Morgen soll es vergessen sein. Beim Konversationsverhalten gab es eher keine wirklichen Unterschiede, denn man konnte mit den Menschen genauso gut kurze, einseitige Gespräche führen wie auch tiefere, längere Konversationen. Dennoch bemerkte ich, dass australische Menschen im Alltag einen oft sarkastischen Ton in ihren Konversationen haben. Dies aber nicht um gemein zu sein, sondern ist einfach nur der Australische Humor.

 

Für Außenstehende, wie zu Beispiel damals ich selber, war es am Anfang manchmal schwer zu erkennen, ob ein Satz jetzt ernst gemeint war, oder nicht, oder sich vielleicht auch eine andere Aussage hinter dem Satz verborgen hat. Manchmal werden daher Australier auch für gemein oder sogar auch arrogant gehalten. Auch ich wusste am Anfang nicht ganz was meine Gasteltern meinten. Schnell jedoch erklärten sie mir, dass keine Aussage gemein gemeint wäre. Nach einiger Zeit gewöhnte ich mich an daran und begann bald selbst so zu reden. Man sollte daher am Anfang nicht schlecht denken, sondern sich darauf einlassen. Ich persönlich finde einen solchen Umgangston im Alltag sehr amüsant und natürlich versuche ich auch dieses ‚Stück‘ Australien in mir zu behalten.

Vielen Dank für diese Erfahrung

Ich habe in meinem Gastland gelernt, dass es für einen guten Umgang miteinander wichtig ist, offen und freundlich zu sein – besonders beim Kennenlernen. Besonders im Umgang miteinander sind Australier viel offener und wie schon gesagt das Freunde finden war ein anderes Erlebnis der positiven Art, wie ich es von Deutschland nicht immer gewohnt war. Auch was das schulische Lernen betrifft, ist Deutschland viel strikter als Australien. In Deutschland wird, so finde ich, auf die Schüler ein hoher Leistungsdruck ausgeübt, der in Australien versucht wurde, zu vermindern.

 

Die Zeit in Australien, war voller guter und interessanter Eindrücke und Erlebnisse. Um das alles erleben zu können, hat mir das Stipendium der BLANCO GmbH & Co. KG sehr geholfen. Ich persönlich finde es außerordentlich großzügig diese Unterstützung zur Erfüllung meines Wunsches, mit AFS ein Auslandsschuljahr in Australien durchführen zu können, erhalten zu haben.