• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Mein Community Service in Tasmanien

Merle, Australien, 2009/10, CSP

Mein Community Service in Tasmanien

Nach dem Abi begann für mich im vergangenen Herbst meine Reise nach Australien! Nach einem ewig langen Flug kam ich am 11.09.09 in Tasmanien an, wo ich für die nächsten drei Monate gelebt und im Rahmen meines Freiwilligendienstes mit AFS an mehreren Grundschulen mitgearbeitet habe.

Ankunft und erstes Treffen mit Gastfamilie

Das Haus der Gastfamile von Merle bei ihrem Freiwilligendienst in Australien

Trotzdem mir zuvor alle Freunde und meine Familie Mut gemacht haben, war ich vor meiner Ankunft doch sehr nervös, weil ich gar nicht richtig wusste was auf mich zukommen würde und das erste Mal alleine so weit weg unterwegs sein würde. Als mich meine Gastfamilie dann aber am Flughafen begrüßte und ich kurz darauf das Haus und das kleine Dorf direkt am Strand kennen gelernt habe, habe ich mich aber gleich sehr wohl gefühlt und meine Sorgen wandelten sich in Vorfreude um, auf das was kommt. Da gerade Schulferien waren musste ich die erste Woche erst einmal nicht arbeiten und hatte somit etwas Zeit mich an die neue Umgebung und die Menschen zu gewöhnen.

Merle und ihre Gastfamilie in Australien

Meine Gastmutter Sally war selber noch sehr jung und wir hatte deswegen von Anfang an eher ein freundschaftliches Verhältnis. Trotz dem wir von ganz unterschiedlichen Orten kommen, waren wir uns in vielen Dingen sehr Ähnlich und wurden ständig für Schwestern gehalten. Außerdem hatte ich noch meine Gastbrüder, die 4,7 und 12 Jahre alt waren. Ich habe die Familie schnell ins Herz geschlossen. Sie haben mich sehr nett und wie selbstverständlich ins Familienleben integriert und ich war sehr glücklich in Low Head gelandet zu sein.

Erkundung der Insel

In der ersten Woche sind wir auch ein bisschen durch Tasmanien gefahren und ich habe mich gleich in die schöne Insel verliebt. Besonders beeindruckend fand ich den Regenwald, die vielen Wasserfälle und natürlich die wunderschönen Strände und Klippen. Low Head selbst ist sehr klein (hat laut „lonely planet“ nur 414 Einwohner;) und das war für mich schon eine ziemliche Umstellung, da ich aus der Stadt komme und es überhaupt nicht gewohnt war ständig alles mit dem Auto machen zu müssen. Trotzdem hat mir der Ort gut gefallen und ich fand es unheimlich schön direkt am Meer zu wohnen.

Das Projekt in der Kindertagesstätte

Als ich dann meinen ersten Tag in der Kindertagesstätte, dem Projekt, dass AFS mir vermittelt hat, gearbeitet habe, war ich leider etwas enttäuscht. Ich wurde den Kindern am Anfang gar nicht vorgestellt und generell war die Kita ziemlich chaotisch und unorganisiert. Ich fand es sehr schwer mich selbst sinnvoll einzubringen und fühlte mich ziemlich unwohl. Als sich das auch im Laufe der ersten Woche nicht verbessert hat und ich merkte dass mir die Arbeit einfach keinen Spaß gemacht hat, habe ich meine Gastmutter angesprochen, die auch nicht viel von dem Kindergarten hielt und meine Probleme gut verstehen konnte. Glücklicherweise war sie selbst Lehrerin an einer der Schulen im Ort und konnte mir sehr schnell helfen dort einen Platz für mich zu finden. So habe ich dann mein Projekt geändert.

Ein neues Projekt

In ihrem Projekt unterrichtet die Freiwillige Merle an einer Schule in Australien

Montags bis Mittwochs war ich von da an an der „South George Town Primary School“ und habe in verschiedenen Klassen mitgeholfen. In erster Linie habe ich Kleingruppen mit schwächeren Schülern bei ihren Aufgaben geholfen, den Kindern beim Lesen zugehört und mit einer kleinen Gruppe von Schülern habe ich auch ein bisschen Deutschunterricht gemacht. Die Lehrer haben mich von Anfang an alle sehr nett aufgenommen und sich sehr gefreut, zusätzliche Hilfe zu haben. Oft wurde ich einfach direkt gefragt, was ich gerne machen würde und so war es an sich gut ausgewogen: Mir war nicht langweilig, aber ich fühlte mich auch nicht überfordert.

Die übrigen zwei Tage der Woche habe ich dann an der „Port Darymple School“ im Kindergarten gearbeitet, der in Australien allerdings mehr wie eine Art Vorschule ist. Mit der Lehrerin habe ich mich super verstanden und sie hat mir auch gleich relativ viel Verantwortung gegeben und mir zum Beispiel auch mal Arbeit mit der ganzen Gruppe überlassen, was mir Spaß gemacht hat. Ich fand es sehr gut, dass ich durch die Arbeit einen Einblick in so viele unterschiedliche Klassen- und Altersgruppen bekommen konnte. Es schien mir so als ob mich nach einer Zeit jedes Kind in George Town kennen würde. Jedenfalls wurde ich morgens im Schulbus und in der Schule ständig von fröhlichen Kindern begrüßt, an deren Namen ich mich leider selbst oft nicht erinnern konnte.

Kennenlernen des australischen Lebensstils

Durch Unterhaltungen mit den Kindern habe ich auch einiges über den australischen Lebensstil sowohl der weißen Familien, als auch in der Aborigineekultur gelernt. Mit George Town bin ich in einer sehr armen Gegend Tasmaniens gelandet und dadurch hatte man in der Schule oft mit Problemen zu tun, die mir zuvor gar nicht so vertraut waren. Viele der Kinder in George Town kamen aus armen und teilweise sehr schwierigen familiären Verhältnissen. Obwohl ich mir mit Australien ja ein Land ausgewählt hatte, dass meinem Heimatland kulturell verhältnismäßig ähnlich ist habe ich so doch ziemlich viel erlebt was sehr anders war, als ich es von zu Hause kenne. Das hat meine Zeit aber auch interessant gemacht und ich denke, dass es mir persönlich auf jeden Fall geholfen und mir die Augen für andere Lebensumstände und zuvor fremde Situationen geöffnet hat.

Gleich zu Beginn habe ich über meine Gastfamilie einen Deutschen kennen gelernt, der zur gleichen Zeit in Tasmanien ein Praktikum gemacht hat. Er hat in der nächstgelegenen Stadt Launceston gewohnt und ich habe daraufhin oft meine freie Zeit am Wochenende dort verbracht. Das war für mich immer sehr schön, da ich das Stadtleben in dem kleinen Ort schon oft vermisst habe und außerdem war mir der Kontakt zu Leuten in meinem Alter wichtig. Über diese Verbindung konnte ich auch viele australische Jugendliche kennen lernen und habe auf diesem Weg auch den australischen Lebensstil miterlebt, zum Beispiel beim typischen australischen Barbecue, gemeinsamen Ausflügen oder einfach beim Feiern. Insgesamt habe ich die Leute als sehr gastfreundlich, nett und entspannt kennen gelernt, was aber auch mal unzuverlässig heißen kann. Verabredungen sind da oft sehr viel offener als ich das aus Deutschland gewohnt war.

Wochenendtrip nach Hobart

Bei einem monatlichen AFS-Treffen mit anderen Freiwilligen in Australien

In meiner ersten Woche hatten wir auch schon eines der monatlichen AFS-Treffen und ich habe die drei anderen Teilnehmer aus meiner Gegend kennen gelernt, mit denen ich mich im Laufe der Zeit öfters treffen konnte. Mit ihnen habe ich mich sehr gut verstanden und es war schön sich immer mal wieder mit Leuten austauschen zu können, die ähnliche Erfahrungen machen. Zum Ende unserer Zeit haben wir auch noch einmal gemeinsam einen Wochenendtrip in die tasmanische Hauptstadt Hobart gemacht.

Ein wenig schwierig fand ich, dass ich dadurch dass ich soweit außerhalb gewohnt habe und es auch keine öffentlichen Verkehrsmittel in meinem Dorf gab, immer sehr abhängig davon war hin- und her gefahren zu werden. Zwar wurde ich immer von meiner Gastfamilie oder Freunden gefahren, aber das ständige Fragen war mir auf Dauer schon unangenehm und ich wäre gerne etwas unabhängiger gewesen.

Zeit verging wie im Flug

Die Zeit verging während der drei Monate wie im Flug, jeder Tag war irgendwie anders und neu. Als ich dann letztendlich Abschied nehmen musste, war ich schon sehr traurig, weil mir das Leben auf Tasmanien echt gut gefallen hat und mir die ganzen tollen Menschen aus der Schule, meine Freunde aus der Stadt, die AFS-Leute und insbesondere natürlich meine Gastfamilie sehr fehlen.

Auslandsjahr mit AFS: Strand, Meer und Sonne

Nach meiner Zeit in Tasmanien habe ich noch vier weitere Monate in Australien verbracht und bin mit Freunden rumgereist. Zum Ende hin sind wir auch noch einmal gemeinsam nach Tasmanien geflogen und haben dort alle Leute wieder getroffen. Wir wurden wieder super nett aufgenommen und das war noch mal eine sehr schöne Erfahrung.

Nun bin ich seit kurzer Zeit wieder zurück in Deutschland und merke immer mehr wie wichtig und besonders diese Zeit für mich war. Auch wenn Australien als Land vielleicht nicht so ‚anders’ ist wie einige andere Länder, war es für mich eine sehr aufregende Zeit mit vielen neuen Dingen und Erfahrungen. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich für diese Reise entschieden habe und bin mir sicher, dass mir vieles von dem, was ich erlebt habe für immer in Erinnerung bleibt.