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Ein echt schönes Land, in dem es viel zu entdecken gibt

Vivian, Belgien, 2010/11,

Ein echt schönes Land, in dem es viel zu entdecken gibt

Ich heiße Vivian und bin 16 Jahre alt. Ich komme aus Darmstadt und verbringe ein Schuljahr im flämischen Teil von Belgien. Seit etwa vier Monaten lebe ich bei meiner Gastfamilie in Antwerpen.

Als ich erfahren habe, dass mein Austauschland Belgien sein würde, war ich zunächst erst mal etwas überrascht. Mit der Zeit jedoch fand ich immer mehr über dieses Land heraus und gewann es lieb. Ich stellte es mir schwierig vor, ein Jahr von meiner Familie und Freunden getrennt zu sein und nur über Internet oder Telefon Kontakt zu halten. Doch es ist gleichzeitig eine Möglichkeit noch einmal von neuem zu beginnen.

Der erste Brief von der Gastfamilie

Als ich dann die erste Mail von meiner Gastfamilie erhielt, war ich sehr glücklich und aufgeregt. Ich erfuhr, dass ich einen großen Bruder (22) und eine große Schwester (20) haben würde, die beide noch zu Hause wohnen und zwei liebe Eltern. Wir schienen viele Gemeinsamkeiten zu haben und ich freute mich schon sehr. Hier in Belgien leben wir in einem großen Haus, in der Nähe von vielen Geschäften und einem Park. Also kann man sich aussuchen, ob man Shoppen oder Spazieren gehen möchte, wenn man mal Zeit zum Nachdenken braucht. Ich habe ein Zimmer für mich allein, in das ich mich auch mal zurückziehen kann. Meistens bin ich aber mit den Anderen im Wohnzimmer. Wir verbringen eine lustige Zeit miteinander. Manchmal sage ich ein komisches Wort und dann muss jeder lachen. Flämisch unterscheidet sich etwas von Niederländisch. Die Aussprache und manche Wörter sind anders, aber ich kann beides einigermaßen verstehen. In Antwerpen wird ein Dialekt gesprochen. Bevor ich die Reise nach Belgien antrat, habe ich einen kleinen Selbstlern-Sprachkurs gemacht und in einem Buch mit CD gelernt. Ich denke, es hat mir ein bisschen geholfen.

Schule und Schnupperpraktika

Meine Schule ist nicht weit von hier, so etwa fünf Minuten mit dem Fahrrad. Ich fahre hier jeden Tag mit dem Rad, also auch bei Schnee, Eis und Regen. Die Schule fängt um 8.20 Uhr an und dauert bis 15.40 Uhr. Wir haben eine große Mittagspause, in der wir selbst entscheiden können, ob wir nach Hause gehen oder in der Schule essen. Meistens gehe ich nach Hause, aber manchmal bleibe ich mit ein paar Anderen dort.

Ich bin hier in der „5. Middelbar”, das entspricht der 11. Klasse in Deutschland. Ich besuche die Richtung „Moderne Sprachen/ Naturwissenschaften“, einer eher theoretischen Richtung, bei der man viel auswendig lernen muss. In Flandern gehen die Schüler in der Regel zwölf Jahre zur Schule. Anschließend kann man noch zur Hochschule oder Universität gehen. In der Zeit der Prüfungen, die vor den Weihnachtsferien stattfanden, habe ich ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht. Ich habe mit den Kindern gebastelt oder ihnen beim Turnen geholfen. Das fand ich eine interessante Erfahrung. Ich weiß aber, dass ich in diesem Bereich später nicht arbeiten möchte. Hier ist es normal, den Großteil des Tages mit Lernen zu verbringen. Am Anfang fiel mir das sehr schwer, da ich auch nicht alles verstand. Ich versuche, alle Hausaufgaben zu machen und die Lehrer erwarten das komischerweise auch von mir. Von fast allen anderen Austauschschülern habe ich hingegen gehört, dass die Aufgaben für sie freiwillig sind.

Eine Freizeit voller Möglichkeiten und Aktivitäten

AFS-Gastschülerin Vivian mit ihren Freunden in Belgien an Weihnachten

In meiner Freizeit nehme ich an vielen Aktivitäten teil. Am Wochenende wird hier viel gefeiert. Meistens gehe ich mit meiner Schwester und Freunden weg :) Samstagmorgens gehe ich in eine Malschule, sonntagmittags gehe ich zur Jugendgruppe „Chiro“ und helfe dort ein bisschen als Teamerin, abends tanze ich Salsa und unter der Woche gehe ich manchmal mit meinem Bruder schwimmen.

Belgien: Ähnlich und doch anders

Als ich vor meinem Auslandsjahr stolz verkündet habe, dass ich nach Belgien gehen würde, haben viele gemeint, das sei doch kein großer Unterschied. Die Sprache sei auch fast die Gleiche wie in Deutschland. Doch je länger ich hier bin, desto mehr kleine und große Unterschiede stelle ich fest. Hier gibt es zum Beispiel viele Feiertage, die in Deutschland nicht praktiziert werden und die Sommerferien sind zwei Monate lang. Allgemein ist es hier etwas chaotischer, so auch in der Politik. Es gibt hier einen König, aber auch ein Parlament. Außerdem ist das Land geteilt in Wallonien und Flandern sowie die Region Brüssel.

Am liebsten esse ich Pralinen. Die sind echt super lecker. Auch werden hier viele Fritten mit Mayonnaise gegessen, in den meisten Familien mindestens einmal pro Woche. Freunde aus meiner Schule gehen manchmal sogar drei-, viermal in der Woche zur „frituur“. So heiß das Geschäft, das Fritten verkauft. Es wird auch viel Kaffee und Bier getrunken. Ich war auch schon in Leuven in der berühmten Brauerei von Stella Artois, dem bekanntesten Bier hier.

Fazit: Vielleicht werde ich hier sogar studieren

Belgien ist ein echt schönes Land, in dem es viel zu entdecken gibt. Sicher werde ich den Rest des Jahres noch viel erleben. Ich habe vor, nach meinem Austauschjahr noch oft zurück zu kommen und vielleicht sogar hier zu studieren. Aber egal wo man dieses Jahr verbringt, es ist einmalig und ich würde es mir nicht entgehen lassen. Wenn du offen für Neues bist, dann wird es das Jahr, an das du dich dein ganzes Leben lang erinnern wirst. Die Zeit geht unglaublich schnell vorüber, also versuche ich jeden Augenblick davon zu genießen.

Ganz herzlich möchte ich mich bei AFS mit seinen Helfern bedanken, die mir ganz viele tolle Tipps mit auf den Weg gegeben haben und mein Teilstipendium finanziert haben.